Kreis Paderborn ist beim Förderprojekt „Die großen Sieben“ gleich dreifach vertreten
Touristische Leuchttürme

Paderborn -

Es gibt die sieben Todsünden, das Buch mit sieben Siegeln, den Actionfilm „Die glorreichen Sieben“ und jetzt auch das Projekt „Die großen Sieben“. Darin geht es darum, sieben zentrale kulturhistorische Sehenswürdigkeiten in Ostwestfalen-Lippe noch sichtbarer zu machen. Der Kreis Paderborn ist gleich mit drei Attraktionen vertreten: dem Paderborner Dom, dem Kloster Dalheim und der Wewelsburg.

Montag, 18.01.2021, 00:41 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 00:46 Uhr
Der Dom ist das Markenzeichen Paderborns. Das Erzbistum betont, er sei zwar auch ein touristisches Ziel, aber vor allem eine Begegnungsstätte. Foto: Jörn Hannemann

Bei „Die großen Sieben“ handelt es sich um ein vom Kreis Minden-Lübbecke angestoßenes Projekt innerhalb des Landesförderprogramms „Regionale 2022“. Zu den drei Zielen im Kreis Paderborn kommen das Kaiser-Wilhelm-Denkmal (Porta Westfalica), das Hermanns-Denkmal bei Detmold, Schloß Corvey (Höxter) und der Desenberg (Warburg) hinzu. Die wissenschaftliche Betreuung des Projekts übernimmt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Als Dreiecksburg hat die Wewelsburg ohnehin schon einen hohen Wiedererkennungswert. Durch das Projekt soll sie noch bekannter werden.

Als Dreiecksburg hat die Wewelsburg ohnehin schon einen hohen Wiedererkennungswert. Durch das Projekt soll sie noch bekannter werden. Foto: Jörn Hannemann

Dessen Direktor Matthias Löb gerät ins Schwärmen: „Die sieben historischen Orte am Teutoburger Wald illustrieren hervorragend 7000 Jahre Geschichte. Die Region ist wie ein begehbares Wikipedia für westfälische und deutsche Geschichte. Der LWL mit seinem Wissen und seiner Erfahrung hilft gern mit, diese Orte zu den Großen Sieben auf der Landkarte attraktiver Besuchsziele zu machen.“

Zielgruppe sind weniger Historiker als vielmehr geschichtsinteressierte Urlauber nicht zuletzt aus dem nahen Ausland wie Holland und Belgien. „Es ist ein sehr stark touristisch geprägtes Projekt“, betont die LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger. Es gehe um Fragen wie: Wo kann man in der Nähe der Ziele übernachten? Gibt es dort E-Bikes? Wie gelangt man mit dem Zug dorthin? „Wir wollen die Brücke vom Wissenschaftler zum Touristiker schlagen“, sagt Barbara Rüschoff-Parzinger. Es sei nicht geplant, Besuchern eine Reiseroute vorzugeben, die es abzuhaken gilt. Vielmehr solle an den zen­tralen Sehenswürdigkeiten auf lohnenswerte Orte in der Nachbarschaft hingewiesen werden, beim Paderborner Dom zum Beispiel auf das Paderquellgebiet und das Schloss in Neuhaus. Rüschoff-Parzinger: „Wir haben bedeutende Kultureinrichtungen und Orte in OWL, die viel Geschichte erzählen. Wir wollen die touristischen Potenziale sichtbarer machen.“

Das Kloster Dalheim wurde als „Mikrokosmos mittelalterlichen Lebens“ ausgesucht. Es stehe, symbolisiert durch die mehr als 1000 Meter lange Mauer, für Abgeschiedenheit, einen Ort der Stille und für die reiche regionale Klosterlandschaft, erläutert die Kulturdezernentin. Paderborn mit seinem Dom eigne sich dazu, die Verbindung von Politik und Religion, von Staat und Kirche im Mittelalter zu illustrieren. „Mit der Kaiserpfalz trat Paderborn auf die europäische Bühne, aber das wissen viele nicht“, erinnert Barbara Rüschoff-Parzinger an die Begegnung von Karl dem Großen und Papst Leo III. 799 in Paderborn.

Die SS-Schulungsstätte Wewelsburg wiederum ist das in Stein gehauene dunkle Kapitel der deutschen Geschichte. Bei der Wewelsburg biete sich ein Querweis auf die Gedenkstätte Stalag 326 (Schloß Holte-Stukenbrock) für die ums Leben gekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen an, um Täter und Opfer gegenüberzustellen, meint Barbara Rüschoff-Parzinger.

350.000 Euro stehen nach ihren Worten für das Projekt bereit. „Wir haben als erstes die sieben Orte definiert, jetzt suchen wir eine Person, die ein Gesamtkonzept erarbeitet, das sowohl wissenschaftliche als auch touristische Konzepte berücksichtigt“, kündigt die Kulturchefin des LWL an. Bis Ende 2022 müsse das Konzept umsetzungsreif sein.

Das Erzbistum Paderborn hat nichts gegen Tourismus, tut sich mit einer Vermarktung des Doms aber schwer. „Aus kirchlicher Sicht geht es weniger um ‚Vermarktung‘ als vielmehr um das Lebendighalten dieses besonderen Kultur-, Begegnungs- und Glaubensortes, den viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen regelmäßig aufsuchen“, sagt Bistumssprecher Benjamin Krysmann. Kirchliche Baumaßnahmen seien mit dem Projekt „Die großen Sieben“ bisher nicht verknüpft, obgleich das Erzbistum und das Metropolitankapitel besonders in den Standort Paderborn erheblich investiert hätten und baulich viel passiere wie zum Beispiel die Umgestaltung der Krypta. Dass der Dom ein Magnet ist, machen diese Zahlen deutlich: In normalen Zeiten finden dort jedes Jahr gut 350 Führungen mit 25 bis 30 Personen statt, sonntags kommen etwa 1000 Menschen zu den Gottesdiensten zusammen.

Die Leiterin des Kreismuseums und der NS-Gedenkstätte Wewelsburg, Kirsten John-Stucke, steht voll hinter dem Projekt „Die großen Sieben“. Es schaffe neue Möglichkeiten, über die Zeit des Nationalsozialismus aufzuklären, ergebe Synergieeffekte mit dem Stalag 326 und falle in eine Phase, in der der Urlaub zuhause boome. Die Wewelsburg liege am Sintfeldhöhenweg und am Almeradweg und sei damit ein attraktives Ziel für Wanderer und Radfahrer. In der Jugendherberge könnten nicht nur Familien sehr gut übernachten. Ladegeräte für Pedelecs stünden bereit, erinnert Kirsten John-Stucke, die sich im Zuge des Projekts einen gemeinsamen Internetauftritt und Flyer aller beteiligten Ziele wünscht: „Das sind alles Orte, die man in Tagestouren entdecken kann.“ 2019 besuchten 108.000 Gäste die Wewelsburg.

Willkommen im Kloster Dalheim. Es steht für einen Ort der Stille, aber auch für publikumsträchtige Veranstaltungen wie Gartenfeste.

Willkommen im Kloster Dalheim. Es steht für einen Ort der Stille, aber auch für publikumsträchtige Veranstaltungen wie Gartenfeste. Foto: Jörn Hannemann

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