Messerattacke in Asylunterkunft: 31-Jähriger aus Mali muss fünf Jahre in Haft Streit um Nichtigkeiten: erst zugestochen, dann zugetreten

Büren (WB). Erst rammte er ein Messer in den Oberkörper seines Opfers, dann trat er auf den Verletzten ein. Vor dem Paderborner Landgericht ist ein mittlerweile 31-Jähriger aus Mali nach einer Messerattacke in einer ­Bürener Asylunterkunft zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Von Lukas Brekenkamp
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

»Diese Frau in Afrika – sie macht nur Probleme. Sie versucht, mir Schaden zuzufügen.« Am letzten Verhandlungstag am Freitag vor dem Landgericht ergriff plötzlich der Angeklagte das Wort. Es blieben seine einzigen Aussagen während des Prozesses, bei dem es um den versuchten Totschlag unter Flüchtlingen ging: Im Januar hatte der Angeklagte früh morgens einen 26-Jährigen aus Guinea mit einem Messer angegriffen und auf ihn eingetreten. »Es ist von Glück zu sprechen, dass das Opfer überlebt hat«, machte die Staatsanwaltschaft klar.

Psychotische Störung vermutet

Voodoo? Schwarze Magie? Immer wieder fielen im Laufe der Verhandlung diese Aussagen. Auch der Psychologische Gutachter gab Einblicke. »An zwei Treffen habe ich verschiedene Facetten des Mannes erlebt«, erklärte er.

Während der Angeklagte bei einem ersten Treffen in Unter­suchungshaft einen guten Eindruck gemacht habe, sei sein Zustand später in einem Vollzugskrankenhaus deutlich schlechter gewesen. So sehr, dass der Gutachter eine psychotische Störung vermutete. Diese sei für die Tat ­jedoch nicht relevant gewesen, da sie erst in der Haft ausgebrochen sein könnte.

Einzig eine vermutete Anpassungsstörung sei hier von Bedeutung. Trotzdem sei der 31-Jährige schuldfähig.

An die Tat selbst, so der Gutachter, erinnere sich der Angeklagte demnach nicht. Der Angeklagte mutmaßte jedoch, das Opfer könne sich die Verletzungen selbst zugefügt haben, um ihm zu schaden. Doch für diese »Gedächtnislücken« sah der Gutachter keine Hinweise.

Schwarze Magie immer wieder Thema

Der Angeklagte habe außerdem Andeutungen gemacht, dass Voodoo-Rituale gegen ihn durchgeführt worden seien. Dabei nannte er eine Angehörige des Schwagers, die in Algerien lebe. »Sie habe den Teufel im Kopf und könne in die Zukunft sehen«, gab der Gutachter die Aussage des Angeklagten wieder.

Immerhin hätte die Familie des Schwagers darüber hinaus in der Vergangenheit versucht, ihn mit einem Messer zu töten – eine große Narbe prangt noch immer auf seinem Kopf.

Gegenüber dem Gutachter habe der Angeklagte mehrfach von Schwarzer Magie als Hintergrund für die Tat gesprochen. Hier sah die Staats­anwaltschaft jedoch widersprüchliche Aussagen mit Blick auf die Gedächtnislücken. Auch das Opfer der Messerattacke sagte am zweiten Verhandlungstag aus, dass sich beide über das Thema Schwarze Magie unterhalten hätten. »Das ist aber normal, wir sind Afrikaner.«

In den Gesprächen mit dem Gutachter habe der Angeklagte deutlich gemacht, dass er Angst vor dem Opfer gehabt habe – der 26-Jährige soll ihm am Vorabend der Tat noch mit dem Tod gedroht haben. Er selbst sei – entgegen der Darstellung des Opfers – nicht aggressiv gewesen. Vielmehr sei der Mann aus Guinea öfter durch Aggressionen aufgefallen.

Anwältin fordert Freispruch

Die Verteidigung des 31-Jährigen sah die Messerattacke nicht als erwiesen an: Es fehlten etwa DNA-Spuren des Angeklagten an der Tatwaffe, wie das Gutachten bestätige. Jedoch sah die Verteidigung in dem Opfer selbst »ein hohes Streitpotential« und forderte einen Freispruch – die Verletzungen habe sich der 26-Jährige selbst zugefügt. Wie die Anwältin des 31-Jährigen erklärte, bestreite er weiterhin die Tat.

Das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Eric Schülke sah das jedoch anders: Der 31-Jährige muss fünf Jahre ins Gefängnis. In der Urteilsbegründung war keine Rede von Schwarzer Magie. Vielmehr bezog sich das Gericht auf den Konflikt am Vorabend, bei dem es um Nichtigkeiten wie das Thema Ordnung gegangen sei.

Laut Schülke sei der eine eben unordentlich – der andere nicht. Schülke: »Hier liegen keine religiösen, politischen oder ideologischen Probleme vor.«

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