In Büren wollen gleich zwei Unternehmen Bürger ans Glasfasernetz binden
Erste Runde im Ringen um Kunden

Büren (WB). Wenn es an der Haustür zweimal klingelt – dann wird es im Bürener Stadtgebiet womöglich nicht der Milchmann sein. Vielmehr steht vielleicht zunächst ein Vertreter des Energieversorgers Innogy TelNet und dann einer der Deutschen Glasfaser – oder umgekehrt – auf der Matte. Das Ringen um Kunden hat begonnen. Beide wollen das schnelle Internet verkaufen.

Mittwoch, 07.08.2019, 10:59 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 11:02 Uhr

Städte wie Borchen, Delbrück, Lichtenau und Salzkotten haben es bereits getan: Sie haben mit der Deutschen Glasfaser (DG), ein Telekommunikationsunternehmen aus Münster, einen Kooperationsvertrag geschlossen. Der Deal ist einfach: Die Städte unterstützen die DG bei der so genannten Nachfragebündelung. Im Gegenzug bringt die DG den kostenfreien Hausanschluss, sofern 40 Prozent der Haushalte einen Vorvertrag abschließen. In Büren hat der Rat umgeschwenkt. Zunächst war ebenfalls ein Kooperationsvertrag mit der DG geplant. Später rückten die Ratsmitglieder von ihrem Beschluss ab und wandten sich Innogy (Tochterunternehmen RWE) zu.

Alle Ortsteile sollen angeschlossen werden

Im Bürener Land gibt es daher nun die außergewöhnliche Situation, dass gleich zwei Anbieter um die Gunst der Kunden buhlen, denn die DG hat das Feld nicht einfach so geräumt. Vielmehr sind die Münsteraner bereits in die Offensive gegangen und haben ihre Nachfragebündelung gestartet. »Wochen der Entscheidung«, so haben die Glasfaseranbieter ihre Kundenwerbung überschrieben. Die DG trete in den Wettbewerb mit Innogy, was den Anwohnern zugute komme, weil sie die Auswahl zwischen zwei Netzausbauern hätten und sich für den aus ihrer Sicht besseren Anbieter entscheiden könnten, heißt es bei der DG. Das Unternehmen werde für Ahden, Barkhausen, Brenken, Büren, Harth, Hegensdorf, Siddinghausen, Steinhausen, Weiberg, Weine und Wewelsburg die Nachfrage angehen.

Die Stadt Büren unterstützt nun aber den Konkurrenten Innogy aus Essen. Denn die Deutsche Glasfaser hatte zunächst ihr Engagement nur auf die Kernstadt Büren, die Ortsteile Brenken, Ahden und Wewelsburg sowie die Gewerbegebiete beschränken wollen. Nachdem zuerst Innogy nachgebessert hatte, entschied sich der Rat um. »Diese Kooperation ist zukunftsweisend, da das ortsansässige Unternehmen die Kernstadt mit allen Bürener Ortsteilen und Gewerbegebieten ans schnelle Netz bringen will«, heißt es seitens der Stadt zum Vertrag mit Innogy.

40-Prozent-Hürde muss genommen werden

Innogy habe in Büren bereits mit einem Volumen von etwa vier Millionen Euro in die Glasfaseranschlusstechnik investiert, steht die Stadt zu dieser Entscheidung. Für die jetzt geplanten Glasfaseranschlüsse könne das Unternehmen bereits auf ein mehr als 80 Kilometer langes Bestandsnetz zurückgreifen, bei dem im Tiefbau auch die vorhandenen Kabelschächte mitverwendet würden. Es ergäben sich außerdem Synergien durch die Mitverlegung im Bereich Strom und Straßenbeleuchtung. In einer ersten gemeinsamen Veranstaltung werden Innogy und die Stadt Büren an diesem Mittwoch, 7. August, interessierte Bürger aus Wewelsburg, Ahden und Brenken darüber informieren, wie ihre Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen werden können. Beginn ist um 18 Uhr in der Dorfhalle Wewelsburg.

Die Vorvermarktung erstreckt sich pro Ausbaugebiet über zehn Wochen und beginnt in den Ortsteilen Wewelsburg (40 Prozent = 327 Kunden), Ahden (40 Prozent = 197 Kunden) sowie Brenken (40 Prozent = 407 Kunden). Die Nachfrage endet am 16. Oktober.

Stadt unterstützt Innogy

»Jedem Unternehmen ist es selbstverständlich freigestellt, sich in Büren zu engagieren«, reagiert die Stadt darauf, dass die DG nun ohne Kooperationsvertrag ebenfalls schnelles Internet kostenlos in alle Ortsteile bringen will und damit in Konkurrenz zum von der Stadt unterstützten Anbieter tritt. Was jedoch, wenn sich beide Unternehmen gegenseitig die Kunden wegnehmen und keines die 40-Prozent-Hürde knackt ? »Wir gehen davon aus, dass es klappt«, blickt Stadtsprecherin Marianne Witt-Stuhr optimistisch auf die Zusammenarbeit mit Innogy. Jeder Bürger könne sich gern informieren und dann entscheiden.

Bei der DG läuft die Nachfragebündelung bereits seit eineinhalb Wochen und endet für die ersten vier Stadtteile Ahden, Brenken, Steinhausen und Wewelsburg am 12. Oktober. Die Deutsche Glasfaser will über den Netzausbau ihre Produkte sowie den Projektverlauf auf Veranstaltungen und im eigens dafür eingerichteten Servicepunkt am Bürener Marktplatz informieren. Feierliche Eröffnung des Servicepunktes (Markt 2) ist am Samstag, 10. August, von 10 bis 15 Uhr. Öffnungszeiten sind anschließend donnerstags und freitags 14 bis 19 Uhr sowie samstags 10 bis 15 Uhr. Die DG bindet eigenen Angaben zufolge im Kreis Paderborn bereits mehr als 32.000 Haushalte in sechs Kommunen an das Glasfasernetz an. Mit Büren würden mehr als 8000 weitere Haushalte hinzukommen.

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