Discher entwickelt in Bad Wünnenberg Maschinen zur Herstellung von Schutzmasken
Mut zum Neuen zahlt sich aus

Bad Wünnenberg-Haaren (WB). Erst einige Wochen ist es her, da waren Mund-Nase-Schutzmasken Mangelware und wurden zu Mondpreisen verkauft. Etwa zur gleichen Zeit legte das Coronavirus die Arbeit beim Unternehmen Discher Automatisierungstechnik in Bad Wünnenberg-Haaren über Nacht komplett lahm. Die Krise traf das Unternehmen mit 70 Mitarbeitern im März mit voller Wucht. Bestellte Maschinen, die Discher für namhafte Unternehmen, darunter Miele und VW, individuell entwickelt und anfertigt, wurden nicht gebraucht, Verhandlungen für neue Aufträge auf Eis gelegt.

Freitag, 10.07.2020, 09:32 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 09:34 Uhr
Die Produktion von Maschinen für Mund-Nase-Schutzmasken hat dem Unternehmen Discher Automatisierungstechnik in Haaren geholfen, die Corona-Krise zu meistern. Technischer Leiter Martin Dören und sein Team mussten Neuland betreten. Foto: Oliver Schwabe

Ein Gespräch mit einer Apothekerin, die dringend Alltagsmasken aufzutreiben versuchte, brachte Firmenchef Reinhard Discher auf die entscheidende Idee. Er und Geschäftsführer Dr. Jürgen Kürlemann mussten entscheiden: Schicken wir unsere Leute in Kurzarbeit – oder versuchen wir, Maschinen zur Maskenproduktion zu entwickeln? „Mit Metall können wir hier umgehen – das Vlies für die Masken war für uns neu“, berichtet Discher. Trotzdem stand nach einigem Überlegen fest: „Jetzt machen wir das einfach!“

Was darauf folgte, ist auf dem besten Wege, eine Erfolgsgeschichte zu werden – und dürfte nach Einschätzung Dischers dafür sorgen, dass es in diesem Jahr trotz Corona gelingt, an den Umsatz von rund 14,5 Millionen Euro von 2019 anzuknüpfen. Wie man bei Discher die Not zu einer Tugend gemacht hat, schauten sich am Donnerstag gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Rüther CDU-Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann und CDU-Landtagsabgeordneter Bernhard Hoppe-Biermeyer vor Ort an.

Geschäftsführer Dr. Jürgen Kürlemann (links) sowie Reinhard und Nicole Discher (2. und 3. von rechts) stellen Carsten Linnemann, Bernhard Hoppe-Biermeyer und Bürgermeister Christoph Rüther (von links) die Maskenproduktion vor.

Geschäftsführer Dr. Jürgen Kürlemann (links) sowie Reinhard und Nicole Discher (2. und 3. von rechts) stellen Carsten Linnemann, Bernhard Hoppe-Biermeyer und Bürgermeister Christoph Rüther (von links) die Maskenproduktion vor. Foto: Oliver Schwabe

Zunächst versuchte das Unternehmen, auf chinesisches Know-how in der Maskenproduktion zurückzugreifen. Doch die heimischen Ingenieure waren mit der Qualität nicht zufrieden. Zudem sollte ihre Maschine – anders als die chinesischen – mit wenig Personalaufwand auskommen, um in Europa wettbewerbsfähig zu sein.

Also musste sie von Grund auf neu entwickelt werden, und zwar schnell. „Das war ein Kraftakt“, schaut Reinhard Discher zurück. Er ist stolz auf sein Team, das in der Ausnahmesituation zusammenhielt. Alle zogen sofort mit, als es statt Kurzarbeit hieß: jede Menge Überstunden – auch an Wochenenden und Feiertagen. Innerhalb von dreieinhalb Wochen stand die erste Konstruktion.

Die ist mittlerweile weiterentwickelt worden und so gefragt, dass Discher kaum so schnell fertigen kann, wie sie sich verkauft. Rund 130 Anfragen gebe es mittlerweile aus ganz Deutschland, um Interessenten aus dem Ausland habe man sich noch gar nicht kümmern können, berichtet der Unternehmer. Sein Ziel ist es, eine Anlage innerhalb von 14 Tagen lieferfertig zu haben: „Da müssen wir hinkommen.“

Bei Discher ist man optimistisch, dass es sich um ein langfristiges Geschäft handelt, auch wenn die Bedrohung durch Corona zurückgehe und eines Tages die Maskenpflicht aufgehoben werde. Denn schließlich sei es ja eine Lehre aus der Krise, dass Deutschland im Pandemiefall in Sachen Schutzausrüstung nicht auf knappe und überteuerte Lieferungen aus dem Ausland angewiesen, sondern autark sein sollte.

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