IHK Ostwestfalen äußert sich zurückhaltend zu Forderungen nach finanzieller Beteiligung
OWL-Airport will Wirtschaft einbinden

Büren/Bielefeld (WB/OH). Die ostwestfälische Wirtschaft betont die Bedeutung des Flughafens Paderborn-Lippstadt als Standortfaktor. Ein größeres – vor allem finanzielles – Engagement, das die kommunalen Gesellschafter fordern, ist aber eher nicht zu erwarten. Das wurde bei der Sitzung der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen am Airport in Büren deutlich.

Dienstag, 03.09.2019, 06:11 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 06:14 Uhr
Eine Lufthansa-Maschine auf dem Flughafen Paderborn-Lippstadt. Die Airline fliegt nach Frankfurt und München.

Der Flughafen sei ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur von regionsübergreifender Bedeutung und leiste einen erheblichen Beitrag zur Stärke des hiesigen Wirtschaftsraumes, erklärt IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven. Und auch IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff spricht von einem »deutlichen Signal«, dass die Vollversammlung vor Ort über die Zukunft und Perspektiven des Flughafens diskutiert.

Das von den IHKs mitfinanzierte Gutachten zur regionalwirtschaftlichen Bedeutung des Airports habe eindeutig ergeben, dass der Nutzen vielfach höher ist als die Kosten. »Der Flughafen ist damit kein Fass ohne Boden, wie von einigen Politikern formuliert«, sagt Niehoff.

Nutzung durch Firmen

Der in mehreren Kreistagen und auch vom Airport-Aufsichtsratschef, dem Paderborner Landrat Manfred Müller (CDU), geforderte Beitrag der Wirtschaft, gilt aus IHK-Sicht als schwierig. »Die Forderungen nach der finanziellen Beteiligung der Wirtschaft haben wir vernommen. Aber man muss zunächst konstatieren, dass die Bereitstellung von Infrastruktur eine staatliche Aufgabe ist«, erklärt Niehoff.

Die beste Form der Unterstützung sei eine starke Nutzung durch Firmen, »insbesondere der Business-Verbindungen nach München und Frankfurt. Und die laufen gut.« Weiteren Unterstützungsaktivitäten wolle sich die IHK nicht verschließen, »wir halten sie aber in der Umsetzung für schwierig«.

Kaum umsetzbar

Feste Buchungskontingente für Firmen seien kaum umsetzbar. »Unternehmen brauchen Flexibilität.« Sie nutzten mehrere Flughäfen und entschieden in erster Linie nach Flugziel, nicht nach Abflughafen. Weitere Möglichkeiten für ein finanzielles Engagement von Unternehmen müssten ausgelotet werden. Kritisch sei insbesondere die Anschubfinanzierung von potenziellen Geschäftsreisezielen. Niehoff: »Die Vorstellung, dass da größere Summen zusammenkommen könnten, ist allerdings sehr optimistisch.«

Laut Flughafen-Geschäftsführer Marc Cezanne entwickelt sich das laufende Geschäftsjahr »planmäßig«. Das bedeutet wegen hoher Anschubhilfen für die gescheiterten Flugziele Zürich, Wien und London einen erwarteten Rekordverlust von 5,76 Millionen Euro.

»Das Defizit soll im kommenden Jahr wieder sinken«, sagt Cezanne. Wie berichtet, sollen die kommunalen Gesellschafter noch für das laufende Jahr eine Verdoppelung der Verlustabdeckung von 2,5 auf bis zu 5 Millionen Euro pro Jahr absegnen. Vier Kreise haben bereits zugestimmt, die Kreise Gütersloh und Lippe sowie die Stadt Bielefeld wollen nach der Sommerpause entscheiden.

Cezanne sieht den Airport »auf dem richtigen Weg«. Für eine Beteiligung der Wirtschaft seien einige Ideen ausgearbeitet worden, über die der Aufsichtsrat Ende Oktober beraten wolle.

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