Nach Abschuss eines brütenden Rotmilan-Weibchens in Borchen-Dörenhagen Anzeige erstattet
Bestürzung bis in die Schweiz

Borchen-Dörenhagen (WB). Mit Entsetzen haben viele auf die Nachricht vom Tod eines brütenden Rotmilan-Weibchens in Dörenhagen reagiert, das im April in seinem Horst erschossen wurde. Bestürzt darüber zeigt sich auch Borchens Hegeringleiter Hans-Josef Ohms, der mit drei anderen Jägern das zugehörige Revier gepachtet hat.

Dienstag, 09.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 14:26 Uhr
Dieses Foto zeigt das tote Rotmilan-Weibchen, das mit einer Ladung Schrotkugeln in einem Horst bei Dörenhagen erschossen wurde. Dies hat sehr viel Empörung ausgelöst.

„Keiner von uns läuft da rum und schießt in der Schonzeit auf ein brütendes Weibchen. Das machen wir nicht!“, sagte er gegenüber dieser Zeitung. Ohms erstattete Anzeige wegen Verstoß gegen das Jagdrecht: „Der Rotmilan ist ganzjährig geschützt.“

Versehentlicher Treffer ausgeschlossen

Hans-Josef Ohms geht davon aus, dass der Schütze den Rotmilan-Horst gezielt aufgesucht hat: „Es ist ausgeschlossen, dass der brütende Rotmilan versehentlich getroffen wurde. Der Horst liegt versteckt in 20 bis 30 Metern Höhe und ist von unten nicht zu erkennen“, erläutert Ohms. Es gebe auch keinen Weg in der Nähe, von dem aus dieser zu sehen wäre.

Ein Mitarbeiter der Biologischen Station Paderborn-Senne hat den toten Vogel bei einer routinemäßigen Kontrolle gefunden. Der Mitarbeiter habe von unten mit dem Fernglas erkannt, dass ein toter Vogel im Nest läge, erläutert die Biologische Station auf Anfrage dieser Zeitung. Ein Baumkletterer habe den Rotmilan dann geborgen und das tote Tier an den Kreis übergeben.

Das zeugt von krimineller Energie.

Hans-Josef Ohms

 

Hans-Josef Ohms ist entsetzt: „Wegen der Sache an sich und darüber, dass jemand bewaffnet durch unser Revier läuft.“ Der Horst des Rotmilan-Paares sei den Pächtern seit Jahren bekannt gewesen, aber „wir gehen dort nicht hin, um die Tiere nicht zu stören. Das muss ein Fremder in unserem Revier gewesen sein. Das zeugt von krimineller Energie.“

Der Hegeringleiter habe nach Bekanntwerden viele Reaktionen bekommen: „Viele haben mit großer Bestürzung reagiert.“ Aber es habe auch Kommentare bei Facebook gegeben, die „die bösen Jäger“ verantwortlich machten: „Unsere Aufgabe ist es, Tierarten zu schützen und für einen angemessenen Wildbestand zu sorgen. Keiner von uns läuft herum und schießt auf einen brütenden Rotmilan“, stellt Ohms klar.

An Spekulationen bezüglich des Täters will er sich nicht beteiligen: „Es wäre wichtig, dass die Sache aufgeklärt wird und derjenige zur Rechenschaft gezogen wird.“ Er hat noch Hoffnung, dass sich ein neues Paar entweder in dem Horst oder in der Nachbarschaft ansiedelt: „Vielleicht kommt auch das Männchen mit einem neuen Weibchen zurück.“

Verdacht der illegalen Greifvogelverfolgung

Neben den Jagdpächtern hat wie berichtet auch der Kreis Paderborn wegen des Verdachts der illegalen Greifvogelverfolgung die Staatsanwaltschaft Paderborn eingeschaltet. Die Ermittlungen laufen nach Polizeiangaben wegen Verstößen gegen das Tierschutz- und das Bundesnaturschutzgesetz. Seit Jahren engagieren sich Kreis und Biologische Station für den Schutz der Greif­vogelart. Dies geschieht auch durch eine Dokumentation des jährlichen Bestandes und durch die Optimierung von Brut- und Nahrungsräumen.

Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen geht von einer gezielten Tat aus. Gemeinsam mit ­Dörenhagens Ortsvorsteher Heinrich Rebbe hatte er eine Erklärung abgegeben, in der beide die Vermutung äußern, die Tötung stehe in Zusammenhang mit den Plänen, an dieser Stelle Windenergieanlagen bauen zu wollen. „Der Horst liegt in einer Fläche, bei der wir erwarten müssen, dass Anträge auf Windenergieanlagen kommen“, sagt Reiner Allerdissen gegenüber dieser Zeitung.

Er habe viele Rückmeldungen auf die Stellungnahme erhalten: „Nicht nur Borchener haben sich bei mir gemeldet. Die Reaktionen kamen teils weit aus dem Münsterland und sogar aus der Schweiz.“ Teils habe er Erschütterndes erfahren.

Vorverurteilungen sind schwierig.

Hansjörg Frewer

Kritik kam indes vom Bundesverband Windenergie und von Mitgliedern unterschiedlicher Fraktionen. So forderte der CDU-Fraktionsvorsitzende Hansjörg Frewer in der Ratssitzung mehr Neutralität. Es sei der Eindruck erweckt worden, man wisse, wer der Täter sei, so Frewer: „Vorverurteilungen sind schwierig. Es gibt mehrere Möglichkeiten.“

Allerdissen antwortete noch in der Sitzung ironisch überspitzt: „Vielleicht war es auch anders. Vielleicht hat jemand zufällig ein Schrotgewehr genommen, ist zufällig in den Wald gegangen, hat zufällig den versteckt liegenden Horst entdeckt und hat zufällig geschossen. Zufällig mit einer speziellen Schrotmunition, die auch in 30 Metern Höhe noch Durchschlagskraft hat. Das sind für mich ein paar Zufälle zu viel. Und ich lasse mir meine Meinung nicht verbieten“, antwortete Allerdissen. Dies sei kein Einzelfall. Ein weiteres Beispiel sei der vergiftete Rotmilan in Schlangen .

Kommentare

mot  wrote: 09.06.2020 15:16
Solch ein Abschuss ist eine Sauerei ...
Ich bin selber Jäger und habe letzte Woche über zwei großen abgemähten Wiesen gegenüber der alten Wassermühle zu Bentrup in Bielefeld Heepen mehrere Milane, Bussarde und auch einen Storch teils in der Luft und auch auf der Wiese beobachten dürfen. Es war wunderschön anzusehen, wie die Milane die Thermik ausnutzten und höher und höher stiegen.
Ich verstehe nicht, dass nur aus Kommerz wegen diesen doofen Windrädern solch eine schützenswerte Art, die ferner laut Jagdrecht streng geschützt ist und generell den Abschuss von Greifen untersagt - bei der Aufzucht von Jungen erschossen wird.
Möge der Schütze gefunden und zur Verantwortung gezogen werden, so groß kann der Kreis der möglichen Nutznießer ja nicht sein ...
H vd Sigtenhorst  wrote: 09.06.2020 08:54
Keiner läuft da rum und schiesst
Eben doch !!
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