Hofgut Schloss Hamborn setzt sich für Aufzucht von Bruderhähnen ein
Alternative zur Kükentötung

Borchen/Schloss Hamborn (WB). Traditionell wurden früher die Hennen für die Eiproduktion gehalten und die männlichen Tiere für das Hähnchenfleisch. Erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat man die Züchtung umgestellt, so dass die Hühnerrassen seitdem nach Hochleistungs-Legehennen beziehungsweise Masthühnern unterschieden werden. Dabei legen die männlichen Küken der Legehennenrassen keine Eier, setzen nur sehr langsam Fleisch an und gelten deshalb für die Mast als unwirtschaftlich, so dass diese schon nach dem Schlüpfen getötet werden.

Dienstag, 12.05.2020, 09:00 Uhr
Die Aufzucht der Bruderhähne wird von Schloss Hamborn über den Eierpreis quersubventioniert. Foto: Jan P. Havelberg/Schloss Hamborn

In der Konsequenz folgt daraus, dass in Deutschland jedes Jahr rund 45 Millionen männliche Küken lebend vergast oder geschreddert werden. Es sind somit schlicht die hohen Mastkosten, die den Bruderhähnen zum Verhängnis werden. Bis das männliche Tier schlachtreif ist, dauert es sehr viel länger als bei Hühnern. Bis dahin braucht der Hahn doppelt so viel Futter und setzt trotzdem deutlich weniger Fleisch an als spezialisierte Masthähnchenrassen.

Schon seit Anfang 2015 sollte in Nordrhein-Westfalen Schluss sein mit der massenhaften „Entsorgung“ männlicher Küken. Doch dieser Erlass des Umweltministeriums wurde gekippt. Daraufhin hat am 13. Juni 2019 das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vorläufig entschieden, dass männliche Küken noch so lange nach dem Schlüpfen „entsorgt“ werden dürfen, bis die Geschlechtsbestimmung im Ei serienreif ist.

Strenge Demeter-Regeln

Die Bio-Manufaktur des Hofguts Schloss Hamborn geht hier als ökologisch wirtschaftender Demeter-Betrieb andere Wege: Das Schreddern von Küken werde aus Gründen des Tierschutzes grundsätzlich abgelehnt, heißt es in einer Mitteilung. Auch die Geschlechtsbestimmung im Ei mit dem Aussortieren der männlichen Embryonen sei bei Demeter nicht zugelassen. Im Rahmen eines Kooperationsvertrages bezieht das Hofgut Hähnchenfleisch als „Bruderhahnfleisch“ vom Demeter-Geflügelhof Südbrock aus Rheda-Wiedenbrück. Dort werden die „Brüder“ der Hamborner Legehennen nach den strengen Regeln des Demeter-Verbandes aufgezogen und das Markenfleisch unter dem Label „Mein Bruderhahn“ vermarktet.

Die Bio-Manufaktur des Hofguts Schloss Hamborn bezieht von dort frisches Hähnchenfleisch und verarbeitet dies zu verschiedenen Frischfleischprodukten wie Brustfilets, Hähnchenschenkel, Brathähnchen, Drumsticks oder Chicken Wings sowie zu Convenienceprodukten wie Hühnersuppe und Frikassee.

Reges Interesse der Kunden

Das Leitungsteam des Hofladens „Natura“ von Schloss Hamborn, Felizitas Henkenötter und Markus Kock, freut sich über das rege Interesse der Kundschaft an der aktuell initiierten „Bruderhahn-Initiative“. Man komme ins Gespräch und so könnten weitergehende Nachfragen beantwortet werden. Viele Kunden interessieren sich beispielsweise dafür, wie Bruderhähne gehalten werden und wann geschlachtet wird. „Bruderhähne werden bis zur Mastreife artgerecht nach den strengen Demeter-Kriterien aufgezogen und geschlachtet“, erklärt Enno Eilers, Demeter-Landwirt und Leiter des Hofguts.

Hähnereier sind drei Cent teurer

Kulinarisch ist Markus Kock mittlerweile ein bekennender Fan der eigenen Bruderhahnfleisch-Produkte. Die Konsistenz des Fleisches sei etwas fester, habe etwas mehr Biss. Für beste Zubereitungsergebnisse empfiehlt Kock deshalb bei Frischfleischprodukten die Garzeit um 30 Minuten zu verlängern. Bruderhahnfleisch sei darüber hinaus deutlich aromatischer als das gewohnte Hühnchenfleisch. Damit die „Bruderhahn-Initiative“ sich wirtschaftlich trägt, hat die Bio-Manufaktur des Hofguts Schloss Hamborn nach eigenen Angaben den Eierpreis um drei Cent je Ei erhöht. So werden die Kosten für die Aufzucht der Bruderhähne quersubventioniert und das Fleisch der Hähne bezahlbar gemacht. Die kleinen Eier kosten daher 53 Cent, die mittleren 58 Cent und die großen 63 Cent. Das Verständnis und die gute Akzeptanz bei der Kundschaft für diese Preisanpassung sei sicher auch ein ermutigendes Beispiel für den anhaltenden Trend, dass zunehmend mehr Menschen bereit seien, biodynamische, tierwohlorientierte und insgesamt mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit produzierte Lebensmittel bei regionalen (Bio-) Erzeugern zu kaufen und damit bewusster zu konsumieren, meint das Hofgut-Team Schloss Hamborn.

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