Rektorin Sigrid Sordon-Hackel wechselt gleichzeitig in den Ruhestand
Realschule schließt nach 55 Jahren

Delbrück (WB). Es mag purer Zufall gewesen sein, dass wenige Sekunden nachdem der Schulgong ertönte, Realschulrektorin Sigrid Sordon-Hackel die Entlassurkunde aus dem Schuldienst überreicht bekam. So hatte das Ding-Dang-Dong gar etwas Mystisches an sich. In 42 Berufsjahren hat die Pädagogin die »Schelle« sicherlich hunderttausendfach gehört. Nun aber erklang für die 64-Jährige der Gong zum allerletzten Mal.

Montag, 08.07.2019, 14:03 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 14:06 Uhr
Im Auftrag der Bezirksregierung überreichte Hartmut Bondzio (rechts) Realschulleiterin Sigrid Sordon-Hackel die Entlassurkunde aus dem Schuldienst. Alles Gute im künftigen (Un-)Ruhestand wünschte Bürgermeister Werner Peitz.

Dabei hätte die Schulleiterin schon vor zwei Jahren in den Ruhestand gehen wollen und können. Dass sie es nicht getan hat, dass sie lieber die Johann-Sporck-Realschule bis zum letzten Tag begleitet hat, das Auslaufen dieser einst größten Realschule in der weiten Region federführend steuerte, sagt viel über Sigrid Sordon-Hackel aus: In etlichen Ansprachen anlässlich ihrer Verabschiedung fielen Stichworte und Adjektive wie beispielsweise »ausgesprochen fleißig«, »in hohem Maße verantwortungsbewusst«, »leidenschaftlich gern Lehrerin«, »akribisch und immer bestens organisiert«.

Hohe Wertschätzung

Die Feierstunde im pädagogischen Zentrum der Gesamtschule (ehemals Realschulgebäude) war auch eine Art Wiedersehensfeier: Neben dem verbliebenen Kollegium waren ebenso gern viele ehemalige Kolleginnen und Kollegen der Einladung gefolgt. Herzliche Umarmungen, Fröhlichkeit und eine spürbar harmonisch-angenehme Grundstimmung prägten die locker von Konrektor Manfred Göke moderierte zweistündige Veranstaltung, zu der unter anderem auch nicht lehrendes Personal, Elternvertreter, Kooperationspartner der Schule, Vertreter des Schulträgers Stadt Delbrück und natürlich auch die letzte Schülervertretung – Klassensprecher der vier Abschlussklassen – gekommen waren, um nur einige zu nennen, denen es ein Anliegen war, mit ihrer Anwesenheit Sigrid Sordon-Hackel Wertschätzung auszudrücken.

Dass die musikalische Untermalung während der Verabschiedung von bemerkenswert hoher Qualität war, passte da nur wie ein weiterer Mosaikstein ins Bild. Es musizierten die ehemaligen beruflichen Wegbegleiter Thorsten Gaulke und Olaf Diekwisch, Schulsozialarbeiter Albrecht Römhild sowie Sängerin Linda Beringmeier, die vor zwei Jahren ihren Abschluss an der Realschule Delbrück gemacht hatte.

Bürgermeister Werner Peitz stellte heraus, die scheidende Rektorin habe sich stets mit hoher Kompetenz und ausgeprägtem Engagement auch neuen Herausforderungen gestellt und dabei immerzu das Wohl der Schüler obenan gestellt. Für die Realschule Delbrück sei die hoch angesehene und profilierte Schulleiterin ein Glücksfall gewesen.

Bei so viel Lob verschlug es Sigrid Sordon-Hackel zwar nicht die Sprache – von ihrer eigentlich vorbereiteten Rede blieb aber in der Feierstunde nicht mehr viel übrig. Sie reagierte vielmehr spontan und dankte allen, mit denen sie seit 2006 in Delbrück und zuvor an anderen Wirkungsstätten so gut zusammengearbeitet hat. Ein ganz persönliches Dankeschön richtete sie an ihren Ehemann Erich, der »mir immer den Rücken freigehalten hat.«

Abschließfest gefeiert

Später am Tag endete dann mit der symbolischen Schlüsselübergabe die 55-jährige Geschichte der Delbrücker Realschule. Was 1964 mit 40 Schülern in einer Klasse in den Räumen der ehemaligen Landwirtschaftsschule begann, fand nun mit einem großen Abschließfest, zu dem hunderte ehemaliger Schüler und Lehrer kamen, sein Finale.

7000 Schüler besuchten nach den Worten von Sigrid Sordon-Hackel in den 55 Jahren die Realschule, insgesamt 214 Lehrer unterrichteten Kinder und Jugendliche an der Schule, die zu Spitzenzeiten gleichzeitig rund 900 Schüler besuchten.

Immer weniger Schulen

Als feste Größe im sozialen und kulturellen Leben der Stadt Delbrück bezeichnete Bürgermeister Werner Peitz die Realschule, an der ein tolles Schulklima geherrscht habe und die den Schülern viele Grundlagen mit auf den Lebensweg gegeben hat. »Doch die Welt verändert sich. Bundesweit gibt es 6100 Schulen weniger als noch vor elf Jahren.« Peitz stellte noch heraus: »Hier an der Realschule Delbrück und auch an den bereits geschlossenen drei Delbrücker Hauptschulen wurde hervorragende Arbeit geleistet.«

Auch Realschuldezernentin Therese Dallmeier unterstrich dies eindrücklich: »Bei den Prüfungen hat die Realschule Delbrück im Jahr 2018 doppelt so viele sehr gute Beurteilungen erzielt wie der Landesschnitt. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass eine so große und erfolgreiche Realschule wie diese hier in Delbrück einmal schließen muss.«

In ihren Abschlussworten zeichnete Sigrid Sordon-Hackel die Geschichte der Realschule nach und ging auch auf den Beschluss zur Schließung ein: »Als der Zeitgeist 2010/11 nach Gesamt- und Sekundarschulen rief, wurde vielleicht etwas zu rasch das Auslaufen der Realschule beschlossen. So mancher bereut dies heute. Bei einer immer noch wachsenden Stadt mit mehr als 300 Kindern je Jahrgang, wäre sicher eine kleine Realschule in Delbrück weiter möglich gewesen. Für mich ist die Realschule ein Stück meines Lebens.«

Das letzte Kapitel

Als Gedenken an die Johann-Sporck-Realschule hat der Kunstkurs von Uli Keuer eine Erinnerungsskulptur in Form eines Buches entwickelt. Vorn auf einer Tafel steht: »Das letzte Kapitel ist geschlossen.« Das Kunstwerk mit zugeklapptem Buchdeckel und dem Kürzel RSD wurde in den vergangenen Tagen vor dem früheren Haupteingang der Realschule aufgestellt.

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