Anwohner an der A 33 fordern zusätzliche Maßnahmen in Höhe Borchen
Ruf nach Lärmschutz wird lauter

Borchen (WB/per). Rund 40.000 Fahrzeuge sind täglich auf der A 33 unterwegs. Und weil bislang nur ein Bruchteil dieser Fahrzeuge mit geräuschlosen Elektroantrieben unterwegs ist, erzeugt das Verkehrsaufkommen entsprechend Lärm. Seit Jahren kämpfen Anwohner der Gemeinde Borchen um zusätzlichen Lärmschutz. Unterstützung sagt ihnen jetzt auch der unabhängige Bürgermeisterkandidat Uwe Gockel zu.

Freitag, 04.09.2020, 08:20 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 08:22 Uhr
Das tägliche Verkehrsaufkommen auf der A 33 beträgt 40.000 Fahrzeuge. Ursprünglich gingen die Planer beim Bau der Autobahn Ende der 80er Jahre von 11.000 Fahrzeugen aus. Foto: Mazhiqi

Gockel und die Freie Wählergemeinschaft Borchen (FWB) fordern eine Erweiterung des Tempolimits, das derzeit ab der Abfahrt Paderborn/Mönkeloh besteht, mindestens, ab der Abfahrt Borchen/Alfen. Ein Antrag hierzu wurde von der FWB bereits 2016 gestellt. Uwe Gockel wurde auf seiner Begegnungstour durch die Ortsteile in Nord-/Kirchborchen und Alfen und vom FWB-Mitglied Herbert Galle auf die weiterhin starke Lärmbelästigung durch den Verkehr auf der A 33 angesprochen. Auch schriftliche Forderungen nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung zur Lärmreduzierung liegen ihm zwischenzeitlich vor. „Die Menschen sind vom Lärm weiterhin genervt“, sagt Gockel.

Viermal mehr Fahrzeuge als geplant

Die FWB unterstützt die Bürgerinitiative und half im Jahr 2013 mit zwei Bürgerbriefen und Ständen, Anträge auf nachträglichen Lärmschutz zu sammeln. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hatte 2012 festgestellt, dass bis zu 30 Jahre nachträglicher Lärmschutz gefordert werden kann, wenn bei den Planungen von zu geringen Verkehrszahlen und Geräusch-Emissionen ausgegangen wurde. Ursprünglich war die A 33 für 11.000 Autos ausgelegt worden. Schon nach Fertigstellung waren es 19.000, heute ist von durchschnittlich 40.000 Fahrzeugen täglich auszugehen.

Aktuell wurden die Lärmschutzwände bereits auf 6,50 Meter statt wie zuvor 3,40 Meter erhöht und die Brückenfuge so saniert, dass das Überfahren kaum noch zu hören ist. Zwar habe der Lärmschutz für die in unmittelbarer Nähe wohnenden Anwohner durchaus eine Verbesserung gebracht, doch zeige sich, dass die Schallausbreitung ganz Borchen betrifft. So sind jetzt nach Darstellung der Anwohner die weiter von der Autobahn entfernt wohnenden Bürger in Kirchborchen und Alfen stärker betroffen. Auch in Nordborchen sei der Autobahnlärm weiterhin ein Störfaktor für die Bewohner. „Der Lärmschutz müsste im Bereich Hellenberg erweitert werden“, sagt FWB-Vorsitzender Thomas Pagel. Die Topografiefaktoren des Windes zeigten sich seiner Meinung nach in Borchen als zusätzlicher Verstärker des Autobahnlärmes.

„Bei Ostwind am schlimmsten“

Die heute gültige Richtlinie für den Lärmschutz an Straßen – RLS 90 – geht von einer Mittelwertberechnung aus und bildet diese Faktoren nach Auffassung der Anwohner nur unzureichend ab. Was aber auch am Wind liegen könne, meinen Herbert Galle (FWB) und Friedhelm Heiny im Gespräch mit Gockel. „Bei Ostwind ist es nahezu still. Südwestwind ist hingegen am schlimmsten.“

Herbert Galle und Friedhelm Heiny beklagen zudem das Problem des ungefilterten Ablaufs des stark verunreinigten Regenwassers der Autobahnbrücke auf die umliegenden Wiesen. „Schon vor sechs Jahren haben wir in einem Bürgerbrief auf die Situation hingewiesen“, berichtet Thomas Pagel „Das ist der Verwaltung seit Jahren bekannt“, ergänzt Herbert Galle. Bei einem Fahrzeugaufkommen bis zu 11.000 Autos pro Tag sei eine Filterung nicht zwingend erforderlich. Aber: „Bei der aktuellen Belastung durch das angestiegene Verkehrsaufkommen muss die Situation neu betrachtet werden“. Im weiteren Verlauf der A 33 werden inzwischen Regenrückhaltebecken gebaut, um das von der Fahrbahn ablaufende Regenwasser aufzufangen. So können insbesondere Öl, Schmier- und sonstige Schadstoffe abgeschieden werden. „Das muss auch für Borchen gelten“, fordern Galle und Heiny.

Das sagt ein Sprecher von Straßen NRW

„Die Planungen gingen seinerzeit von einem zu erwartenden Verkehr von 10.750 Kfz/24 Stunden aus. Wie sich relativ bald herausstellte, entsprach diese Prognose nicht dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen, das bis heute auf etwa 40.000 Kfz gestiegen ist. Aufgrund dieser Verkehrsentwicklung reichten die in der Planfeststellung angeordneten Lärmschutzwände beidseitig der A 33 nicht mehr aus, so dass einige Anlieger bei der Bezirksregierung Detmold Anträge auf Verbesserung beziehungsweise Ergänzung stellten.

Aufgrund der rechtlichen Voraussetzungen wurde den Anträgen stattgegeben und die Lärmsituation für den Raum Borchen und Alfen komplett neu analysiert und eine Erhöhung der Lärmschutzwände geplant. Die neuen Wände, die 2017/18 baulich umgesetzt wurden, sind auf eine Verkehrsstärke von 38.000 Kfz ausgelegt und stellen sicher, dass in den allermeisten Fällen die zulässigen Immissionsgrenzwerte eingehalten werden. Diese liegen derzeit für Wohngebiete bei 59 dB(A) am Tag bzw. 49 dB(A) in der Nacht.

Zusätzlich zur Erneuerung der Lärmschutzwände wurde eine lärmmindernde Fahrbahndecke eingebaut. Was den Bereich Hellenberg angeht, treten nur noch an dem dort der A 33 nächstgelegenen Wohngebäude (Abstand ca. 230 m) geringe Überschreitungen des Grenzwertes für den Nachtzeitraum auf. Weitere Lärmschutzmaßnahmen sind daher weder notwendig noch geplant.“

 

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