Kein Regenrückhaltebecken im innenstadtnahen Waldstück
Pastorsbusch bleibt unangetastet

Delbrück (WB). Die Bäume bleiben stehen: Das Vorhaben der Stadt Delbrück, im innenstadtnahen Waldstück Pastorsbusch ein 40 mal 25 Meter großes Regenrückhaltebecken in Form einer Erdmulde zu errichten, soll nicht weiter verfolgt werden. Diesen für den Rat empfehlenden Beschluss hat am Donnerstagabend der Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss in einer fast viereinhalbstündigen Sitzung gefasst.

Freitag, 06.09.2019, 23:01 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 23:40 Uhr
Weitere gut 1100 Unterschriften übergaben Mitglieder der IG Pastorsbusch, an deren Spitze Brigitte Heihoff, Christian Wolf und Karl-Heinz Rempe zu Beginn der Ausschusssitzung. Bürgermeister Werner Peitz nahm das Bündel in Empfang Foto: Jürgen Spies

Vor Sitzungsbeginn hatte die Interessengemeinschaft (IG) Pastorsbusch Bürgermeister Werner Peitz ein weiteres Unterschriftenbündel besorgter Anlieger und weiterer Delbrücker Bürger, die sich strikt gegen das Abholzen eines Teilstücks des Waldes aussprechen, überreicht. Die Anzahl der Unterschriften ist somit auf etwa 4350 gestiegen. Die jetzt noch nachträglich eingereichten gut 1100 Unterschriften »sind als Willenserklärung der Bürger anzusehen, da die offizielle Einspruchsfrist abgelaufen ist«, sagte IG-Sprecherin Brigitte Heihoff.

Der Verzicht auf den Bau des Regenrückhaltebeckens hatte sich in den vergangenen Wochen aufgrund des massiven und in Delbrück bisher in dieser Größenordnung einmaligen Bürgerprotests angedeutet. Auch deshalb hatte die Stadt nun Diplom-Ingenieur Martin Bresser vom Fachbüro Fischer eingeladen, der Erläuterungen zum Gebietsentwässerungskonzept gab. Ziel dieses Konzeptes ist es bekanntlich, die Delbrücker Innenstadt durch ein Bündel von Maßnahmen vor Überflutungen – so weit es eben möglich ist – zu schützen. Und Teil dieses Konzeptes war bislang der Bau des Regenrückhaltebeckens an der Ecke Wittmundstraße/Kettelerstraße.

Neuralgischer Punkt in der Innenstadt

Bresser holte weit aus, um auf die besondere Situation in der Delbrücker Innenstadt eingehen und erklären zu können, aus welchen Gründen der Bereich Thül­ecke als neuralgischer Punkt gilt und dort die Überflutungsgefahr nachweislich besonders groß ist. »Wir haben hier ein topografisches Problem. Durch das natürliche abschüssige Geländeprofil sammelt sich hier per se viel Oberflächenwasser. Außerdem sind mehrere Regenwasser-Kanalisationsstränge schon vor vielen Jahrzehnten so angelegt worden, dass sie auf die Thülecke zulaufen. Dadurch kommt es in der Summe bei Ex­trem­regenereig­nissen gerade hier zu Überflutungen, weil die Kanalisation die enormen Wassermassen nicht mehr aufnehmen kann und dann das Wasser in Fontänen aus den Schachtdeckeln quillt.« Ein weiterer Grund für verstärkte Überflutungsgefahr sei der hohe Grad der Oberflächenversiegelung und der geringe Versickerungs­anteil in der Innenstadt.

Die Stadt Delbrück hat nach Auskunft von Bürgermeister Werner Peitz seit 2016 bereits mehr als drei Millionen Euro für die Umsetzung verschiedener Maßnahmen zum Überflutungsschutz investiert; weitere kostenintensive Schritte müssen noch umgesetzt werden. »Einen 100-prozentigen Überflutungsschutz kann es aber auch danach nicht geben«, unterstrich Peitz.

Stadt hat noch keine umsetzbare Alternative

Deshalb gehe es unter anderem darum, »Wassermengenzustrom von oben nach unten zur Thülecke hin zu minimieren«, berichtete Fachmann Bresser. Dazu diente die planerische Absicht, einen Teil des bei Starkregen anfallenden Regenwassers schon frühzeitig im besagten Rückhaltebecken im Pastorsbusch aufzustauen. Etwa 630 Kubikmeter hätten dort hinein­gepasst. »Eine umsetzbare Alternative haben wir im Moment aber nicht!«, redete Peitz Klartext.

In der Ausschusssitzung sprachen unter anderem Gustav Robrecht (FDP), Sven Büdeker (SPD), Willibald Haase (SGD), Brigitte Michaelis (PID) und Daniel Werner (CDU) Ideen an, auf welche Weise bei Verzicht auf das Becken im Pastorsbusch mehrere hundert Kubikmeter auf andere Weise zurückgehalten werden könnten. Dazu zählte der Vorschlag, bestehende Regenrückhaltebecken, beispielsweise das an der von-Galen-Straße, zu vertiefen. »So einfach ist das nicht!«, bemerkte in diesem Zusammenhang Horst Wolf, Tiefbau- und Kanalisationsfachmann der Stadtverwaltung. Würde man Becken einfach so vertiefen, könnte dort aufgestautes Wasser nicht mehr ganz ablaufen und müsste abgepumpt werden. Und das sei nur eines der neu geschaffenen Probleme.

»Wir werden heute Abend zu keinen Ergebnissen kommen«, sagte Jürgen Wrona (Grüne). Er hofft, dass die Diskussion um den Pastorsbusch eine Art Wach­macher zum ganzen Themenbereich Überflutungsschutz war. Wrona regte jetzt schon an, die Bürger »frühzeitig und ehrlich darüber in Kenntnis zu setzen, dass notwendige Investitionen in diesem Bereich zu Gebührensteigerungen führen werden.«

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