LWL-Ausstellung im Kreismuseum Wewelsburg beschäftigt sich mit Herkunft von Kunstobjekten
Von der Geschichte der Dinge

Büren (WB). Der Fall Gurlitt, Bronzen aus dem ehemaligen Königreich Benin oder die Elgin Marbles von der Akropolis – diese Aufzählung macht die Spannbreite aktueller Provenienzforschung deutlich. Die Provenienzforschung, also das Erforschen der Herkunft und der Geschichte von Objekten, ist Thema der neuen Ausstellung „Geschichte der Dinge – Zur Herkunft von Objekten in nordrhein-westfälischen Sammlungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe“, die im Kreismuseum Wewelsburg gezeigt wird. Die Schau ist von Sonntag, 27. September, an im Kreismuseum zu sehen, anschließend wandert sie durch sieben weitere Museen in Nordrhein-Westfalen.

Freitag, 25.09.2020, 06:31 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 06:38 Uhr
Evangelische Missionare nahmen als Zeichen der Christianisierung dieses Behältnis für den rituellen Gebrauch mit nach Deutschland.

„Zwar treiben mittlerweile Museen und andere Einrichtungen wie Bibliotheken und Archive, verstärkt die Erforschung wichtiger Sammlungsstücke voran. Dennoch dringt erst langsam ins Bewusstsein, dass auch heute erworbene Kunstwerke, Wertobjekte oder Alltagsgegenstände Raubgut sein könnten“, sagt Ausstellungskuratorin Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt für Westfalen. Dies gelte nicht nur für öffentliche Institutionen, sondern auch für Vereine und Privatpersonen. Während bei Ausstellungen zum Thema Provenienzforschung meist nur ein Sammlungsbereich, ein Sammler oder ein Museum im Fokus stehe, widme sich die LWL-Ausstellung erstmals in Deutschland dem gesamten Themenbereich: Insgesamt zehn Kapitel beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Entzugskontexten wie etwa NS-verfolgungsbedingtem Entzug, Kolonialismus oder DDR-Unrecht, mit verschiedenen Objektgruppen wie Judaika, aber auch mit Akteuren und Strukturen. Die zentrale Frage dabei lautet: Woher kommt das Objekt? Darauf kann die Ausstellung mit 50 Leihgaben nicht immer Antworten oder konkrete Lösungen präsentieren. Vielmehr laden die Ausstellungsobjekte dazu ein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und selbst Überlegungen zu Moral und Recht anzustellen.

Schwierige Kapitel deutscher Geschichte

Anhand der Leihgaben aus Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus erzählt die Ausstellung Lebens- und Erwerbsgeschichten, die schwierige Kapitel der deutschen Geschichte berühren. Die Ausstellungsvorbereitung selbst ist ein Beispiel dafür, wie die aktive Auseinandersetzung damit Zeichen der Völkerverständigung und Versöhnung setzen kann. „Angestoßen durch eine Leihanfrage von uns konnte die Herkunft eines rituellen jüdischen Sedertellers im Hellweg-Museum in Unna recherchiert werden. Die kontaktierten rechtmäßigen Eigentümer bestimmten schnell, dass er als Dauerleihgabe im Museum verbleiben soll“, erzählt Ausstellungskuratorin Ute Christina Koch. Andere Objekte stehen hingegen stellvertretend für problematische Provenienzen. So stammt aus dem Museum Wilnsdorf (Kreis Siegen-Wittgenstein) der Gedenkkopf eines Oba, des politischen und rituellen Oberhauptes im Königreich Benin, mit einer unbedenklichen Herkunft. Dieser wurde vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in Nigeria hergestellt.

Zahlreiche weitere „Beninbronzen“ in europäischen Museen stammen jedoch aus einer „Strafexpedition“ der britischen Armee im Jahr 1897 und werden heute von der nigerianischen Regierung zurückgefordert.

„Mit dieser Ausstellung wollen wir die Besucherinnen und Besucher ermutigen, sich mit diesem Thema, ob im eigenen Lieblingsmuseum oder zu Hause, auseinanderzusetzen“, so Ausstellungskuratorin Verena Burhenne. „Gerade abseits der ‚großen Kunst‘ übersieht man schnell, dass auch hier ein verfolgungsbedingter Entzug möglich ist“, ergänzt Koch.

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