Artega kündigt Kleinstauto »Karolino« an – »Microlino«-Erfinder erheben Vorwürfe Streit um die Knutschkugel

Delbrück (WB). Kampf um eine Knutschkugel: Zwischen dem Delbrücker Auto-Enthusiasten Klaus Dieter Frers mit seiner Fahrzeugschmiede Artega und der Schweizer Firma Micro Mobility Systems gibt es Streit wegen eines elektrisch angetriebenen Mikrowagens im Stil eines Kabinenrollers der 1950er Jahre. Artega will jetzt eine eigene Serie unter dem Namen »Karolino« auf den Markt bringen. Eigentlich sollte das Unternehmen den maßgeblich von der hinter Micro Mobility stehenden Familie Ouboter entwickelten »Microlino« produzieren.

Von Oliver Horst
Streitobjekt: der Kleinstwagen »Microlino«. Der von Klaus Dieter Frers geführte Delbrücker Autobauer Artega will eine eigene Serie »Karolino« auf den Markt bringen.
Streitobjekt: der Kleinstwagen »Microlino«. Der von Klaus Dieter Frers geführte Delbrücker Autobauer Artega will eine eigene Serie »Karolino« auf den Markt bringen. Foto: imago

Artega hatte im Dezember mit dem Kauf des italienischen Mikroautobauers TMI auch die Fertigungsrechte am Microlino übernommen. Die Produktion wurde nach Delbrück verlagert. Dort sollten jährlich bis zu 8000 Stück des Mikrowagens gebaut werden. Für Vertrieb und Service ist Micro Mobility verantwortlich.

Outober: »in diversen Punkten uneinig«

Die Zusammenarbeit hat sich aber offenbar nicht entwickelt wie erwartet. Die Familie Ouboter übt öffentlich Kritik an Frers. Man sei sich »in diversen Punkten uneinig«. So erfülle auch der aktuelle Entwicklungsstand noch nicht »unseren Qualitätsstandard«. Durch den Verkauf von TMI sei die Serienentwicklung ins Stocken geraten. Deshalb habe Micro Mobility entschieden, die zuletzt für April geplante Auslieferung der ersten Fahrzeuge zu verschieben.

Auch Frers spricht auf Anfrage von »unterschiedlichen Auffassungen«, stellt die Situation aber anders dar. »Wir haben den Microlino im Vorserienstadium übernommen und zur Serienreife weiterentwickelt.« Es gebe aber einen »Zielkonflikt«. Die Familie Ouboter habe den Microlino »spartanisch« halten wollen. Er setze auf ein »stylish und hochwertig weiterentwickeltes Fahrzeug«. Artega habe den Prototyp in »mehr als 150 Punkten verbessert, vom Fahrwerk bis hin zur Ausstattung« Dabei wurden auch Komponenten des von Frers gegründeten Autozulieferers Paragon und der auf E-Mobilität spezialisierten Voltabox AG eingesetzt. »Wir sind mit dem Ergebnis hochzufrieden.«

Mikroauto-Serie »Karolino«

Artega habe sich letztlich entschieden, auf dieser Basis eine eigene Mikroauto-Serie unter dem Namen »Karolino« auf den Markt zu bringen. Weltpremiere soll bei der IAA im September sein. Details will Artega in Kürze bekanntgeben. Frers kündigte gestern an, ein eigenes Vertriebsnetz mit Standorten in deutschen Großstädten aufzubauen.

Ob es eine weitere Zusammenarbeit mit Micro Mobility für den Microlino geben wird, sollen weitere Gespräche zeigen. Frers signalisierte Bereitschaft. Die Familie Ouboter erklärte: »Wir haben uns Artega als neuen Partner zwar nicht ausgesucht, versuchen aber trotzdem das Beste daraus zu machen«, Oberste Priorität bleibe, den Microlino »so bald wie möglich und in guter Qualität an unsere Kunden ausliefern zu können«. Es gebe 15.000 Vorbestellungen für den Mikrowagen, der ab 12.000 Euro erhältlich ist.

Kommentare

Ich hoffe sie bringen beide Autos zur Marktreife

Klar ist das ärgerlich, aber mit etwas Glück kriegen wir am Ende zwei neue, kleine Elektroauto die unsere Städte leiser und sauberer machen - Microlino & Karolino. Einmal ein günstiges aber sehr einfaches, und dann ein besonders schönes Premium Modell. Damit kann ich leben.

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