Manufaktur in Schloß Hamborn lehnt Massenproduktion ab
Hier ist alles Bio

Schloß Hamborn (WB). Die Zustände in der industriellen Fleischproduktion ziehen aktuell weite Kreise und haben neuerlich eine Debatte um die Tierhaltung und Arbeitsbedingungen ausgelöst. Die Bio-Manufaktur Schloß Hamborn hat bewusst einen anderen Weg eingeschlagen. Dort hat das Tierwohl einen hohen Stellenwert.

Donnerstag, 02.07.2020, 09:09 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 09:12 Uhr
Für Fleischereimeister Ralf Rosenkranz sind das Tierwohl und hochqualitative Bio-Produkte – hier ein Schinken – zwei Seiten der gleichen Medaille. Foto: Schloß Hamborn

Der Pro-Kopf-Fleischverzehr für im Jahr 2018 lag bei gut 80 Kilogramm. Davon war die Hälfte Schweinefleisch, ein weiterer großer Anteil Geflügel, gefolgt von Rind- und Kalbfleisch und einem kleinen Anteil Schaf- und Ziegenfleisch. Demzufolge wird Fleisch hierzulande gegessen wie Brot, denn jeder Bundesbürger verzehrt laut Rheinischem Landwirtschafts-Verband auch rund 85 kg Backwaren im Jahr. Die Deutschen sind damit die Spitzenreiter in der Europäischen Union.

Biologisch-dynamische Landwirtschaft

„Nicht zuletzt spielt auch die Vorbelastung des Billigfleisches mit Antibiotika eine wesentliche Rolle für die Volksgesundheit. Durch den immensen Massenfleischkonsum übertragen sich die in der Massentierhaltung eingesetzten Antibiotika auf uns Menschen und der Körper wird resistent gegen diese Wirkstoffe“, sagt Fleischereimeister Ralf Rosenkranz, der in der Bio-Manufaktur Schloß Hamborn als Demeter-Betrieb vormacht, wie es anders geht: „Unser Fleisch und unsere Wurst sind nur so gut, wie es unseren Tieren gut geht. Das ist das Motto unserer Fleischerei.“ Die Viehhaltung gehöre untrennbar zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft vom Hofgut Schloß Hamborn. „Bei uns gibt es keine abgeschlossenen Ställe als Hochsicherheitsbereich und keine präventive Verabreichung von Antibiotika. Die Tiere können sich bei uns artgerecht und wesensgemäß verhalten. Das Tier ist hier Mitgeschöpf. Unsere Milchviehherde der standortangepassten Rasse Schwarzbunte umfasst gut 50 Tiere. Die Kühe stehen im Sommer auf der Weide und den Winter über im offenen Stall auf Festmist“, erklärt Rosenkranz.

Fleischstruktur fester als üblich

In der Fleischerei Schloss Hamborn wird die Handwerkskunst gepflegt. Die Bio-Produkte sind daher naturbelassen. „Unsere Tiere werden vom biozertifizierten Fleischereibetrieb Scharfenbaum geschlachtet. Unser Partner sieht sich dabei ethischen Grundsätzen und dem bewussten Konsum verpflichtet. Das Fleisch wird ausschließlich durch uns frisch weiterverarbeitet“, betont der Fleischereimeister. Da die Tiere Bewegung hätten und nur natürliches Futter erhielten, sei die Fleischstruktur fester als üblich. Dabei werde zum Beispiel die Brühwurst nach dem traditionellen Warmfleischverfahren hergestellt. Rosenkranz: „Hierdurch bleiben die fleischeigenen Phosphate erhalten und binden die Wurstmasse ohne Zusatz von künstlichen Phosphaten oder anderen Zusatzstoffen. Es wird kein Nitritpökelsalz eingesetzt, welches die Rosigkeit der konventionellen Wurstwaren künstlich betont.“ Der hohe Aufwand schlägt sich natürlich auch in den Preisen nieder. So kostet zum Beispiel das Kilogramm Rinderrouladenfleisch 29,99 Euro und das Kilogramm Rumpsteak 39,99 Euro.

Sozial-orientierter Inklusionsbetrieb

Die Bio-Manufaktur von Schloß Hamborn ist zudem ein sozial-orientierter Inklusionsbetrieb. 25 Mitarbeiter, also fast die Hälfte der Mitarbeiter, sind Menschen mit Schwerbehinderung. „Bei uns finden sie wieder eine eigenständige Arbeit mit Sinn und einer beruflichen Perspektive. Die Arbeit bietet darüber hinaus Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Begegnung mit unseren Kunden“, erläutert Ralf Rosenkranz. Dieser Ansatz ist Stiftungen eine Förderung wert gewesen: Aktion Mensch, die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterstützen das Projekt.

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