Airline streicht Flug nach Paderborn und will Passagiere nicht entschädigen
Lufthansa gibt Bombe die Schuld

Büren (WB). Die Lufthansa hat in letzter Minute einen Flug von München nach Paderborn/Lippstadt storniert. »Angeblich wegen eine Bombenentschärfung«, sagt Rechtsanwalt Thorsten Fust aus Lichtenau. Er glaubte die Version der Airline aber nicht und setzte durch, dass ein Ehepaar für den gestrichenen Flug entschädigt wurde.

Dienstag, 08.10.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 09:42 Uhr
Karl-Heinz Clement (links) und Ralf Kuhlpeter mit der Bombe, die am 30. Juni in Paderborn entschärft wurde. Foto: Oliver Schwabe

Am 30. Juni, einem Sonntag, wollte das Ehepaar gegen 12.30 Uhr mit dem Flug LH 2178 von München nach Ostwestfalen fliegen. »Das Boarding hatte schon begonnen, als der Flug plötzlich gestrichen wurde«, sagt Thorsten Fust, Fachanwalt für Straf- und Verkehrsrecht. Zur Begründung sei den Passagieren mitgeteilt worden, dass in Paderborn ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden müsse. Das sei höhere Gewalt, wofür man nichts könne. Deshalb müsse man die Passagiere auch nicht entschädigen, wie es das EU-Recht eigentlich vorsieht.

Bombe 15 Kilometer vom Flughafen entfernt

Tatsächlich wurde an jenem Tag in Paderborn ein Bombe entschärft , allerdings etwa 15 Kilometer vom Flughafen entfernt. »Es war schon mehr als eine Woche vorher bekannt, dass die Entschärfung am 30. Juni stattfinden sollte«, sagt Anwalt Fust. Er nimmt an, dass die Maschine einfach schlecht ausgelastet gewesen sei und Lufthansa den Flug aus Kostengründen annulliert habe. »So etwas kenne ich sonst nur von Billigfliegern.«

Das Ehepaar wurde auf einen späteren Lufthansaflug umgebucht. Es bekam Wasser, Snacks und einen Verpflegungsgutschein über zehn Euro und landete mit fünf Stunden Verspätung auf dem Flughafen Paderborn/Lippstadt in Büren.

Lufthansa: Höhere Gewalt liegt vor

Bei Verspätungen von mehr als drei Stunden und einer bestimmten Flugstrecke stehen jedem Passagier in der EU 250 Euro Entschädigung zu, so dass das Ehepaar 500 Euro von der Lufthansa verlangte. Die Airline schrieb zurück, sie habe Verständnis für die Verärgerung des Ehepaares, sei aber nicht für die Verspätung haftbar zu machen, weil höhere Gewalt vorliege. »Um dennoch zu einem versöhnlichen Reiseabschluss beizutragen, haben wir Ihnen eine Kulanzzahlung von jeweils 150 Euro überwiesen«, schrieb die Airline. Das Ehepaar bestätigte den Zahlungseingang, wies aber darauf hin, dass das EU-Recht jeweils 250 Euro Entschädigung vorsehe und verlangte die Differenz. Lufthansa erwähnte noch einmal die Bombenentschärfung »im Bereich des Flughafens«, lehnte eine weitere Zahlung ab und teilte mit, eine »kleine Aufmerksamkeit« als Geste der Versöhnung mit der Post schicken zu wollen.

Rechtsanwalt Fust reichte daraufhin beim Amtsgericht Paderborn Klage gegen die Luftfahrtgesellschaft ein. Die verfolgte ihre Strategie daraufhin nicht weiter. Sie erklärte sich außergerichtlich bereit, dem Ehepaar noch 200 Euro zu überweisen und die 83,45 Euro Rechtsanwaltsgebühren zu tragen.

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