85 Prozent der Beschäftigten sollen freiwillige Teilnahme erklärt haben Bünting setzt Sparpläne um

Leer/Bielefeld (WB). Bei der Handelsgruppe Bünting mit den Supermarktketten Combi, Jibi und Famila Nordwest greift seit 1. Juni das »freiwillige« Sparprogramm. Rund 4650 von 5700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sollen ihre Teilnahme erklärt haben. Das Paket umfasst eine Stunde Mehrarbeit pro Woche, die Auszahlung von fünf Prozent des Gehalts in Warengutscheinen sowie geringe Lohnzuwächse bis Mitte 2020.

Von Oliver Horst
Ein Combi-Markt in Bielefeld: Viele Mitarbeiter der Handelsgruppe nehmen unbezahlte Mehrarbeit, einen Teil des Lohns als Warengutscheine und geringe Gehaltserhöhungen in Kauf.
Ein Combi-Markt in Bielefeld: Viele Mitarbeiter der Handelsgruppe nehmen unbezahlte Mehrarbeit, einen Teil des Lohns als Warengutscheine und geringe Gehaltserhöhungen in Kauf. Foto: Thomas F. Starke

Bünting will mit dem Sparprogramm die Personalkosten senken. Das soll helfen, aus den roten Zahlen zu kommen. Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im ostfriesischen Leer hatte für 2015 ein Defizit von rund 20 Millionen Euro ausgewiesen und soll auch 2016 Verluste geschrieben haben. Als eine weitere Gegenmaßnahme hat die Gruppe auch nicht rentable Filialen geschlossen. Allein in Ostwestfalen-Lippe traf es in den vergangenen zwölf Monaten mehr als ein halbes Dutzend Standorte. Darunter auch in Hövelhof, Gütersloh, Delbrück, Borgenteich und Bielefeld. Insgesamt betreibt Bünting rund 200 Einkaufsmärkte von der Nordseeküste bis ins Bergische Land.

Jibi-Mitarbeiter beteiligen sich deutlich geringer

In einzelnen Gesellschaften wie der erst 2015 übernommenen Bielefelder Handelskette Jibi soll die Beteiligungsquote der Mitarbeiter am Sparprogramm deutlich geringer sein als im Gesamtkonzern. Das verlautet aus Gewerkschaftskreisen. Das Unternehmen wollte sich gestern nicht äußern. Die Zahlen müssten erst noch zusammengetragen werden, erklärte ein Sprecher. Der Wert von 85 Prozent sei »ein Zwischenstand«.

David Matrai, Landesfachsekretär beim Verdi-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen, sieht die Freiwilligkeit bei der Teilnahme der Mitarbeiter am Sparpaket kritisch. »Natürlich haben die Arbeitnehmer die Debatte an sich und jede Ankündigung, dass das Unternehmen andere Maßnahmen ergreifen muss, wenn die Beteiligung nicht hoch genug ist, als Druck empfunden.« Zudem habe es »eine Vielzahl von Gesprächen, auch Einzelgesprächen gegeben. Da ist das mit der Freiwilligkeit so eine Sache«, sagt Matrai.

Flächentarif soll nach drei Jahren wieder greifen

Als »Teilerfolg« wertet der Gewerkschafter die Befristung der Lohnumwandlung in Warengutscheine, wodurch das Unternehmen vor allem Sozialabgaben einspart, und der unbezahlten Mehrarbeit auf drei Jahre. Dies sei von Bünting aber erst im Laufe des Prozesses und bei Erreichen einer hohen Beteiligungsquote angeboten worden. »Problematisch bleibt, dass das Lohnniveau langfristig vom Flächentarifvertrag abgekoppelt werden soll. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Flächentarif nach drei Jahren wieder greift.« Vorgesehen seien bis dahin Lohnerhöhungen von nur 0,5 Prozent jeweils zum 1. Juni.

»Wir werden auch aufmerksam beobachten, was mit den Mitarbeitern passiert, die sich nicht am Sparpaket beteiligen«, sagt Matrai. Geringfügig Beschäftigte und die 800 Auszubildenden hatte Bünting von vornherein nicht in das Programm einbezogen.

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