Wewelsburger KZ-Baracke ist vielschichtiges Denkmal
Grauen und neue Zeit

Büren (WB/eb). Dass die alte Häftlingsbaracke auf dem Gelände des ehemaligen KZ Niederhagen unter Denkmalschutz gestellt wurde, kam für viele Wewelsburger überraschend – und ungelegen. Im Dorfrat hat Museumsleiterin Kirsten John-Stucke nun darüber informiert, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll.

Freitag, 18.01.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 06:02 Uhr
Überraschend und für die Wewelsburger Feuerwehr höchst ungelegen kam die Unterschutzstellung der KZ-Baracke im Niederhagen als Denkmal. Kirsten John-Stucke, Leiterin des Kreismuseums, hat jetzt die Besonderheit des Gebäudes erläutert und über weitere Pläne informiert. Foto: Büttner

Die hölzerne Baracke ist 26 Meter lang, 9 Meter breit, 4 Meter hoch, und sie hat eine besondere Geschichte. Die alte Häftlingsbaracke auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Niederhagen in Wewelsburg ist wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. In den kommenden Wochen soll damit begonnen werden, das geschichtsträchtige Gebäude zu einem Informationszentrum auszubauen.

»Wir haben hier die einmalige Möglichkeit, die Geschichte des Konzentrationslagers, des Gebäudes und der Menschen, die hier gewohnt haben, zu dokumentieren«, sagt Museumsleiterin Kirsten John-Stucke.

Um genauere zeitgeschichtliche Erkenntnisse zu erhalten, hat das Museum seine Recherchen und Forschungsarbeiten intensiviert. »Wir sind für jede Hilfe dankbar, besonders über Informationen zu den Menschen, die in der Baracke gewohnt haben«, betont sie.

Die Idee, in einem Teil der ehemaligen Häftlingsbaracke aus der Zeit des Konzentrationslagers eine Informationsstätte einzurichten, ist nicht neu. So war es schon vor mehr als drei Jahren beabsichtigt. Die Wewelsburger Feuerwehr und das Kreismuseum hätten sich ursprünglich die Räume teilen und nach ihren Bedürfnissen ausbauen sollen.

Doch dazu ist es nicht gekommen. Zwar hatte die Feuerwehr schon einige Vorarbeiten geleistet, aber dann machte der Denkmalschutz einen Strich durch alle Planungen.

Denn an einer Innenwand der ehemaligen Baracke wurden Wandbeschriftungen freigelegt, die von den Denkmalpflegern als erhaltenswert festgelegt wurden und die Unterschutzstellung der Baracke nach sich zogen. Damit waren alle Aktivitäten gestoppt. »Da ist viel schief gelaufen, das war so nicht gewollt«, sagt Kirsten John-Stucke.

Mittlerweile geht die Feuerwehr neue Wege und plant in einem Private-Public-Partnership-Modell mit der Stadt Büren den kompletten Neubau eines Gerätehauses am Wewelsburger Ortsausgang in Richtung Böddeken.

Die Baracke, die an die ehemaligen Lagerküche und das heutige Feuerwehrhaus anschließt, habe ursprünglich drei große Mannschaftsräume gehabt, erläutert Kirsten John-Stucke. In der Nachkriegszeit, als viele Flüchtlinge nach Wewelsburg kamen und Wohnraum knapp war, habe man die Baracke im Innenbereich umgebaut und drei Wohnungen eingebaut.

»Einen Teil des verwendeten Materials hat man wohl aus noch auf dem ehemaligen KZ-Gelände befindlichen Holzbaracken genommen«, vermutet die Museumsleiterin. Im Laufe der Zeit seien dann die Wände im Innenbereich mit Paneelen »verschönert« worden. Erst nach der Entkernung seien dann die Hinterlassenschaften aus der Zeit der Flüchtlingsunterbringung von der Denkmalpflege entdeckt worden.

»Niederhagen war das einzige selbstständige KZ auf NRW-Gebiet, und wir haben hier die Möglichkeit, vor Ort das Grauen, die zivile Nutzung und die neue Zeitrechnung darstellen zu können«, hebt Kirsten John-Stucke die Besonderheit hervor.

Auch für die künftige Nutzung des bestehenden Feuerwehrhauses neben der Baracke, das die Wehr wegen des Neubaus nicht mehr benötigt, scheint sich jetzt eine Lösung anzubahnen, die aber noch nicht spruchreif ist. Die ehemalige Häftlingsunterkunft ist von der Stadt Büren an den Kreis Paderborn verkauft worden.

Im Zuge der Restaurierung der Baracke sollen auch die Kellerräume berücksichtigt werden. Die Fenster bekommen wieder Fensterläden, die äußere Kellertreppe wird wieder zugänglich gemacht, und die drei Wohnräume werden in den Zustand von 1948, als sie zu Flüchtlingswohnungen wurden, zurückversetzt.

Das gesamte Informationszentrum soll zudem barrierefrei werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 394.000 Euro, wobei es von Seiten der Europäischen Union und des Landes NRW eine Förderung von 80 Prozent der Kosten gibt.

Zwar stehe noch nicht fest, wie die Ausstellung gestaltet wird, sicher sei aber, so die Museumsleiterin, dass es keine klassische Wandausstellung geben werde: »Es wird wohl eine konzentrierte Ausstellung mit Medienstationen entstehen.«

Auch sei nicht daran gedacht, die Ausstellung ständig geöffnet zu halten, vielmehr sollen geführte Besuchergruppen Zugang erhalten.

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