DRK plant alten- und behindertengerechten Gebäudekomplex
Neues Wohnprojekt in Boke

Delbrück (WB). Ein neues Wohnprojekt für Senioren, Demenzkranke und Menschen mit Handicap soll im Delbrücker Ortsteil Boke entstehen. Im Neubaugebiet Remmerts Kamp planen die Brüder Frank, Dirk und Jürgen Brüggemeier in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) eine alten- und behindertengerechten Wohnanlage mit öffentlich gefördertem Wohnraum.

Samstag, 03.08.2019, 11:05 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 12:44 Uhr
4 bis 4,5 Millionen Euro sollen an der Straße Diebeskämpen in ­Delbrück-Boke investiert werden. Unter anderem sind 24 Service-Wohnungen mit einer Miete von 5,70 Euro pro Quadratmeter geplant. Foto: DRK-Kreisverband Paderborn

Es handelt es sich um das erste Vorhaben des DRK dieser Art im Kreis Paderborn. Ähnliche Projekte wurden bereits im Kreis Gütersloh oder in Bielefeld realisiert. ­Federführend ist auch in Boke die DRK Ostwestfalen-Lippe Soziales Wohnen gGmbH.

Mehr als vier Millionen Euro Investition

4 bis 4,5 Millionen Euro sollen an der Straße Diebeskämpen für das Projekt investiert werden. Die Zuschüsse in Form zinsloser Darlehen sollen sich auf 3 bis 3,5 Millionen Euro belaufen. »Es gibt bereits viel gute Arbeit im Bereich soziales Wohnen im Kreis Paderborn. Aber mit Blick auf die Alterspyramide und immer mehr Klein- und Kleinstfamilien ist noch Bedarf da. Deswegen engagieren wir uns auf diesem Gebiet«, erklärt Helmut Wester­milies vom Präsidium des DRK-Kreisverbandes aus Delbrück. Auch im Kreis Paderborn gebe es Wohnungsnot, und vor allem ältere Menschen vereinsamten immer mehr. Das Projekt passe zudem gut in die Bedarfsanalyse des Kreises. Es gehe darum, möglichst niedrige Mieten anzubieten.

Deswegen werden bei dem Projekt 24 Service-Wohnungen – alle barrierefrei und zum Teil behindertengerecht – mit einer Miete von 5,70 Euro pro Quadratmeter angeboten. Zudem gibt es zwei Gästewohnungen für Besucher. Zur Verfügung stehen sollen 16 Wohnungen, die 35 bis 47 Quadratmeter groß und für eine Person ausgelegt sind. Fünf Wohnungen sollen 62 Quadrat­meter und Platz für zwei Personen bieten. Und drei Wohnungen sind für Rollstuhlfahrer geeignet, eine ist 55, die andere 70 Quadratmeter groß und für zwei Personen geeignet.

Betreuung immer vor Ort

Der Zugang zu dem dreigeschossigen Komplex (das obere Geschoss ist ein sogenanntes Staffelgeschoss) soll über einen Privatweg von der Straße Diebeskämpen aus erfolgen. Im Staffelgeschoss sind vier barrierefreie und zum Teil behindertengerechte frei finanzierte Service-Wohnungen für Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte vorgesehen. In der Mitte der Wohnanlage ist ein zentraler Platz mit einem Wohncafé samt Begegnungszentrum sowie einer Gemeinschaftsterrasse geplant. »In dem Begegnungszentrum sollen auch Veranstaltungen angeboten werden, oder auch Yoga, Gedächtnistraining, Gymnastik und Vorträge«, sagt Günter Göpfert, der sich beim DRK-Kreisverband Paderborn aktuell um Projekte im Bereich soziale Dienste kümmert und früher hauptamtlicher Vorstand beim DRK-Kreisverband Gütersloh war. Das Begegnungszentrum solle darüber hinaus ein Treffpunkt der Generationen in dem Neubau­gebiet werden, erklärt Göpfert. Deswegen seien auch Aktionen für und mit Kindern geplant.

Das DRK-Service-Wohnprojekt im Erdgeschoss umfasst 400 Quadratmeter. Dort sollen acht Appartements für Rollstuhlnutzer mit Bad, ein Gemeinschaftsraum, eine Gemeinschaftsküche sowie ein Büro für einen Betreuer entstehen. »Der Betreuer ist eine Art Kümmerer vor Ort. Er ist immer vor Ort und ansprechbar, wenn es Probleme gibt«, sagt Göpfert.

Fertigstellung für 2021 geplant

Die Planungen laufen bereits seit vergangenem Jahr. Die DRK Ostwestfalen-Lippe Soziales ­Wohnen gGmbH will den Gebäudekomplex in Zusammenarbeit mit dem DRK-Stadtverband Delbrück langfristig anmieten und die Betreuung der sozialgeförderten Wohnungen sowie der Wohngemeinschaft und des Cafés koordinieren. Der Delbrücker Rat hat bereits grünes Licht für das Projekt ge­geben. Göpfert hofft, dass noch Ende dieses Jahres das Baurecht erteilt wird. »Wir wollen im Frühjahr 2020 mit den Arbeiten beginnen und 2021 fertig sein.«

Sowohl Göpfert als auch Wester­milies vermissen zuletzt bei der Stadtverwaltung allerdings eine schnellere Abstimmung in Detailfragen. »Wir wünschen uns, dass wir schneller einen Weg finden, die gemeinsame Zielsetzung zu erreichen, und könnten etwas mehr Entscheidungsfreude gebrauchen«, sagt Westermilies. Andernfalls könne sich das Projekt verzögern.

Unter anderem sei noch nicht geklärt, wie viel Parkplätze für die Wohnanlage vorgehalten werden müssten. Eigentlich bräuchten die Bewohner in den meisten Fällen gar keine Parkplätze, sagt Wester­millies. Die Stadt Delbrück habe aber die Verordnung für Stellplätze erst kürzlich verschärft, was eine Einigung nicht leichter ­mache.

Kommentar von Matthias Band

Unsere Gesellschaft altert, nicht ganz so dramatisch wie in Japan. Aber die Deutschen werden immer älter, gleichzeitig werden langfristig weniger Kinder geboren. Der Bedarf für senioren- und behindertengerechtes Wohnen ist also da und steigt perspektivisch. Das zeigt auch eine Analyse des Kreises.

Insofern ist es gut, dass das DRK in Delbrück ein bezahlbares Wohnangebot für Ältere und Menschen mit Behinderung schaffen will. Auch die Investoren sind zu loben. Denn mittlerweile sind die Mieten in den Städten derart gestiegen, dass sich Menschen, die Geld anlegen wollen, gut überlegen, ob sie noch in den öffentlich geförderten Wohnungsbau investieren. Dort sind die Renditen deutlich geringer als auf dem freien Markt.

Gut ist auch, dass das Wohnprojekt ein Begegnungszentrum erhalten soll. Generationenübergreifende Angebote werden künftig immer wichtiger und können den Zusammenhalt vor Ort wie in dem Neubaugebiet in Boke stärken. Die Stadtverwaltung sollte bei der Umsetzung des Projekts daher Kompromissfähigkeit beweisen.

 

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