Betreuungsgebäude Dörenhagen: Verwaltung empfiehlt Cook-and-Chill-Küche
„Ziel einer Frischeküche nicht erreicht“

Borchen (WB). Der Rat der Gemeinde Borchen hat Bürgermeister Reiner Allerdissen in seiner Sitzung Mitte Mai dazu aufgefordert, Gespräche mit dem Förderverein der Grundschule Dörenhagen zur Realisierung einer Frische-/Mischküche im geplanten Schulerweiterungsbau aufzunehmen. Diese sind aus Sicht der Verwaltung jetzt offenbar gescheitert, wie aus der Vorlage für die Bauausschusssitzung am Dienstag, 11. August (18 Uhr, Gemeindehalle Kirchborchen), hervorgeht.

Donnerstag, 06.08.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 08:07 Uhr
Bei der nächsten Bauausschusssitzung geht es auch um das Projekt „Frische-/Mischküche“ für die Grundschule Dörenhagen. Foto: Sonja Möller

Allerdissen empfiehlt dem Ausschuss, den Architektenwettbewerb für das Schulerweiterungsgebäude mit einer Cook-and-Chill-Küche (Kochen und Herunterkühlen) zu starten, da das Ziel der Errichtung einer Frische-/Mischküche im geplanten Neubau nicht erreicht worden sei.

Viele Fragen

Bis jetzt hat es zwei Gesprächsrunden mit dem Mensaverein Junges Gemüse gegeben, der die Frische/Mischküche betreiben will. Die Protokolle beider Gesprächsrunden sind ins Ratsinformationssystem öffentlich eingestellt. Allerdissen teilt mit, dass in der ersten Sitzung viele Fragen aufgeworfen worden seien, die der Mensaverein nicht beantworten konnte, dies aber für die zweite Sitzung zugesichert habe. „Eine klare Positionierung seitens des Vereins fand in dieser ersten Sitzung lediglich dahingehend statt, dass auf mehrfache Nachfrage immer wieder durch den Vereinsvorsitzenden bestätigt wurde, dass die Küche die uneingeschränkte Funktionalität einer Frischeküche erfüllen muss“, heißt es in der Ausschussvorlage.

Was bedeutet der Begriff Frischeküche? Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gibt dazu auf ihrer Internetseite folgende Erläuterung: „Bei der Frischküche werden die Speisen vor Ort in Kita oder Schule gegart und unmittelbar nach dem Garen ausgegeben.“ Der Begriff impliziere oft einen hohen Anteil an Rohwaren. Mittlerweile sei die klassische Frischküche jedoch selten und komme eher in selbstkochenden Kitas als in Schulen vor. Vermehrt kämen vorverarbeitete Komponenten wie geputzter und geschnittener Salat, geschälte Kartoffeln, tiefgekühltes Fleisch oder Fisch zum Einsatz, heißt es bei der Verbraucherzentrale: „Deshalb ist eigentlich nur noch von Mischküche die Rede.“

250 Essen am Tag

Einige Stunden vor dem zweiten Treffen zwischen Mensaverein und Verwaltung habe der Verein ein Papier übermittelt, dass Angaben zu Planungen der Betriebsabläufe und Preisgestaltungen enthalte, teilt der Bürgermeister mit: „Dieses Papier erweist sich von Inhalt und Struktur als sehr erklärungsbedürftig und der Vorsitzende des Mensavereins räumte zudem ein, das Schreiben sei als ‚Brainstorming‘ zu betrachten“, schildert Allerdissen in der Ausschussvorlage den Ablauf. Besagtes Papier ist ebenfalls ins Ratsinformationssystem eingestellt.

In dem Papier skizziert der Mensaverein Planungsgrößen für die Kalkulation und gibt eine erste Kostenaufschlüsselung. „Die Kapazitätsgrenze unserer geplanten Küche liegt nach unseren Schätzungen bei zirka 250 Essen am Tag, im Kindergarten beziehungsweise Schulbereich“, heißt es dort. Der Verein plane, ausschließlich Lieferanten aus der Gemeinde zu nutzen. Der Frischegrad werde saisonalen Schwankungen unterworfen sein. „Den Kindern zu vermitteln, welches Produkt in welche Jahreszeit passt, gehört für uns dazu“, heißt es in dem Papier.

Die angedachten 95 Quadratmeter für die Frische/Mischküche seien großzügig bemessen. Küchenberater seien in der Regel der Überzeugung, dass eine gut geplante Küche nicht auf Größe sondern auf Aufteilung und Grundriss beruhe, steht in der Übersicht des Vereins geschrieben.

Kein ausgearbeitetes Konzept

In der Verwaltungsvorlage für die Bauausschusssitzung am Dienstag teilt Bürgermeister Reiner Allerdissen mit, dass sich der Vorsitzende des Mensavereins geweigert habe, über das „Brainstorming“ hinaus die Preiskalkulation der Essen sowie die Betriebsabläufe zur Konzeptionierung der Küche zu erörtern: „Er stellte sich auf den Standpunkt, dass dies sonst durch ihn als eine Art Betriebsprüfung durch die Gemeindeverwaltung empfunden würde, was ihr nicht zustehe, und er darüber hinaus nicht bereit sei, weitere Zahlen in den Raum zu werfen. Er müsse zum aktuellen Stand kein ausgearbeitetes Konzept mit validierten Zahlen zum Betreiben der Mensa vorlegen.“

Die Auffassung, zu Fragen der Verwaltung keine Stellung nehmen zu müssen, wurde akzeptiert, da es sich bei dem Verein nicht um eine Stelle der Gemeindeverwaltung handele. Der Bürgermeister kommt zu dem Schluss, dass das Ziel der Einrichtung einer Frische-/Mischküche im Neubau der Betreuung nicht erreicht worden sei und schlägt vor, den Architektenwettbewerb unter Zugrundelegung einer Cook-and-Chill-Küche zu beschließen. Hierbei werden die Speisen von einem Caterer gekocht und sofort heruntergekühlt, um dann vor Ort punktgenau aufgewärmt zu werden.

Auf Anfrage wollte sich der Mensaverein zur Verwaltungsvorlage nicht äußern: „Im Moment geben wir keine Erklärung ab. Wir warten die Bauausschusssitzung ab. Dort stellen wir unsere Pläne vor und beantworten Fragen“, sagt der Vorsitzende Frank Stöter.

Fraktionen wollen Zwischenstand wissen

Der Bauausschuss der Gemeinde Borchen befasst sich am Dienstag, 11. August, in der Gemeindehalle Kirchborchen noch bei einem weiteren Tagesordnungspunkt mit dem Betreuungsgebäude der Grundschule Dörenhagen. Die Fraktionen Grüne, CDU und Die Freien haben beantragt, einen Zwischenstand von der Verwaltung oder dem Planungsbüro sowie vom Förderverein der Grundschule oder vom Mensaverein zu erhalten. „Wir gehen davon aus, dass in der zurückliegenden Zeit die Einarbeitung von dem im Beschluss vorgesehenen Küchenkonzept fortgeschritten ist“, heißt es im Antrag. Auch der Mensaverein solle eingeladen werden, „um seine Gedanken und aktuellen Planungen zur Küche im neuen Gebäude vorzustellen.“

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