Jens Kaiser hegt und pflegt in Bad Wünnenberg zwei Ford Model T Tin Lizzy hat die Welt verändert

Bad Wünnenberg (WB/han). „Dieses Auto hat die Welt verändert“, sagt Jens Kaiser und klopft auf die Motorhaube seines Ford Model T. Gleich zwei dieser wirklich, wirklich alten Oldtimer besitzt der Bad Wünnenberger: ein Modell Touring aus dem Jahr 1916 und einen nur wenig jüngeren 1919er Run­about.

Alten Autos gehört das Herz von Jens Kaiser. Sehr alten Autos: Die beiden Ford Model T, die er aus den USA importiert hat, laufen schon seit mehr als 100 Jahren wie am Schnürchen und sind die ersten am Fließband gefertigten Wagen.
Alten Autos gehört das Herz von Jens Kaiser. Sehr alten Autos: Die beiden Ford Model T, die er aus den USA importiert hat, laufen schon seit mehr als 100 Jahren wie am Schnürchen und sind die ersten am Fließband gefertigten Wagen. Foto: Hanne Hagelgans

Warum ausgerechnet dieses Auto die Welt verändert hat? Es ist das erste, das unter der Regie von Pionier und Vordenker Henry Ford komplett am Fließband gebaut und damit für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde. Von 1908 bis 1927 wurde der Ford Model T, liebevoll auch Tin Lizzy genannt, hergestellt. Im letzten Kriegsjahr 1918 war bereits jedes zweite Auto, das durch Amerika rollte, ein Model T. Es war das mit 15 Millionen Stück weltweit meistproduzierte Auto, bis dieser Rekord durch den deutschen Volkswagen 1972 eingestellt wurde.

Dass die Tin Lizzy so weit verbreitet war, sorge dafür, dass die Modelle und auch die Ersatzteile auch heute – zumindest in den USA – noch relativ gut erhältlich seien, erzählt Jens Kaiser. Der 27 Jahre alte Bauingenieur, der beim Kreisstraßenbauamt in Paderborn arbeitet, kam selbst als Austauschstudent 2013 in Amerika auf den Geschmack. Der Gastvater seiner Familie im Bundesstaat Montana war Oldtimer- und Model-T-Sammler und weckte auch in seinem Besucher aus Deutschland die Begeisterung für dieses ganz besondere Auto.

„Es war ein sehr demokratisches Auto“, erklärt Kaiser einen Teil der Faszination. Mit einem Verkaufspreis von 500 Dollar (das entspricht heute rund 19.000 bis 20.000 Euro) war es auch für Normalverdiener erschwinglich. „Außerdem konnte es jeder selbst reparieren“, erzählt er. Die Ersatzteile gab es früher in jedem gut sortierten Supermarkt, und die Technik war und ist solide und unkompliziert. „Man muss sie ein bisschen knuddeln, dann sind sie sehr verlässlich“, habe sein Gastvater immer über die T-Modelle gesagt, schmunzelt Jens Kaiser.

Allerdings würde ein Fahrer, der heutige Autos gewohnt ist, die alten Schätzchen wohl kaum in Bewegung setzen können. Bevor sie starten, muss vorn an der Motorhaube gekurbelt werden, und auch die Schaltung ist etwas gewöhnungs- und erklärungsbedürftig.

Selbst einmal Besitzer eines Model T zu sein, war schon lange ein Wunsch von Jens Kaiser. Noch aus seiner Zeit in Amerika war er Mitglied in einem US-Oldtimer-Club. Über dessen Newsletter erfuhr er im vergangenen Jahr, dass Bekannte seines Gastvaters zwei Tin Lizzys verkaufen wollten.

Er setzte sich ins Flugzeug, schaute die Fahrzeuge an – und griff zu. Mit dem Gastvater, zu dem er stets den freundschaftlichen Kontakt gehalten hatte, schraubte er während eines zweiwöchigen Aufenthalts in Montana an den Oldies, die sich aber ohnehin in einem recht guten Zustand befanden. Eine Berliner Spedition organisierte dann den Transport im Schiffscontainer nach Bremen. Von dort holte Kaiser die beiden Wagen vor gut einem Jahr ab und brachte sie auf einem Anhänger auf den Hof seiner Eltern in Fürstenberg-Eilern.

Mittlerweile dürfen die beiden betagten Autos auch aus eigener Kraft über deutsche Straßen rollen: Sie sind für den Verkehr zugelassen. Um dies zu erreichen, musste Kaiser unter anderem Blinker nachrüsten. „Früher hat man einfach per Handzeichen die Richtung angezeigt – wenn überhaupt“, lacht er. Auch Rück- und Bremslichter musste er nachrüsten.

Treibstoff bekommt er ganz normal an jeder Tankstelle. Allerdings sind die Lizzys, die in der Spitze 50 bis 60 Stundenkilometer schnell werden, so durstig wie ein dicker SUV und schon allein aus diesem Grund nicht wirklich alltagstauglich. Auch Damen mit empfindlichen Frisuren dürften ihre Probleme bekommen. Denn die Autos sind rundum offen, der Fahrtwind pustet Fahrer und Beifahrern ordentlich um die Ohren. Als Mietfahrzeug für Hochzeitsfahrten, wie er einmal angedacht hatte, sind die Wagen daher wohl auch eher weniger geeignet, schmunzelt Jens Kaiser. Als Kulisse für Vintage-Fotos allerdings könnte er sie sich durchaus vorstellen.

Von einem der beiden Wagen möchte Jens Kaiser sich allerdings trennen. Von Anfang an war es sein Plan, beide Wagen wieder in Top-Zustand zu bringen, dann einen zu verkaufen und einen zu behalten. Denn die Oldtimer, die in gut gepflegtem Zustand um die 30.000 Euro kosten, sind nicht nur Liebhaberstücke, sondern auch eine handfeste Geldanlage, die im Wert steigen dürfte.

Jens Kaiser freut sich über Austausch. Er ist erreichbar per E-Mail an kaiserjens92@gmail.com

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