Medikamente in der Abschiebehaftanstalt Büren verschwunden: Verfahren eingestellt Kranker Arzt war abhängig

Büren (WB/ca). Die Ermittlungen gegen einen Arzt der Abschiebehaftanstalt Büren (Kreis Paderborn), der im vergangenen Jahr Medikamente aus der Anstaltspraxis beiseite geschafft hatte, sind beendet.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Oberstaatsanwalt Marco Wibbe aus Paderborn sagte, das Verfahren sei gegen eine Geldauflage von 4000 Euro eingestellt worden. Die Bezirksregierung Detmold hatte den Mediziner 2018 suspendiert, nachdem sie Unregelmäßigkeiten bei Apothekenabrechnungen festgestellt hatte, die der Anstaltsarzt nicht schlüssig erklären konnte. Außerdem erstattete die Behörde Strafanzeige. Es stand der Verdacht im Raum, der Mann könne mit den Medikamenten gehandelt haben.

Oberstaatsanwalt Marco Wibbe

Oberstaatsanwalt Marco Wibbe sprach von einem tragischen Fall: »Der Arzt litt seit längerem an einer schmerzhaften Krankheit und war von den verordneten Mitteln abhängig geworden. Deshalb brachte er Schmerzmittel aus dem Bestand der Einrichtung an sich und nahm sie zusätzlich zu den verschriebenen Medikamenten ein.«

Geständnis abgelegt

Der Mediziner habe ein umfangreiches Geständnis abgelegt und sich in Therapie begeben, um seine Abhängigkeit behandeln zu lassen. Wibbe: »Die Ermittlungen haben überhaupt keine Hinweise ergeben, dass der Beschuldigte Schmerzmittel rechtswidrig an Untergebrachte oder andere Menschen weitergeben oder sogar damit gehandelt hat.« Die Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz seien deshalb gegen Zahlung der Geldauflage eingestellt worden. Außerdem sei dem Arzt die Auflage gemacht worden, der Bezirksregierung den Schaden zu ersetzten, also die Schmerzmittel zu bezahlen. Angeblich geht es um etwa 1000 Euro, nach unbestätigten Informationen für das Opioid Tramadol. Das Medikament wird in Afrika als Droge gehandelt.

Nur noch 100 Menschen untergebracht

Andreas Moseke, Sprecher der Bezirksregierung Detmold: »Der Arzt ist nicht mehr in der Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige beschäftigt. Die medizinische Versorgung vor Ort wird jetzt von Ärzten auf Honorarbasis sichergestellt.«

In der Abschiebehaftanstalt Büren sind nach Auskunft der Bezirksregierung Detmold im Moment nur noch etwa 100 Menschen untergebracht. Weil mit einem Anstieg der Zahl der Abschiebehäftlinge gerechnet worden war, hatte das Land NRW im vergangenen Jahr beschlossen, die Zahl der Plätze in der Einrichtung auf 175 zu erhöhen.

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