Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings alias »Bauer Willi« spricht beim Maschinenring Paderborn-Büren »Ohne Chemie wie Glyphosat geht es nicht«

Büren (WB/eb). Den Horizont erweitern, über den Tellerrand schauen, eine eigene Meinung bilden, in den Dialog treten, nach Lösungen suchen. Mit diesen Empfehlungen versucht derzeit der Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings bundesweit die Diskrepanzen zwischen den Bauern und der Öffentlichkeit zu verringern. Der als Bauer Willi bekannte Landwirt aus dem Rheinland war jetzt zu Gast beim Betriebshilfsdienst und Maschinenring Paderborn-Büren.

Dr. Willi Kremer-Schillings (Mitte), bekannt als Bauer Willi, sprach beim Betriebshilfsdienst zu den heimischen Landwirten hier mit Kreislandwirt und dem Vorsitzenden des BHD, Johannes Giesguth (links), und dem Geschäftsführer des BHD, Berthold Schlüter.
Dr. Willi Kremer-Schillings (Mitte), bekannt als Bauer Willi, sprach beim Betriebshilfsdienst zu den heimischen Landwirten hier mit Kreislandwirt und dem Vorsitzenden des BHD, Johannes Giesguth (links), und dem Geschäftsführer des BHD, Berthold Schlüter. Foto: Hans Büttner

»Mehr Mut zur kreativen Kommunikation –Flagge zeigen« so der Titel seines Vortrags, den die 150 Mitglieder des BHD im Anschluss der Generalversammlung zu hören bekommen sollten. Doch wer von den Zuhörern einen wissenschaftlichen Vortrag von dem promovierten Landwirt erwartet hatte, der sah sich getäuscht. Locker, eher erzählend und angereichert mit einer Reihe von Anekdoten aus seinen vielen Begegnungen und Aktionen, plauderte der 67-Jährige rund 90 Minuten munter drauf los.

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Wenn ihr Gülle fahren wollt, sagt vorher den Nachbarn Bescheid – das geht heute über die sozialen Medien ganz problemlos.

Dr. Willi Kremer-Schillings

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»Aufgrund unserer Stadtnähe ziehen immer mehr Städter in unser Dorf und damit die Probleme zu uns«, schilderte Bauer Willi die Anfänge seines Engagements. »Die Neuen beschwerten sich über die stinkende Gülle, liefen durch mein Weizenfeld, beklagten sich über den Lärm. Es gab keine Kommunikation zwischen den Landwirten und den Neubürgern«, erzählte Kremer-Schillings. Dann habe er einen Brief geschrieben, in dem er beschrieb, was Bauernhof und Landwirtschaft eigentlich seien. Dieser Brief stieß im Internet auf großes Interesse und machte Bauer Willi bekannt – ebenso eine weitere Veröffentlichung unter dem Titel »Liebe Verbraucher«, in der er offen über Kosten und Einkünfte informierte.

»Die Menschen mögen die Bauern, sein Beruf rangiert an sechster Stelle der Beliebtheitsskala. Sie wollen auch, dass der Bauer im Dorf besteht, aber sie möchten nicht die konventionelle Landwirtschaft«, sagte Dr. Kremer-Schilling. Aber ohne Chemie wie Glyphosat gehe es nicht, es sei denn, man möchte wieder so Landwirtschaft betreiben wie vor 1000 Jahren. Dann aber könne die Bevölkerung nicht ernährt werden. »Machen Sie Ihre Meinung kund, schildern Sie den Sachverhalt«, appellierte Kremer-Schilling an seine Berufskollegen.

Als weitere Möglichkeit der kreativen Kommunikation schlug der Rheinländer seinen ostwestfälischen Berufskollegen die Öffnung der Höfe vor. Er selber mache es und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Auch Kindergärten und Schulklassen seien bei ihm immer herzlich willkommen. »Wenn ihr Gülle fahren wollt, sagt vorher den Nachbarn Bescheid – das geht heute über die sozialen Medien ganz problemlos. Rücksichtnahme ist auch Öffentlichkeitsarbeit«, sagte Kremer-Schilling Weiter empfahl er im Umgang mit den Verbrauchern, keine Fachbezeichnungen zu verwenden. »Verzichten Sie auf Begriffe, mit denen ihr Gegenüber nichts anfangen kann.«

Auch die Politik bekam ihr Fett weg. Die Agrar-Politik der Bundesregierung greife massiv in das Eigentumsrecht ein: »Wenn wir keine Pestizide mehr einsetzen dürfen, ist das pure Enteignung«, sagte Kremer-Schillings.

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