Kirchborchenerin Theresa Rhode engagiert sich in Schulprojekt und Township in Namibia
„Die Menschen sind verzweifelt“

Borchen  (WB). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind überall auf der Welt zu spüren und treffen die ärmsten Länder hart. Die Kirchborchenerin Theresa Rhode blickt mit Sorge nach Namibia. Im Township der afrikanischen Küstenstadt Swakopmund unterstützt die 24-Jährige zusammen mit dem Verein „Tangeni Shilongo Namibia“ ein Schulprojekt, das täglich bis zu 100 Kindern und Jugendlichen Bildung ermöglicht. Mithilfe von Spenden konnte der Verein das Center sanieren und ausbauen. Doch durch den coronabedingten Lockdown der Regierung findet derzeit kein Unterricht statt.

Mittwoch, 10.06.2020, 09:02 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 15:30 Uhr
Theresa Rhode engagiert sich mit dem Verein „Tangeni Shilongo Namibia“ in einem Schulprojekt in der Küstenstadt Swakopmund. Das Bild zeigt sie bei einem ihrer Besuche mit den Kindern, die dort täglich Bildung erhalten.

Trotzdem setzt sich Theresa Rhode mit ihren Mitstreitern Volkan Sazli und Malina John weiterhin für die Menschen in dem dicht besiedelten Township ein. „Die Menschen, die dort leben, sind sehr arm. Sie leben in Hütten mit nur vielleicht einem Bett und einem Schrank. Und da der Hauptwirtschaftszweig Tourismus komplett eingebrochen ist, gibt es viele Gehaltskürzungen, Entlassungen und Pleiten“, schildert Theresa Rhode die Situation. Die etwa 20.000 Menschen, die in der illegalen Siedlung leben, hätten nicht die Möglichkeit, Rücklagen zu bilden. „Oft haben sie nur ein Bett und einen Schrank. Im Moment verkaufen sie auch das, um irgendwie Geld für Lebensmittel zu bekommen“, weiß Rhode.

Seit 2015 neun Mal vor Ort

Der engagierten Frau, die selbst seit 2015 neun Mal vor Ort war, und ihren Mitstreitern war klar, dass sie in der Krise helfen wollen. „Bisher konnten wir 15.000 Euro zur Corona-Krisenintervention sammeln, und haben einen Großteil bereits umgesetzt“, erzählt sie. Von dem Geld werden Lebensmittel gekauft, die in Zusammenarbeit mit Initiativen und Vertrauenspersonen vor Ort an etwa 400 Familien verteilt werden. „Seit April haben wir unter anderem 766 Kilogramm Kartoffeln, 296 Säcke Butternut-Kürbisse, 278 Kilogramm Orangen und 562 Kilogramm Karotten verteilt. Wir arbeiten seit 2017 mit dem örtlichen Supermarkt in Swakopmund zusammen und haben dort ein Konto, auf das wir regelmäßig Geld einzahlen. Normalerweise versorgen wir damit die Kinder im DRC School Project wöchentlich mit Obst und Gemüse“, erläutert Theresa Rhode. Der Supermarkt rechne nach jedem Einkauf direkt mit dem Verein ab und schicke den Kassenbeleg digital. So bleibe alles transparent.

Auch in der jetzigen Notsituation habe der Supermarkt-Betreiber seine Unterstützung zugesagt und gewähre dem Verein sogar einen fünfprozentigen Rabatt auf Einkäufe. „Die frischen Lebensmittel werden an Eltern unserer Schüler und Familien, die besonders belastet sind, verteilt“, erzählt die Borchenerin: „Meine Aufgabe ist es dabei, Lebensmittelpacks zu kalkulieren und zu koordinieren in Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern, Lehrern und Supermärkten vor Ort.“

Mittlerweile liegt unser Schwerpunkt auf Bildung.

Theresa Rhode

Alles fing 2015 mit einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Namibia an. Theresa Rhode war als Lehrerin bei dem DRC School Project eingesetzt und merkte schnell: „Hier fehlt es am Nötigsten.“ Das Gebäude und die sanitären Anlagen waren kaputt. Es fehlten Materialien für den Unterricht. Anfangs sammelte Theresa Rhode privat Spenden. Als ihre Freiwilligendienst-Vorgänger in dem Projekt in Deutschland den Verein „Tangeni Shilongo Namibia“ gründeten, um einen kleinen Jungen im Township zu begleiten, der Namensgeber des Vereins wurde, übernahm die Borchenerin die Organisation vor Ort. „Mittlerweile liegt unser Schwerpunkt auf Bildung. Mit den Spendengeldern haben wir in den vergangenen Jahren schon viel erreicht“, erzählt Theresa Rhode.

Jährlich etwa 90.000 Euro zur Verfügung

Pro Jahr stehen dem Verein an Spenden und Fördergeldern etwa 90.000 Euro zur Verfügung, erläutert sie: „Jeder Euro fließt dabei entweder in das Schulprojekt oder in eins der Stipendien, die wir Jugendlichen ermöglichen, die nach der Schule an der Universität studieren wollen und nicht die finanziellen Mittel haben“, betont sie. Bislang hat der Verein mit Spenden schon eine Bücherei in einem zwölf Meter langen Schiffscontainer eingerichtet, die Sanitäranlagen des Centers erneuert, eine Mauer um das Grundstück gezogen und einen neuen Klassenraum gebaut. Zudem bezahlt der Verein vier Gehälter von drei Lehrerinnen und einer Bürokraft. „Die Gehälter zahlen wir trotz des Lockdowns weiter“, betont Theresa Bode. Viele andere Bewohner des Townships haben nicht das Glück, weiter Geld zu bekommen, sondern seien von Gehaltskürzungen und Entlassungen betroffen. Eine existenzbedrohende Situation für die Menschen in der illegalen Wohnsiedlung.

Am 17. März wurde der Notstand ausgerufen

Mitte März gab es den ersten Corona-Fall in dem afrikanischen Land. Am 17. März wurde der Notstand ausgerufen, alle Schulen geschlossen und Großveranstaltungen verboten. Betroffen davon ist auch das Schulprojekt, bei dem sich der Verein „Tangeni Shilongo Namibia“ engagiert. In dem mit etwa 20.000 Bewohnern dicht besiedelten Township trifft die Pandemie die Menschen besonders hart, die ohnehin unter schweren Bedingungen leben und nicht auf Rücklagen zurückgreifen können, berichtet Theresa Rhode. Sie befürchtet, dass auch das Gebäude des Schulprojekts von Vandalismus betroffen ist: „Es wurde bereits in eine Vorschulklasse eingebrochen und Stifte gestohlen. Die Menschen sind verzweifelt und versuchen alles zu Geld zu machen, um Lebensmittel kaufen zu können. Wir gehen davon aus, dass wir nach der Pandemie im Center viel wieder aufbauen müssen.“ Die Borchenerin hofft, dass es Menschen gibt, die trotz der gravierenden Probleme durch die Pandemie auch weiter spenden: „Nur mit den Spenden können wir das Center wieder eröffnen und so viele wie möglich erreichen.“ Wer sich über die Arbeit des Vereins „Tangeni Shilongo Namibia“ informieren möchte, kann dies auf der Internetseite tun.

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