Theaterensemble zeigt »Drei Männer im Schnee« in Delbrück in schwarz-weiß Von wegen farblos!

Delbrück (WB). Kann man einen »bunten« Abend erleben, wenn auf der Bühne komplett in schwarz-weiß gespielt wird? Man kann! Mit Kästners »Drei Männer im Schnee« hat das Kölner Filmtheater diesen Beweis am Samstag in der Delbrücker Stadthalle angetreten.

In schwarz-weißen Kostümen, Maske und Requisite spielen Joeri Burger (Butler Johann, links) und Markus Veith (Millionär Tobler) im Stück »Drei Männer im Schnee«.
In schwarz-weißen Kostümen, Maske und Requisite spielen Joeri Burger (Butler Johann, links) und Markus Veith (Millionär Tobler) im Stück »Drei Männer im Schnee«. Foto: Meike Oblau

Angelehnt an die bekannte Romanverfilmung aus dem Jahre 1955 war nämlich auch die Theaterversion komplett farblos gehalten – was sich ausdrücklich nur auf Requisite, Maske und Kostüme bezieht, aber nicht auf Inhalt und Darstellung. Erich Kästners Roman kam als Bühnenfassung nämlich äußerst schwungvoll und witzig daher. Die Irrungen und Wirrungen, die entstehen, als sich Millionär Tobler (Markus Veith) als armer Schlucker in ein Luxushotel einschleicht, wo gleichzeitig der arbeitslose Werbefachmann Dr. Hagedorn (Slim Weidenfeld) für einen gut betuchten VIP-Gast gehalten und entsprechend umsorgt und verwöhnt wird, amüsieren die (leider nur) 250 Zuschauer außerordentlich.

Und auch wenn man das Werk oberflächlich betrachtet schnell für eine Art Heimatkomödie halten könnte – wer Erich Kästner kennt, der weiß, dass er auch in diesem Stück eine ordentliche Prise Gesellschaftskritik versteckt hat. »Drei Männer im Schnee« ist übrigens nicht nur eine Erzählung zum Thema verschleierte Identität, der Autor selbst konnte sie auch nicht unter seinem wahren Namen veröffentlichen. Kästner war von den Nationalsozialisten mit einem Publikationsverbot belegt worden und veröffentlichte die Geschichte 1934 unter dem Pseudonym Robert Neuner.

Während in Grand-Hotel Bruckbeuren der arbeitslose Dr. Hagedorn nun als vermeintlicher Millionär kaum weiß, wie ihm geschieht, als er ein luxuriöses Zimmer nebst Masseur und anderen Annehmlichkeiten geboten bekommt, erlebt Großunternehmer Tobler alias Schulze, wie ein Gast behandelt wird, den man für einen armen Schlucker hält. In Person des hochnäsigen Portiers (Dirk Volpert) und der schönen Frau Casparius (Kirsten A. Lange) manifestiert sich die Denkweise »Haste was, biste was«. Der mahnende Zeigefinger nimmt in der Bühnenfassung aber nie Überhand, so dass den Zuschauern ein äußerst vergnüglicher Abend geboten wird.

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