Ahdenerin Julia Arens regt finanzielle Förderung für Stoffwindeln an
Wickeln mit Zuschuss

Büren (WB/han). Mit der Windeltonne entlastet die Stadt Büren Familien mit kleinen Kindern. Allerdings nur die, die Einwegwindeln verwenden und mehr Müll verursachen. Wer auf Stoffwindeln setzt und damit die Umwelt schont, hat nichts davon, meint Julia Arens.

Dienstag, 01.10.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 06:03 Uhr
Julia Arens wickelt Söhnchen Klaas von Beginn an mit Stoffwindeln – und kommt damit prima zurecht. Eine finanzielle Förderung, ähnlich wie die Windeltonne, könnte ein Anreiz sein und ein Bewusstsein für die umweltfreundliche Alternative wecken, hofft sie. Foto: Hanne Hagelgans

Darum hat die junge Mutter bei der Stadt einen Antrag gestellt, die Nutzung von Stoffwindeln mit einem finanziellen Zuschuss zu fördern. Der Ausschuss für Familie, Bildung und Generationen beschäftigt sich in seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 2. Oktober, (18.30 Uhr im Bürgersaal) mit dem Thema.

Die Ahdenerin wickelt ihren 15 Monate alten Sohn Klaas von Geburt an mit Stoffwindeln und kommt damit prima zurecht. Darum ist es ihr auch eine Herzensangelegenheit, Babyeltern für die Nutzung von Stoffwindeln zu begeistern und ein Umdenken einzuleiten. Schließlich sei es noch bis vor etwa 40 Jahren vollkommen normal gewesen, Windeln aus Stoff zu verwenden.

Erst die Marketingmaschinerie großer Konzerne habe für den Siegeszug von Pampers und Co. gesorgt. Lediglich fünf Prozent der Eltern, hat Julia Arens recherchiert, setzten heute noch auf Stoffwindeln.

Dabei, ist sie überzeugt, bedeute das kaum mehr Aufwand als die Plastikwindel, biete aber Vorteile: viel weniger Müll und eine handfeste finanzielle Ersparnis. »Im Abfallvermeidungsgesetz der EU werden die Länder dazu aufgefordert, Ressourcen zu sparen, schreibt die Ahdenerin in ihrem Antrag an den Ausschuss. Auch im nationalen Kreislaufwirtschaftsgesetz sei das Ziel festgeschrieben, die Abfallmenge zu verringern. »Leider werden diese Ziele hinsichtlich des Müllberges durch die Wegwerfwindel gesellschaftlich nicht verfolgt«, kritisiert sie.

Julia Arens zeigt, wie sie den kleinen Klaas wickelt: Eine stabile Windelhose – die es übrigens mit den niedlichsten Mustern und Drucken gibt – wird mit dicken und saugfähigen Textileinlagen ausgelegt. Darüber kommt ein dünnes Windelvlies, um Kot direkt in die Toilette entsorgen zu können. Dieses Vlies, das einige Male auch in der Maschine waschbar sei, sei tatsächlich das einzige, was an Müll entstehe, erklärt die junge Mutter. Die benutzten Textileinlagen werden in einem fest verschließbaren Sack gesammelt, bis sie bei 60 oder 95 Grad in die Waschmaschine wandern. Waschbar ist auch die bunte Überhose. Deren Größe ist mit Knöpfen verstellbar, so dass sie vom Säuglings- bis zum Kleinkindalter verwendet werden kann.

Zwar schlage die Anschaffung eines solchen Stoffwindel-Systems erst einmal mit 250 bis 500 Euro zu Buche, berichtet Julia Arens. Doch abgesehen vom Waschen entstünden danach auch keine Kosten mehr. Und gerade in Familien mit kleinen Kindern falle schließlich ohnehin reichlich Wäsche an. Rechne man dagegen, was im Laufe eines Baby- und Kleinkindlebens für Plastikwindeln ausgegeben werden müsse, sei die Stoffwindel die deutlich günstigere Alternative. »Wenn man für 5000 Windeln rund 25 Cent pro Stück zahlt, kostet das Wickeln mit Einwegwindeln rund 1250 Euro für eine Wickelzeit von zweieinhalb Jahren«, rechnet sie vor.

Die Stadt Büren wäre die erste Kommune im Kreis Paderborn, die jungen Eltern einen Zuschuss für Stoffwindeln gewährt. In Rheda-Wiedenbrück allerdings erhalten Eltern schon seit 1995 bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes jährlich 75 Euro. Im vergangenen Jahr seien dort 18 entsprechende Anträge gestellt worden, informiert die Bürener Verwaltung in ihrer Vorlage für die Ausschusssitzung. In Detmold wird seit 1998 bis zum 30. Lebensmonat eines Kindes gestaffelt ein maximaler Zuschuss von insgesamt 227 Euro gezahlt.

Ausgehend von jährlich etwa 190 Geburten, einem Zuschuss von 75 Euro und geschätzten zehn Anträgen pro Jahr rechnet die Bürener Verwaltung mit jährlich rund 750 Euro an Kosten.

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