Kirchenvorstände in Bad Wünnenberg entdecken wertvolle alte Unterlagen
Schatz im staubigen Schrank

Bad Wünnenberg-Fürstenberg (WB/bw). Im Pfarrhaus der katholischen Gemeinde St. Marien Fürstenberg sind seltene und wertvolle alte Dokumente gefunden worden. Jetzt liegen sie in aufbereiteter Form vor.

Montag, 05.10.2020, 03:00 Uhr
Die Kirchenvorstände Michael Mendelin und Antonius Monkos sowie Michael Streit von Archiv des Erzbistums und Geschichtsforscher Bernd Nolte sind stolz auf das neu herausgegebene alte Findbuch der Kirchengemeinde St. Marien Fürstenberg. Foto: Brigitta Wieskotten

Eine Aufräumaktion im Pfarrhaus vom Keller bis zum Dachboden, eine staubige, verschlossene Anrichte, ein beherzter Ruck am Schloss – und plötzlich hielten Michael Mendelin und Antonius Monkos vom Kirchenvorstand St. Marien in Fürstenberg einen Stapel alter Papiere in Händen, der sich als wahrer Schatz zum Teil aus dem 17. Jahrhundert entpuppte. Zwei Jahre und 12.000 Euro später können sich nun alle Interessierten an dem Neudruck eines alten „Findbuchs“ mit wertvollen Aufzeichnungen aus der Fürstenberger Kirchengeschichte erfreuen.

Als Vorsitzender Michael Mendelin und sein Kirchenvorstandskollege Antonius Monkos das Pfarrhaus in der Ortsmitte auf- und ausräumten, um Raum für ein neues Büro zu schaffen, rechneten sie im Traum nicht damit, einen wertvollen Fund zu machen. „Aufbrechen oder nicht?“, war die Frage, die sich ihnen stellte, als sie auf dem Dachboden ein sorgsam verschlossenes, unscheinbares kleines Schränkchen entdeckten. Beide waren vom Entdeckerdrang erfüllt und entschieden sich dafür. Glücklicherweise. Es dauerte einen Moment, bis den beiden Kirchenvorständen klar wurde, dass es sich bei ihrem Fund auf keinen Fall um gewöhnliches gebündeltes Altpapier handelte.

Vor ihnen lagen 130 sehr wertvolle Verzeichnisse der Kirchengeschichte von St. Marien Fürstenberg, lose Zeiten, aber auch Akten, teilweise in Stoff eingenäht – jede Menge Daten aus dem Fürstenberger Gemeindeleben, fein säuberlich in zwölf Kartons verpackt.

„Da mussten wir erstmal Luft holen und unsere Gedanken sortieren“, erzählt Antonius Monkos. Das Duo sichtete weiter und fand als Höhepunkt ein Urkundenbuch aus der Zeit um 1660, das die Mönche des Klosters Böddeken verfasst hatten.

Im Kirchenvorstand wurde beraten, was nun zu tun sei. Schließlich zogen die Verantwortlichen Michael Streit hinzu. Er ist Fachkundiger in der Archiv-Sichtung und -Pflege des erzbischöflichen Generalvikariats. Er schaute sich den Fund an und riet dazu, die Unterlagen einer Spezialfirma zur Sichtung vorzulegen.

„Das kann ich mit Sicherheit und Stolz sage: So einen interessanten Fund oder Vergleichbares haben nur sehr wenige Gemeinden. Hier handelt es sich um eine kleine Sensation“, betont Michael Streit, der als Fachmann immerhin für 800 Kirchengemeinden zuständig ist. Interessant seien auch die Aufzeichnungen des Dekanats Lichtenau.

Die Wahl fiel nach Empfehlung Streits auf das Unternehmen History today – Büro für Geschichtsforschung mit Sitz in Köln. Michael Mendelin und Antonius Monkos packten ihren wertvollen Fund also ins Auto und gaben die historischen Unterlagen in Köln zur weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung ab.

Das Ergebnis halten sie jetzt in den Händen: ein neu aufgearbeitetes und gebundenes „Findbuch“, in dem alle Geschehnisse der Gemeinde verzeichnet sind. Die Originale von historischem Wert werden künftig im Pfarrbüro Fürstenberg im Tresor gesichert.

St. Marien Fürstenberg, berichten Monkos und Mendelin, sei eine der ersten Gemeinden, die in Zusammenarbeit mit den Generalvikariat diesen finanziellen Schritt gegangen sei. An den Kosten in Höhe von 12.000 Euro beteiligte sich auch das Generalvikariat.

Außenstehende, darunter Geschichtsstudenten, haben bereits Interesse gezeigt. Das neue Findbuch erlaube es, das Hintergrundwissen zu erweitern und Personal- und Familiengeschichten zu erfahren, freut sich auch der Fürstenberger Geschichtskundler und Heimatforscher Bernd Nolte.

Und für Antonius Monkos gab es einen kleinen, nicht-materiellen Finderlohn: Er konnte in Erfahrung bringen, dass ein Ortsvorsteher Drüppel ein Vorfahre seiner Familie ist.

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