Lufthansa begründet Streichung der Flüge Paderborn-Frankfurt
»Verbindung war nicht rentabel«

Paderborn/Frankfurt (WB). Nach Angaben der Lufthansa haben allein wirtschaftliche Gründe den Ausschlag für die Streichung der werktäglichen Flugverbindung von Paderborn nach Frankfurt gegeben. Die Flugzeuge seien nicht ausgelastet gewesen.

Dienstag, 05.11.2019, 20:14 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 07:46 Uhr
Beim OWL-Airport Paderborn-Lippstadt ist die Zahl der Passagiere im ersten Halbjahr 2019 zurückgegangen. Jetzt hat die Lufthansa auch noch die Linienflüge nach Frankfurt gestrichen. Die Verbindung nach München bleibt jedoch erhalten. Foto: Jörn Hannemann

Am Ende, so hieß es aus dem Umfeld der Fluggesellschaft, sei die Auslastung gar nicht so schlecht gewesen. Die Erlöse waren aber über die gesamte Zeit gerechnet wohl zu gering, um die Strecke wirtschaftlich zu fliegen.

Noch bis März zweimal täglich bis nach Frankfurt

Am Montag war bekannt geworden, dass Deutschlands größte Fluggesellschaft die 2017 nach längerer Unterbrechung wieder aufgenommenen Linienflüge zwischen Paderborn und Frankfurt im März kommenden Jahres ganz einstellen wird. Bestehen bleibt die Verbindung nach München. Das zweitgrößte deutsche Drehkreuz zu Fernflügen in alle Welt wird von der Gesellschaft 25 Mal die Woche angeflogen. Das wird nach Angaben von Lufthansa-Pressesprecher Thomas Jachnow auch so bleiben. Zwischen Paderborn und Frankfurt verkehren die Flieger von Montag bis Samstag noch bis März zweimal täglich.

Wirtschaft bedauert – aber Flüge nach München wichtiger

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen  »bedauert« die Entscheidung der Lufthansa, künftig nicht mehr von Paderborn nach Frankfurt zu fliegen. »Es ist aber gut, dass es weiterhin das Drehkreuz Paderborn-München gibt«, sagte IHK-Sprecher Jörg Deibert am Dienstag. »Das ist für die Unternehmen in der Region entscheidender.« Frankfurt sei leichter und schneller mit dem Zug zu erreichen als etwa München.

Grundsätzlich hält es die Wirtschaftskammer für wichtig, dass die Region OWL einen Flughafen hat.

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Müller: Anbindung nach München wichtig

Die Anbindung nach München sei aus Sicht der Flugpassagiere aus OWL wichtig, erklärt Manfred Müller (CDU), Paderborner Landrat und Aufsichtsratschef des Flughafens. Wie Müller bedauert auch Flughafen-Geschäftsführer Marc Cezanne die Streichung, zumal sie mit Einnahmeverlust verbunden sei. Cezanne hofft jedoch, dass sich die Passagierzahlen nach München positiv entwickeln. Die Flüge nach Frankfurt seien fast zu 100 Prozent von Umsteigern zu Fernflügen genutzt worden.

Wolters: heimische Wirtschaft auffordern

Frank Wolters, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Paderborn, sagte: »Die Wirtschaft hatte sich für die Verbindung stark gemacht. Vielleicht muss man jetzt die heimische Wirtschaft auffordern, größere Kontingente bei Dienstreisen in Paderborn nachzufragen. Es kann ja sein, dass andere Flughäfen günstigere Tickets anbieten. Aber man muss auch die Gesamtwirtschaftlichkeit einer Dienstreise betrachten. Zum Beispiel kommt ja nach Düsseldorf noch eine Zugfahrt hinzu.«

Fluggastzahlen: Paderborn nicht im Trend

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt erwartet nach einem Fehlbetrag von 4,5 Millionen Euro 2018 für das laufende Jahr ein Defizit von 5,76 Millionen. Im ersten Halbjahr 2019 flogen 146.000 Passagiere ab Paderborn – nach Angaben des Statistischen Landesamtes ein Minus von 1,5 Prozent.

Paderborn liegt, was Fluggastzahlen angeht, nicht im Trend. Im ersten Halbjahr flogen von den sechs großen Airports in NRW 10,1 Millionen Passagiere ab – 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der größte Landesflughafen in Düsseldorf zählte plus 9,6 Prozent auf fast sechs Millionen. Dagegen verzeichnete Köln/Bonn minus 4,9 Prozent auf 1,8 Millionen Fluggäste. Den größten Zuwachs erzielte Dortmund, wo die Zahl um 20,5 Prozent auf knapp 630.000 stieg.

Stabile Zahlen in Münster/Osnabrück

In Weeze am Niederrhein stiegen nur knapp 300.000 Fluggäste in die Maschinen, 31,2 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2018. Dort hat Ryanair sein Angebot stark eingeschränkt. In Münster/Osnabrück (200.000 Passagiere; plus 2,1 Prozent) blieben die Zahlen stabil. Dort hebt derzeit 27 Mal in der Woche eine Lufthansa-Maschine nach Frankfurt ab.

Gefragt, ob denn die Streichung der Verbindung auch etwas mit Klimaschutz und der Debatte um die Sinnhaftigkeit von Kurzflugstrecken zu tun hat, verneint Jachnow: »Basis für waren einzig wirtschaftliche Erwägungsgründe.«

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