Bürener Ausschuss gibt grünes Licht für Chefs Culinar am Flughafen
Freude im Rathaus – Ärger in Ahden

Büren (WB/han). Der Bürener Bauausschuss hat den Weg frei gemacht für das Bauleitplanverfahren, an dessen Ende das neue Zentrallager von Chefs Culinar am Flughafen stehen soll. Viele Ahdener Bürger ärgern sich über diesen Schritt.

Donnerstag, 04.04.2019, 17:07 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 17:10 Uhr
Auf einer zwölf Hektar großen Fläche am Flughafen soll das neue Zentrallager des Gastronomie-Zulieferers Chefs Culinar entstehen. Wie Einwohner Ahdens fürchten Lärm und Verschattung und sind unzufrieden mit der Entscheidung. Foto: Hans Büttner

Nachdem Windkraft die Ansiedlung des Gastronomie-Zulieferers am Kapellenberg verhindert hat (das WV berichtete), musste ein neuer Standort gesucht werden, um das Millionenprojekt dennoch nach Büren zu holen. Fündig wurde man am Flughafen. Auf der Ahden zugewandten Seite des Kleinen Hellwegs, gegenüber vom Unternehmen Unity, befindet sich ein zwölf Hektar großes Gelände, das zurzeit noch als Ackerland gewidmet, vom Regionalentwicklungsplan aber als Gewerbefläche vorgesehen ist.

»Wir waren vor Jahren schon gegen diese Entscheidung«, kritisiert Ahdens Ortsvorsteher Rainer Fischer die Festschreibung im Regionalentwicklungsplan. Gemeinsam mit vielen weiteren Ahdenern verfolgte er am Mittwoch die Diskussion im Bauausschuss.

Es sei keineswegs so, dass die Ahdener das Projekt grundsätzlich verhindern wollten, stellt Fischer klar. Nur sei eine Fläche auf der anderen Seite des Kleinen Hellwegs, anschließend an die Flughafen-Parkplätze in Richtung Tudorf eben deutlich besser geeignet. Durch den Bau am jetzt gefundenen Standort befürchten viele Einwohner Lärm, eine Verschattung des Dorfes und einen getrübten Ausblick.

Für ein Prestigeobjekt würden nun Entscheidungen übers Knie gebrochen, ohne auf die Belange der Ahdener einzugehen, kritisierte auch Reinhold Zühlke (Grüne) und erntete dafür Beifall von der Zuschauertribüne im Bürgersaal. Es habe unter Ausschluss der Öffentlichkeit bereits Festschreibungen gegeben. Zudem handele es sich bei Chefs Culinar keineswegs um das am jetzt gefundenen Standort eigentlich vorgesehene »flughafen­affine Gewerbe«. Die geplante Ansiedlung sei damit gar nicht rechtskonform, so Zühlke.

Bürgermeister Burkhard Schwuchow widersprach. Es sei schlicht falsch, dass bereits alles unter Dach und Fach sei. Die Verwaltung sei vom Rat bisher lediglich damit beauftragt worden, den notwendigen Flächentausch in Angriff zu nehmen. Nachdem die Grundstücksgeschäfte, wie es vorgeschrieben sei, nichtöffentlich diskutiert worden seien, finde das Bauleitplanverfahren samt Bürgerbeteiligung nun – ebenfalls genau den gesetzlichen Vorgaben entsprechend – öffentlich statt.

Während Christian Bambeck (CDU) zu einer sachlichen Diskussion mahnte, betonte sein Fraktionskollege Joachim Finke: »Mit Chefs Culinar gewinnen wir einen Top-Player in der Lebensmittelversorgung in Europa. Seien wir stolz darauf, dass das bis hierher gelungen ist.« Es gelte nun, dem Investor zu zeigen, dass sein Vorhaben in Büren ernst genommen werde, und die Skeptiker mit ins Boot zu holen. Auschussvorsitzender Peter Salmen (SPD) mahnte: »Was in Büren passiert, bestimmen wir alle zusammen, nicht allein der Bürgermeister. Und wir alle zusammen sind auch dafür verantwortlich, dass die Bürger mitgenommen werden.«

Kommentar

Bei vielen Einwohnern Ahdens ist offenbar der Eindruck entstanden, hinter verschlossenen Türen sei das gesamte Projekt längst fix und fertig geplant und beschlossen worden. Doch das ist ein Missverständnis und bringt ganz unnötigerweise negative Emotionen in einen Prozess, der nichts mehr erfordert als Nüchternheit und Sachlichkeit.

Und zwar auf allen Seiten. Kritiker des Bauvorhabens tun ihrem Anliegen nichts Gutes, wenn sie mit Horrorszenarien um sich werfen. Weder werden geltende Lärmschutzvorgaben ausgehebelt werden, noch wird Ahden in Dunkelheit versinken. Und das geplante Gebäude wird auch sicherlich nicht, wie von Reinhold Zühlke behauptet, »drei Mal so groß wie das Netto-Lager in Haaren«. Nebenbei bemerkt: Ein Ausflug nach Haaren und ein Blick auf die dortige riesige Halle könnten den Grünen-Ratsherrn leicht belehren, dass das wohl kaum der Fall sein dürfte.

Doch auch auf der anderen Seite ist Disziplin gefragt: Verwaltung und Mehrheitsfraktion dürfen nicht vor lauter Begeisterung, ein Millionenprojekt nach Büren zu holen, faule Kompromisse eingehen. Hanne Hagelgans

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