Firma Giesguth in Borchen stellt jetzt medizinische Rollschränke her
Unverhoffter Auftrag

Borchen (WB). „Normalerweise machen wir was ganz anderes“, sagt Dirk Giesguth. Das Coronavirus fügt seinem Unternehmen in Borchen wirtschaftlichen Schaden zu, hat ihm aber gleichzeitig einen unerwarteten Auftrag beschert. Seit Wochen schon produzieren die Mitarbeiter medizinische Rollschränke für Kliniken und Corona-Behelfskrankenhäuser wie das auf dem Messegelände in Hannover.

Donnerstag, 30.04.2020, 08:10 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 08:12 Uhr
Dirk Giesguth präsentiert einen der medizinischen Rollschränke, die in Corona-Reservekrankenhäusern wie in Hannover und Berlin eingesetzt werden. Sie können schnell produziert und für mögliche weitere Pandemien eingelagert werden. Foto: Jörn Hannemann

Vor der Pandemie stellte die Firma Giesguth Komponenten für Lattenroste sowie individuelle Massivholzmöbel wie Betten, Tische und Kleiderschränke und außerdem Insektenhotels her. Die Schließung der Möbelmärkte und Behindertenwerkstätten, in denen die Komponenten der Lattenroste verschraubt werden, traf das mittelständische Unternehmen hart. Dirk Giesguth spricht von „extremen Einbrüchen“ beim Umsatz, so dass ihm nichts anderes übrig geblieben sei, als 50 der 75 Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Dass es nicht alle traf, verdanken sie Telefongesprächen am 13. März. Dirk Giesguth erfuhr von einem Lieferanten von Medizinschränken aus dem Sauerland, dass für diese Produkte eine hohe Nachfrage bestehe. Und dann überschlug sich alles. Dirk Giesguth erzählt: „Um 9 Uhr haben wir telefoniert, um 11 Uhr hatten wir den Zuschlag, am Nachmittag haben wir schon zu produzieren begonnen.“

Die Mitarbeiter haben wunderbar mitgezogen.

Dirk Giesguth

Der Betrieb wurde von zwei auf drei Schichten umgestellt, 25 Mitarbeiter fertigen seitdem rund um die Uhr die medizinischen Rollschränke. Mehrere tausend sind bereits zusammengekommen. „Die Mitarbeiter haben wunderbar mitgezogen“, lobt ihr Chef. Die Schränke bestehen aus Spanplatten, sind 80 mal 80 Zentimeter groß und 1,80 Meter hoch. Sie enthalten einen Kanal, durch den die Schläuche für Beatmungsgeräte und die Versorgung mit Sauerstoff verlaufen. Die Firma Giesguth stellt auch die Lagerboxen her, in die zehn Schränke hineinpassen. Geliefert wurden sie zuerst nach Spanien und Italien, in Länder also, die das Coronavirus mit voller Wucht traf. Inzwischen finden sie aber auch in Deutschland Verwendung – so wie die 500 Schränke in 50 Boxen für die Behelfsklinik in Hannover, die für Menschen gedacht ist, die nicht mehr zu Hause betreut werden können, aber nicht auf eine Intensivstation müssen. Auch für das aus dem Boden gestampfte Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße auf dem Messegelände in Berlin hat Giesguth Schränke montiert. Das Reservekrankenhaus soll im Mai fertig sein.

Mal fehlten Schrauben, mal Scharniere, mal Rollen.

Dirk Giesguth

 

„Das größte Problem in den ersten Tagen war, dass wir den Schrank fünf Mal den Gegebenheiten neu anpassen mussten“, berichtet Dirk Giesguh: „Mal fehlten Schrauben, mal Scharniere, mal Rollen.“ Der chinesische und der italienische Markt dafür seien durch das Coronavirus lahmgelegt worden. Bei Spanplatten stellte sich diese Herausforderung nicht, von ihnen gibt und gab es in OWL, einem Schwerpunkt der Möbelindustrie, genug. „Das wird für uns jetzt kein Dauerprodukt, es ist eine Schadensbegrenzung, denn die Umsatzeinbrüche sind viel höher“, ordnet der 48-jährige Chef den unerwartet gekommenen Auftrag ein.

Die medizinischen Rollschränke gingen so schnell nicht kaputt und könnten für eine mögliche weitere Pandemie eingelagert werden, blickt er schon voraus, hofft aber inständig, dass nach Corona erst einmal lange nichts kommt.

Auf den 10.000 Qua­dratmetern Produktions- und Lagerfläche lässt sich der Sicherheitsabstand unter den Mitarbeitern besser einhalten als in einem Büro. Um daran zu erinnern, hat Giesguth Hinweisschilder aufstellen lassen, zudem findet die persönliche Schichtübergabe nicht mehr statt. Stattdessen kommt die nächste Schicht 30 Minuten später. Dirk Giesguth hat eine zwölfjährige Tochter, einen 16-jährigen Sohn und einen kranken Vater. Die von der Politik angeordneten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen trägt er voll mit: „Nur die Trennung von Menschen hilft.“ Dass die Schützenfeste ausfallen, findet Giesguth, der dem Vorstand des Schützenvereins Gesseln angehört, bedauerlich, aber konsequent. „Wer meint, jetzt Party machen zu müssen und sich im Arm zu liegen, der hat es nicht verstanden“, sagt er an die Adresse vor allem junger Leute.

Überlebt sein seit 1986 bestehendes Unternehmen, das in Bentfeld begann und seit 2004 in Borchen angesiedelt ist, die Folgen des Coronavirus? „Wir kommen durch die Krise“, gibt sich Dirk Giesguth optimistisch und verweist auf das Eigenkapital und die Beobachtung, dass die Kontakte zu Kunden wieder zunehmen.

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