95 Jahre Kreismuseum: Jährlich kommen mehr als 100.000 Besucher
Wo Heimat ihren Platz hat

Büren (WB). Das Kreismuseum in der Wewelsburg ist ein Ort, an dem Geschichte ihren Platz findet. Dabei zeichnet sich das Museum selbst durch seine wechselvolle Geschichte aus. Diese währt mittlerweile seit 95 Jahren. Das Jubiläum wird unter anderem mit einer Sonderausstellung gewürdigt.

Samstag, 06.06.2020, 06:00 Uhr
Die Wewelsburg ist Wahrzeichen des Kreises Paderborn. Gleichzeitig ist im historischen Gemäuer das Kreismuseum untergebracht. Seine Geschichte beginnt vor 95 Jahren. Heute ist die Wewelsburg ein lebendiger Kultur- und Bildungsort.

Am 31. Mai 1925 wurde das Kreisheimatmuseum in der Wewelsburg eröffnet. Der Entschluss zu einem Heimatmuseum war bereits 1923 auf die Initiative des damaligen Landrats Dr. Aloys Vogels zurückgegangen. Aufrufe und Flugblätter führten dazu, dass die Sammlung schnell auf 500 Objekte anwuchs. Die Ausstellungsräume in der Kreissparkasse und der Kreisverwaltung in Büren wurden zu klein. Im Fokus des „Heimat- und naturwissenschaftlichen Museums“ stand der Heimatgedanke und die Volksbildung: Es sollte „anregen und belehren“.

Die Sammlung war im Untergeschoss des Westflügels untergebracht

Die stetig wachsende Sammlung wurde im Untergeschoss des Westflügels in drei Abteilungen untergebracht: Urzeit und Vorgeschichte, Kulturgeschichte bis zur Gegenwart sowie Naturgeschichte der heimischen Region. Burgwart Fritz Hoischen betreute auch das Museum. Das Schloss wurde zu einem Kulturzentrum, bestehend aus Jugendherberge, Tagungsort und Heimatmuseum, ausgebaut.

Die ersten erfolgreichen Jahre der Museumsgeschichte endeten 1934, als die SS die Wewelsburg übernahm, die Ausstellung des Heimatmuseums auslagerte und eine eigene SS-Schausammlung zusammenstellte. Sie umfasste neben archäologischen Funden später auch SS-Beute- und Raubkunst. Durch die Sprengung des Schlosses am Kriegsende wurde die SS-Museumssammlung weitgehend zerstört.

Nach dem Krieg begann der stufenweise Wiederaufbau der Wewelsburg

Direkt nach dem Krieg begann der stufenweise Wiederaufbau der Wewelsburg. 1950 wurden die Jugendherberge und das Heimatmuseum wiedereröffnet.

Als der Kreis Paderborn die Wewelsburg 1975 im Zuge der Gebietsreform übernahm, wurden die Museumsarbeit professionalisiert und das Heimatmuseum neu konzipiert. Der Kreis Paderborn stellte 1978 mit Dr. Günter Rau erstmals einen Vollzeit-Museumsleiter ein. Die Umwandlung des Heimatmuseums in ein regionalgeschichtliches Museum ging auf die Idee zurück, mit einem „Historischen Museum des Hochstifts Paderborn“ die Landesgeschichte des früheren Fürstbistums Paderborn bis zur Säkularisation zu dokumentieren.

1996 eröffnete das Historische Museum des Hochstifts Paderborn. Um den veränderten Besucherwahrnehmungen gerecht zu werden, wurde das „Historische Museum des Hochstifts Paderborn“ 2015 neu konzipiert und gestaltet.

Die Gedenkstätte entwickelte sich zu einem angesehenen Lernort

Nach kontrovers ausgetragenen öffentlichen Diskussionen um die Aufarbeitung der SS-Vergangenheit und das Erinnern an die KZ-Opfer in Wewelsburg beschloss der Kreis Paderborn 1977 die Einrichtung einer Dokumentations- und Gedenkstätte, die 1982 eröffnet wurde. Die Gedenkstätte entwickelte sich unter der Leitung des damaligen Museumsleiters Wulff E. Brebeck (Leiter 1980 bis 2011) zu einem international angesehenen außerschulischen Lernort mit einem umfassenden historisch-politischen Bildungsauftrag für Jugendliche und Erwachsene.

Seit 2000 wurde die Gedenkstätte umfassend neu konzipiert und erweitert. 2010 wurde die neue Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ in der „Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933–1945“ eröffnet.

Sie informiert anhand zahlreicher originaler Objekte und Dokumente über die allgemeine Entwicklung der Schutzstaffel (SS) und speziell über deren Tätigkeiten und Verbrechen in Wewelsburg. Die Geschichte des KZ Nieder­hagen/Wewelsburg und das Gedenken an die Opfer der SS-Gewalt in Wewelsburg stehen im Fokus. Zum umfangreichen Bildungsprogramm gehören heute auch Programme gegen aktuellen Rassismus und Rechtsextremismus.

Mehr als 100.000 Besucher kommen jährlich ins Kreismuseum

Die heutige Museumsleiterin Kirsten John-Stucke (Leiterin seit 2011) stellt heraus, dass sich das Kreismuseum in den vergangenen Jahrzehnten zu einem lebendigen Kultur- und Bildungsort entwickelt hat: „Wir bieten zahlreiche Angebote in beiden Museumsabteilungen – von Kindergeburtstagen über Spezial- und Kostümführungen im Historischen Museum des Hochstifts Paderborn bis hin zu Projekt- und Studientagen und Workcamps in der Erinnerungs- und Gedenkstätte. Dazu noch Lesungen, Vorträge und Theaterstücke. So erreichen wir viele unterschiedliche Besuchergruppen.“ Mehr als 100.000 Besucher kommen jährlich ins Kreismuseum. „Das ist aber kein Grund, um sich auszuruhen. Wir haben noch viele Ideen für neue Ausstellungen und Projekte, die wir in den nächsten Jahren umsetzen wollen“, sagt die Museumsleiterin.

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