Grabschmuck gestohlen – Baggerschaufel erinnerte an Firmengründer
Kein Respekt vor der Totenruhe

Büren (WB). »Hier ist eine Grenze überschritten«, sagt Stefan Reitz. Der 48-jährige Weiner schaut noch immer fassungslos auf das Grab seines Vaters Otto. Unbekannte haben Grabschmuck von der letzten Ruhestätte gestohlen und das Grab verwüstet. Das allein ist für Stefan Reitz schon unbegreiflich genug. Hinzukommt aber, dass es sich um einen ganz besonderen und individuellen letzten Gruß gehandelt hat.

Mittwoch, 05.06.2019, 22:07 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 10:38 Uhr
Statt mit einem Kranz haben Angehörige und Mitarbeiter mit einem sehr persönlichen letzten Gruß Abschied von Firmengründer Otto Reitz genommen.

»Mein Vater hatte sein Leben lang etwas mit dem Baugewerbe zu tun«, erzählt Stefan Reitz über den Firmengründer des Weiner Straßen- und Tiefbauunternehmens GST, »mit 16 Jahren hat er seinen ersten Bagger gekauft, 1988 die Firma gegründet.« Deshalb wollte die Familie auf ganz persönliche Weise dauerhaft an den im April gestorbenen Unternehmer erinnern. Stefan Reitz erwarb bei seinem Lieferanten einen Baggerlöffel, der in der Firma lackiert und mit den Firmenbuchstaben verziert wurde. Angehörige und Mitarbeiter ließen die Schaufel liebevoll bepflanzen. Am vergangenen Samstag entdeckte die Familie dann den Diebstahl auf dem Weiner Friedhof. Pflanzen und Erde waren aus dem Baggerlöffel aufs Grab gekippt worden, der 40 Kilo schwere Kübel war verschwunden.

Im Dorf hat der Diebstahl Empörung ausgelöst

»Das ist einfach makaber. Welchen Charakter haben Menschen, die etwas von einer Grabstätte stehlen? Gerade auf einem Friedhof, der letzten Ruhestätte eines Menschen, packt man doch nichts an«, fehlt Stefan Reitz jegliches Verständnis für den Diebstahl, »wir möchten das publik machen und damit zeigen, dass so etwas nicht passieren darf.« Der Sohn des Firmengründers wollte seinem Vater mit der außergewöhnlichen Schale eine ganz persönliche Erinnerung widmen und den Baggerlöffel dauerhaft zur Bepflanzung nutzen.

Eine wirkliche Vermutung, wer den Grabschmuck gestohlen haben könnte, hat er nicht. Allerdings sei die umgestaltete Schaufel voll einsatzfähig und koste etwa 300 Euro. Dass der oder die Diebe den außergewöhnlichen Pflanzenkübel nun selbst nutzen und vor die Haustür stellen, glaubt Reitz nicht. »Das fällt ja sofort auf«, meint der Weiner. Der Friedhof des Almedorfes liegt mitten im Ort, aber nicht an der Ortsdurchfahrt. Im Vorbeifahren könnte wohl kaum jemand Gefallen an dem interessanten Baggerlöffel gefunden haben. Im Dorf ist der geschmacklose Diebstahl bereits Thema. »Was ich an Resonanz bekommen habe, kann man gar nicht öffentlich sagen«, beschreibt Stefan Reitz die Empörung im Ort. Er hat Anzeige erstattet, allerdings wenig Hoffnung, dass der Dieb ermittelt wird.

Polizei hofft auf Zeugenhinweise

Michael Biermann, Sprecher der Kreispolizeibehörde, ist da nicht ganz so pessimistisch. »Gerade in solch einem Fall könnte Anwohnern ja etwas Verdächtiges auf dem Friedhof aufgefallen sein, etwa unbekannte Personen oder Fahrzeuge. Irgendwie muss das Gefäß ja abtransportiert worden sein«, rät Biermann, sich gerade auch zur Verbrechensprävention an die Polizei zu wenden. »Da sind wir sehr stark auf Zeugenhinweise angewiesen«, so Biermann. Im Moment lägen nur ganz selten Anzeigen zu Diebstähle auf Friedhöfen vor. »Es gab schon einmal Zeiten, als sich Metalldiebstähle häuften, weil sich das Material recht gut veräußern lässt«, so Biermann. Ansonsten seien Anzeigen wegen eines Diebstahls auf dem Friedhof nicht an der Tagesordnung, sagt der Polizeisprecher.

Der materielle Verlust ist Stefan Reitz egal, aber die Pietätlosigkeit verurteilt er. Dennoch will er den gestohlenen Grabschmuck ersetzen und seinem Vater erneut eine ganz persönliche Erinnerung widmen.

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