Pandemie-Regelungen für Kindergärten stellen Erzieherinnen und Eltern vor zahlreiche Probleme
Mit vielen Fragen allein gelassen

Büren -

Die Kindergärten sind nicht regulär geöffnet, aber geschlossen sind sie auch nicht. Eltern sollen ihre Kinder möglichst nicht bringen, aber weggeschickt wird auch niemand. Die Corona-Regeln lassen Familien und Erzieherinnen mit vielen Fragen und Unsicherheiten allein. Wie das im Alltag aussieht, erzählt Marianne Geschwinder, Leiterin des Familienzentrums St. Christophorus in Steinhausen und kommissarische Leiterin des Kindergartens St. Elisabeth in Brenken.

Freitag, 22.01.2021, 03:00 Uhr
Marianne Geschwinder leitet das Familienzentrum St. Christophorus in Steinhausen und kommissarisch auch den Kindergarten St. Elisabeth in Brenken. Von der Corona-Politik des Landes fühlen sie und ihr Team sich in vielen Punkten im Stich gelassen. Foto: Hanne Hagelgans

Etwa ein Drittel der 58 Jungen und Mädchen, die in normalen Zeiten das Familienzentrum in Steinhausen besuchen, würden auch jetzt gebracht, sagt Marianne Geschwinder. Den Eltern sei bekannt, dass der Nachwuchs, wenn irgend möglich, zu Hause betreut werden soll. „Aber alle, die die Kinder trotzdem bringen, haben auch ihren Grund dafür“, weiß sie.

Grundsätzlich gelte es, möglichst wenige Kinder im Kindergarten zu haben, um die Infektionsgefahr gering zu halten. Denn wenn ein Corona-Fall auftrete, werde im Zweifelsfall die ganze Einrichtung geschlossen, wovon dann auch niemand etwas habe.

Marianne Geschwinder und ihre Teams in Steinhausen und Brenken bemühen sich, den Kindergartentag für die Kleinen mit Morgenkreis und Spielangeboten so normal wie möglich zu gestalten. Doch so ganz normal ist eben in dieser Zeit nichts. Kinder, die sich sonst frei aussuchen dürfen, ob sie lieber im einen Raum mit Lego bauen, sich im anderen verkleiden oder in einem dritten etwas malen möchten, müssen nun in einer festen Gruppe bleiben.

Das Ziel: Die Gruppen sollen sich untereinander möglichst nicht mischen. Zwar gebe es mit jeweils drei Ein- und Ausgängen für die drei Gruppen gute räumliche Möglichkeiten. Doch so ganz perfekt gelinge die Trennung manchmal doch nicht, wenn sich beispielsweise zwei Gruppen einen Waschraum teilen. „Wenn ein kleines Kind zur Toilette muss, kann das eben nicht warten“, nennt die Erzieherin ein Beispiel.

Die Stimmung in ihren Teams beschreibt sie als nach wie vor positiv und motiviert. Doch die Mitarbeiterinnen hätten Angst, sich zu infizieren und Corona in die eigenen Familien zu tragen: „Sie sind ja alle nicht nur Erzieherinnen, sondern selbst auch Mütter, Töchter oder Schwiegertöchter.“

Marianne Geschwinder erinnert daran, dass Erzieherinnen mittlerweile die am stärksten von Corona betroffene Berufsgruppe seien. Dazu trage sicherlich auch bei, dass die Krankheit bei kleinen Kindern oft symptomfrei verläuft, ihnen also nichts anzumerken ist, obwohl sie ansteckend sind.

Sechs Mal innerhalb eines knappen Vierteljahres dürften die Erzieherinnen sich auf Corona testen lassen, berichtet die Kita-Leiterin. Wohlgemerkt: Während ihrer Freizeit und wenn sie den Arzttermin selbst organisiert haben. Bisher, so Marianne Geschwinder, seien zum Glück alle Test negativ ausgefallen.

Zeige einmal ein Kind im Kindergarten Erkältungs- oder andere Krankheitsanzeichen, was im Herbst und Winter nicht selten ist, stecken die Erzieherinnen im nächsten Zwiespalt: „Wir überlegen sehr genau, wann wir die Eltern anrufen, dass ihr Kind abgeholt werden muss.“ Letztlich, sagt die Kita-Leiterin, müsse sie aber der Verantwortung für alle anderen Kinder und Mitarbeiterinnen Vorrang einräumen.

Detlef Müller, Geschäftsführer des Gemeindeverbands Katholischer Kirchengemeinden Hochstift Paderborn, bewertet die Situation in den Kindergärten als kritisch. „Es beginnt mit der katastrophalen Informationspolitik des Landes“, kritisiert er. Gebetsmühlenartig sei eine Woche lang wiederholt worden, das Schulen und Kitas geschlossen blieben. „Solch ein Unsinn: Die Kitas wurden nicht geschlossen“, ärgert er sich. Dadurch seien erhebliche Unsicherheiten entstanden. Die widersprüchlichen Aussagen sorgten dafür, dass die Mitarbeiterinnen im Einzelgespräch mit jeder Familie für die Klarheit sorgen müssten, die die Landesregelung vermissen lasse.

Erzieherinnen werde zugemutet, was dringend vermieden werden solle: „Sie haben eine Vielzahl von sozialen Kontakten (im Zusammensein mit den Kindern oft ohne Gesichtsmaske), und sie können die Zahl der Kontakte in keiner Weise selbst steuern.“ Zudem seien die Mitarbeiterinnen selbst Eltern, die Betreuungsprobleme haben, wenn sie ihre Kinder zu Hause lassen, so Müller.

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