Historische Leitungen und Kümpe in Fürstenberg – Förderverein plant nächstes Projekt
Als Wasser den Berg hinauf floss

Fürstenberg (WB). Der Förderkreis für Kultur, Geschichte und Natur in Fürstenberg im Sintfeld macht seit seiner Gründung 1981 mit außer­gewöhnlichen ehrenamtlichen Projekten, Ausstellungen und weiteren Aktivitäten auf sich aufmerksam. Immer wieder haben die Mitglieder auf vielfältigste Weise die Geschichte Fürstenbergs ins Bewusstsein geholt und erlebbar gemacht, etwa durch die Restaurierung des Patrimonialgerichts der Edelherren von Westphalen von 1736.

Dienstag, 09.06.2020, 22:23 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 22:30 Uhr
Die Vorstandsmitglieder des Fürstenberger Förderkreises für Kultur, Geschichte und Natur im Sintfeld richten zurzeit den Fokus ihrer ehrenamtlichen Arbeit auf die Thematik „Historische Wasserleitungen – Trinkwasser für Fürstenberg von 1591-1895“ (von links): Marita Schäfers, Hermann-Josef Weitekamp, Bernhard Nolte, Andreas Wittgen, Antonius Monkos und Clemens Henkel, mit einer Auswahl der historischen Wasserleitungen vor dem Patrimonialgericht. Auf dem Foto fehlt Maria Nübel. Foto: Wieskotten

Mit dem neuen Projekt „Historische Wasserleitungen – Trinkwasser für Fürstenberg von 1591 bis 1895” haben jetzt einige Mitglieder des Förderkreises um den Vorsitzenden Andreas Wittgen die alten Fürstenberger Wasserleitungen unter die Lupe genommen. Thema: „Wasser, Grundstoff des Lebens für Mensch, Tier und Natur.“ Die historische Wasserleitung Fürstenberg hat das Dorf und die Burg Fürstenberg über 300 Jahre hinweg mit frischem Quellwasser für Mensch und Tier von der „Kuhweide” (heute das Gebiet über dem Wohnpark Fürstenberg) versorgt.

Vor der Brunnenstube (Höhe 362 Meter) leiteten Rohre das Wasser auf den gegenüberliegenden Antenberg in einen Behälter. Von diesem Bassin floss es durch Rohre und offene Tonschalen zu einem zweiten Bassin. Von dort aus wurde es durch den Bergheimer Grund über den Klimberg (Höhe 355 Meter) zum Dorf geleitet. In einem Schlammschacht setzte das Wasser groben Schmutz ab, ehe es in die vier Kümpe floss. Dort wurde das Wasser in den öffentlichen Entnahmestellen, den Kümpen gesammelt.

Es gab in Fürstenberg vier öffentliche Kümpe, also runde Holz- oder Sandsteinbehälter. Ein Kump maß drei bis vier Meter im Durchmesser. Es gab den Klimberg-Kump, Schlüters Kump, den Kump am Stillen Haus und den Gerichtskump. Der Weg des Wassers von der Quelle bis zum Gerichtskump betrug 2,6 Kilometer.

Technisches Denkmal der Ingenieurskunst

Zum Wasserschöpfen wurde ein sogenannter Tragbaum benutzt, an den der Wassereimer gehängt wurde. Die Entnahme des Wassers für die Fürstenberger Familien war streng geregelt, auch im Hinblick auf die verschiedenen Jahreszeiten und die damit verbundene Wasserknappheit besonders im Sommer in den oberen Bereichen Fürstenbergs. Die durch das Tal fließende Karpke spielte hier eine untergeordnete Rolle, da am Wasserplatz Gerber und Färber beruflich das Karpkewasser nutzten und auch die Flachsverarbeitung (Rötegruben) das Flusswasser stark verunreinigten.

1820 wurde die Wasserleitung erneuert, angebracht wurden unter anderem eiserne Röhren, was in der Dorfchronik nachzulesen ist. In dem Aufsatz „Die frühzeitliche Wasserleitung des Dorfes Fürstenberg – Eine Rekonstruktion der dunklen Jahre 1591-1820” belegt Professor Michael Ströhmer anhand wissenschaftlicher Untersuchungen die einzigartige Bedeutung dieser historischen Wasserleitung. „Unter geschickter Ausnutzung natürlicher Gravitationskräfte gelang es bereits Menschen in der Vormoderne, Wasser zur Weiterentwicklung von Dorf und Stadt über große Entfernungen bereitzustellen. Die Fürstenberger Urleitung steht somit als technisches Denkmal einer einst weitverbreiteten Ingenieurskunst in Süd- und Mitteleuropa – auch wenn dieses Erbe im öffentlichen Bewusstsein längst verblichen ist“, heißt es in dem Aufsatz.

Wassermeister der Zauberei verdächtigt

Der Landdrost Raban Westphal setzte, so die Historikerin Sarah Masiak in einer Dissertation, auf Anordnung des Bischofs 1591 einen „verständigen Wassermeister” ein. Dieser war für die Technik zuständig. „1601 ist zuerst ­Goert Nüthen als Wassermeister genannt, doch er wurde bald der Zauberei verdächtigt, konnte sich aber dem Prozess entziehen und ist‚ aus der gefenghus gebrochen‘.“

Mit dem Mann verschwand zugleich dessen Fachkenntnis aus dem Dorf. Weil ein Wassermeister aber zur Aufrechterhaltung der örtlichen Wasserversorgung dringend gebraucht wurde, ist Nüthen „wegen der ­waserleitung zulengst wieder alhier hin kommen vndt anhero tolerirt”.

Dennoch – der Zaubereiverdacht schwelte weiter, vermutlich aufgrund der ihm unterstellten magischen Fähigkeit, „Wasser gegen die Schwerkraft einen Berg hinauf leiten zu können”. 1631 wurde ­Goert Nüthen erneut vorgeworfen, dass er ein Zauberer sei. Der Wassermeister wurde verurteilt und hingerichtet.

Das Wissen zur historischen Wasserleitung in Fürstenberg soll nun für Bürger und Besucher im Ort sichtbar gemacht werden. Ziel sei es, dafür Fördergelder des sogenannten Leader-Programms, einer Fördermaßnahme der Europäischen Union zur Entwicklung des länd­lichen Raumes, zu bekommen.

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