Johannes Lohmann gründet in Etteln solidarische Landwirtschaft für Bio-Fleisch
Auf dem Krusenhof wird geteilt

Borchen-Etteln (WB). Hühner picken auf der Wiese. Von der Rampe des offenen Stalls schauen zwei weiße Hennen interessiert, was ihre Artgenossen machen. Ein Pfau fächert seine farbenprächtigen Federn auf, während am Hang 35 Alt-Schafe grasen. „Willkommen auf dem Krusenhof“, sagt Johannes Lohmann.

Freitag, 05.06.2020, 08:26 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 09:08 Uhr
Johannes Lohmann kontrolliert die Wiese am Hang, auf der seine 35 Alt-Schafe grasen. Im Hintergrund ist der Krusenhof zu sehen, auf dem der Landwirt aus Etteln seine solidarische Landwirtschaft betreibt. Foto: Sonja Möller

Der 58-Jährige betreibt in Etteln eine solidarische Landwirtschaft (Solawi) für Bio-Geflügel und -Lammfleisch in Deutschland. Das Modell der Solawi ist beim Anbau von Obst und Gemüse weit verbreitet. Hierbei tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, arbeiten mit und im Gegenzug wird der Ernteertrag geteilt. Ähnlich läuft es auf dem Krusenhof in Etteln. Nur wird hier statt Gemüse Bio-Fleisch erzeugt.

Auf dem Biohof werden pro solidarischem Wirtschaftsjahr etwa 700 Hähnchen, 80 Gänse, 20 Perlhühner, 40 Puten und etwa 90 Schafe mit ihren Lämmern gehalten und mit Biogetreide aus der Region gefüttert, teilt Johannes Lohmann mit. Er kümmert sich um Aufzucht und Pflege der Tiere.

Ein Anteil kostet 60 Euro im Monat

Im Jahr 2018 hat der Ettelner den elterlichen Hof an der Altenau auf solidarische Landwirtschaft umgestellt. „Ich bin gelernter Landwirt und führe den Hof seit 1990 im Nebenerwerb“, erzählt Lohmann. Hauptberuflich ist er im Generalvikariat Paderborn angestellt. Sein Vater war einst Wanderschäfer. 2008 stellte Johannes Lohmann seinen Betrieb auf Bio um und hält seitdem Schafe, Gänse, Hühner und Hähne nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes für ökologischen Landbau.

Beim Besuch der Grünen Woche in Berlin 2016 wurde Johannes Lohmann erstmals aufmerksam auf das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft. Er tüftelte aus, wie das Modell für Nutztiere umgesetzt werden kann und wie hoch die Kosten wären. „Ein Anteil kostet 60 Euro im Monat. Dafür bekommen die Kunden etwa 600 Gramm Fleisch und Erzeugnisse pro Woche“, schildert er. Wer bei der Arbeit helfen will, kann dies auf freiwilliger Basis.

Nachhaltige Herstellung von Nahrungsmitteln

Einer der ersten Mitglieder der Solawi Krusenhof war Martin Henze. Der Salzkottener arbeitet als Erzieher in der Kinderstube Regenbogen. „Mein Beruf war eine Motivation, bei der Solawi mitzumachen. Wie kann ich mit Kindern arbeiten und gleichzeitig Ressourcen verschwenden? Es geht hier um die nachhaltige Herstellung von Nahrungsmitteln“, erläutert der 59-Jährige.

Viele der Kita-Eltern sähen das ähnlich, erzählt Henze: „Es ist ihnen wichtig, wie ihre Kinder ernährt werden. Mittlerweile sind wir eine Gruppe. Ich hole regelmäßig das Fleisch ab und verteile es an die Eltern, die mitmachen.“

Auch seinen Kita-Kindern möchte Henze die Landwirtschaft näher bringen: „Wir hatten den Plan, einen Brutkasten in der Kita aufzustellen und dort den Kindern die Entwicklung vom Ei zum Küken zu zeigen.“ Auch ein Besuch auf dem Krusenhof war geplant.

Wir belügen damit unsere Kinder.

Martin Henze

Beides ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen, soll aber nachgeholt werden. Henze: „In Bilderbüchern stehen Kühe und Schafe immer auf der Wiese. Wir belügen damit unsere Kinder. So sieht Landwirtschaft ja nicht aus. Eigentlich müsste man Mastställe zeigen. Deswegen müssen wir Orte schaffen, an denen Landwirtschaft erlebbar wird.“ Und ein solcher ist für ihn der Krusenhof.

Mittlerweile besteht die Ettelner Solawi aus 19 Anteilen. „Um davon leben zu können, müsste ich 73 Anteile verkaufen“, erzählt Lohmann. Für ihn geht es um die Sache: „Verbraucher bekommen noch mehr Transparenz bei der Frage, woher die landwirtschaftlichen Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt wurden. Regional und ökologisch.“

Verbraucher bekommen noch mehr Transparenz.

Johannes Lohmann

Derzeit leben 140 französische Bressehühner le Bleues auf dem Krusenhof. „Ich habe mir die Eier schicken lassen und sie hier ausgebrütet. Mit sechs Wochen sind die Hühner auf die Wiese gekommen und dürfen hier leben, bis sie mit vier Monaten geschlachtet werden“, erzählt er. Ende Juni ziehen dann 200 Bruderhähne ein. Hierbei handelt es sich um männliche Legehennen-Küken, die nur sehr langsam Fleisch ansetzen. Die Mast dauert dementsprechend länger als bei Masthähnen.

Wer Interesse an der Solawi Krusenhof hat, bekommt Informationen unter Telefon 0170/9629966, E-Mail info@krusenhof-etteln.de oder im Internet unter www.krusenhof-etteln.de.

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