Wiederaufforstung im Ringelsteiner Wald nach Orkanen, Hitzeperioden, Pilzbefall und Borkenkäfer schreitet voran
„Mischen, mischen, mischen“

Büren -

Was kommt nach Kyrill und Borkenkäfer? Mit einem umfangreichen Wiederbewaldungskonzept soll in Nordrhein-Westfalen die Walderneuerung auf die Beine gestellt werden. Neben praktischen Hilfen und fachlichen Empfehlungen stellt die Landesregierung umfangreiche Fördermittel für den Waldbesitz zur Verfügung, die auch für die Wiederbewaldung zur Verfügung gestellt werden. Der Förderetat für den Forstbereich betrug allein im Jahr 2020 mehr als 57 Millionen Euro.

Dienstag, 19.01.2021, 21:05 Uhr aktualisiert: 19.01.2021, 21:10 Uhr
Auch Birken sind im neuen Wald willkommen. Bilden sie doch eine wichtige Funktion beim Aufwuchs von anderen Bäumen. Allerdings werden sie nicht gepflanzt, sondern sie vermehren sich durch ihren eigenen Samen, wie ihn hier Regionalforstamtsleiter Roland Schockemöhle zeigt. Foto: Hans Büttner

Die zahlreiche Fußspuren auf dem mit Schneeresten bedeckten Boden verdeutlichen die Beliebtheit des Ringelsteiner Waldes als Wandergebiet, eines der schönsten Waldgebiete in Ostwestfalen. Doch die Wohlfühlatmosphäre ist das eine, das andere ist der Wald selbst. Große Flächen ohne einen einzigen Baum, Mengen an riesigen Holzklaftern an den Wegesrändern: dem Wald geht es nicht gut! Orkane, Hitzeperioden, Pilzbefall und Borkenkäfer haben seit 13 Jahren immer wieder brutal zugeschlagen. Es fing 2007 mit dem Sturm Kyrill an und setzt sich aktuell noch immer mit dem Borkenkäferbefall fort.

Obwohl der Schock noch immer tief sitzt, Waldbesitzer und Fortbewirtschafter versuchen bereits seit Beginn der Katastrophen immer wieder Herr der Lage zu werden.

So auch die Mitarbeiter des Regionalforstamtes Hochstift im Landesbetrieb Wald und Holz, in dessen Zuständigkeitsbereich auch der Wald des Hauses Büren- scher Fond im Ringelsteiner Wald gehört.

„11.000 Hektar Wald mit einem überdurchschnittlichen Fichtenbestand sind allein im Hochstift vernichtet worden“, sagt Regionalforstamtsleiter Roland Schockemöhle. Dabei seien sowohl unermessliche wirtschaftliche wie auch gewaltige ökologische Schäden entstanden. 70.000 Kubikmeter von den rund 110.000 Kubikmetern benötigtem Holz kamen früher aus heimischen Wäldern, jetzt hat sich die Menge bereits auf 35.000 Kubikmeter Holz verringert.

Insbesondere der Verlust der Fichten bringt einen großen wirtschaftlichen Schaden. 70 Jahre alte Fichtenbestände wurden innerhalb einer kurzen Zeit fast vollständig durch den Borkenkäfer vernichtet. Brachte ein Kubikmeter Holz im Januar 2018 noch rund 95 Euro, so liegt er derzeit bei etwa 32 Euro.

Doch das Jammern und Klagen hilft nicht. Nachdem eine Vielzahl der trockenen Bäume bereits gefällt, bearbeitet, an die Waldränder abgelegt oder schon dem chinesischen Markt zugeleitet wurden, liegt nun der Schwerpunkt in der Wiederaufforstung. Da dieses allein durch eine natürliche Verjüngung nicht erreicht wird, werden Pflanzmaßnahmen in Eigeninitiative und mit professioneller Hilfe durchgeführt.

Was allerdings der „Baum der Zukunft“ ist, das weiß wohl noch niemand. „Bei und heißt die Devise: mischen, mischen, mischen“, sagt Roland Schockemöhle. Eiche, Buche, Lärche – 39 unterschiedliche Strauch- und Baumarten wurden im Zuständigkeitsbereich des Regionalforstamts im vergangenen Jahr in die Erde gebracht. Insgesamt mehr als 500.000 Hektar. Keine Chance hatte dabei die Fichte. „Ich kann es zwar keinem Privatwaldbesitzer verbieten Fichten zu pflanzen, verstehen kann ich es aber nicht“, so Roland Schockemöhle mit der Erfahrung der vergangenen Jahre. Den Großteil der Anpflanzungen nahm mit 55 Prozent die Eiche ein. Sie ist es auch, die alle Herausforderungen bisher am besten überstanden hat.

Ob die Bewirtschaftung des Waldes in Zukunft wie bisher zu 90 Prozent aus Holzverkauf und 10 Prozent durch Jagdverpachtungen bestehen wird, das stellt Schockemöhle in Frage. „Ich bin mir sicher, dass eine Ökosystem-Lizensierung eine erhebliche Rolle einnehmen wird. Auch das Windrad im Wald kann besonders für Privatwaldbesitzer eine Alternative sein.

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Bewusst eine Eskalation vermeiden
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