Eltern einer 14-Jährigen erheben Mobbing-Vorwürfe – Anzeigen erstattet Konflikt unter Schülerinnen eskaliert

Bad Wünnenberg (WB). Kurz vor den Sommerferien hat es an der Profilschule in Fürstenberg eine Auseinandersetzung zwischen Schülerinnen gegeben, in deren Folge mehrere Anzeigen erstattet und eine 14-Jährige offenbar verletzt worden ist. Die Eltern der verletzten Schülerin sehen ihre Tochter einem monatelangen Mobbing ausgesetzt und werfen der Schulleitung sowie den Lehrern Untätigkeit vor.

Von Marion Neesen
An der Profilschule Fürstenberg soll das 14-jährige Mädchen von Mitschülerinnen drangsaliert worden sein.
An der Profilschule Fürstenberg soll das 14-jährige Mädchen von Mitschülerinnen drangsaliert worden sein. Foto: Jörn Hannemann

Am Montag vergangener Woche ist der Streit offenbar eskaliert. Im Foyer der Fürstenberger Profilschule sei seine Tochter von zahlreichen Schülerinnen und Schülern umringt, zunächst angeschrien und beleidigt und dann geschubst, geschlagen und am Boden liegend getreten worden, sagt der Vater der Schülerin im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ein später aufgesuchter Arzt habe bei seiner Tochter eine Zerrung und Verstauchung der Halswirbelsäule festgestellt. Das Mädchen wurde zwei Wochen krankgeschrieben und erhielt Physiotherapie. Noch am Tag des Vorfalls hatte der Vater Anzeige gegen zwei mutmaßlich beteiligte Mädchen erstattet. Nach seinen sowie nach Angaben der Polizei seien auch Anzeigen gegen seine Tochter erstattet worden.

Mädchen ist inzwischen an einer anderen Schule angemeldet worden

Die Eltern haben inzwischen ihre Tochter von der Profilschule ab- sowie an einer anderen Schule angemeldet. Bei der Bezirksregierung als Schulaufsichtsbehörde haben die Eltern Dienstaufsichtsbeschwerde wegen unterlassener Hilfeleistung und Freiheitsberaubung eingereicht. Zusätzlich haben sie Bürgermeister Christoph Rüther informiert.

Der Vater ist »schockiert« über das, was seiner Tochter widerfahren sei. »Seit Monaten wird unserer Tochter gemobbt, geschlagen und mit Gegenständen beworfen«, sagt er. Den Lehrern wirft er vor, weggesehen und nicht eingegriffen zu haben, obwohl sich seine Tochter hilfesuchend an den Schulsozialarbeiter und die Klassenlehrerin gewandt habe.

»Vielleicht habe auch ich als Vater Fehler gemacht, weil ich zu spät bemerkt habe, was los ist«, sagt er. Seine Tochter habe immer gute Noten mit nach Hause gebracht. Als unter einer Klassenarbeit plötzlich eine Fünf gestanden und die Schülerin sich immer mehr zurückgezogen habe, hätten Vater und Mutter das noch auf eine zerbrochene Beziehung zurückgeführt, aber dennoch das Gespräch mit der Klassenlehrerin gesucht. Diese habe den Leistungsabfall auf die Pubertät zurückgeführt und erklärt, dass man sich kümmern werde.

14-Jährige soll in sozialen Medien beschimpft worden sein

Vor etwa drei Monaten habe es angefangen, erzählt die 14-Jährige. Damals habe sie sich von ihrem Freund getrennt und sei auch aus einer klassenübergreifenden Clique von 20 bis 30 Schülern geflogen. Zunächst seien es Beleidigungen gewesen, dann sei sie mit Gegenständen wie Papier und Flaschen beworfen worden. Einmal hätten Mitschüler ihre Haare mit Malzbier aus einer Wasserpistole bespritzt. Über soziale Medien wie Instagram sei sie als »Hure, Dreckschlampe und Nutte« beschimpft worden. Morgens im Bus hätten Mitschüler Musikboxen aufgedreht und zur Musik beleidigende Lieder gesungen. Auch durch die Schule seien sie damit gezogen.

Der Schulsozialarbeiter habe einmal ein Gespräch mit der Anführerin geführt. Die habe sich dann entschuldigt, nach wenigen Tagen sei es aber weitergegangen. Auch die Klassenlehrerin habe Gespräche geführt, die aber nichts gebracht hätten. »Hänseleien und Zickereien, das gab es früher auch. Aber dieses gezielte Fertigmachen einer Person, das kannte ich nicht. Das ist Psychoterror«, sagt der Vater. Seine Tochter sei vom Lehrpersonal »im Stich« gelassen worden.

Schulleiterin vermutet Beziehungsstreitigkeiten als Ursache

Empört ist der 50-Jährige auch darüber, dass die Lehrer am Dienstag vor den Ferien, als er und seine Frau nochmals die Schule aufgesucht hätten, sich mehr für ein Grillfest als für die Klärung des Vorfalls interessiert hätten. Sie selbst seien hingegen der Schule verwiesen worden.

Auch als am Montag die Polizei vor Ort gewesen sei, hätte sich kein Lehrer sehen lassen. Zudem habe die Schulleiterin seine Tochter davon abhalten wollen, die Polizei zu informieren. »Wir sind zutiefst enttäuscht und erwarten disziplinarische Maßnahmen, schon allein um andere Kinder zu schützen«, sagen die Eltern.

An der Profilschule sind Handys tagsüber verboten

Schulleiterin Irmhild Jakobi-Reike zeigte sich verwundert darüber, in »welches Fahrwasser« die Sekundarschule plötzlich geraten sei. Sie sei von den Vorkommnissen überrascht worden und ordnet den Konflikt eher auf zivilrechtlicher Ebene an. Die Schule sehe sie außen vor. Sie ­habe zuvor weder mit den Eltern noch mit der Schülerin ein Gespräch geführt. »Es gibt dazu keine Vorgeschichte«, sagt die Schulleiterin und vermutet Beziehungsstreitigkeiten zwischen zwei Kontrahentinnen. Das Vorhandensein einer Clique an der Schule bestätigt sie nicht. Mobbing über soziale Netzwerke sei durchaus ein Phänomen und Problem der Zeit. An der Profilschule seien Handys tagsüber verboten. Zudem verweist die Schulleiterin auf ein gut aufgestelltes Konfliktmanagement, das auch von Dritten positiv bewertet werde.

Schule sieht kein Fehlverhalten der Lehrer

Ein Fehlverhalten seitens des Lehrpersonals könne Irmhild Jakobi-Reike nicht erkennen, weil es offenbar Gespräche zwischen der Schülerin und Lehrern gegeben habe. Auch sie habe der Schülerin am Tag des Vorfalls angeboten, mit dem Schulsozialarbeiter zu sprechen. Das habe diese aber abgelehnt. »Wenn Angebote ausgeschlagen werden, sind wir auch als Schule ein Stück weit machtlos«, sagt Jakobi-Reike. Das Attest der Schülerin liege ihr vor.

Jakobi-Reike: »Die Verletzung nehme ich sehr ernst.« Am Tag des Vorfalls habe diese aber niemand wahr­genommen. Die Schülerin habe auch nicht über Schmerzen geklagt. Die Beamten vor Ort haben nach Auskunft der Polizei eine Körperverletzung aufgenommen, die aber nicht sichtbar gewesen sei. Das Grillfest der Lehrer versteht die Schulleiterin als außerschulische Veranstaltung.

Bezirksregierung will Vorwürfe prüfen

»Die Bezirksregierung als Schulaufsichtsbehörde nimmt die geschilderten Vorwürfe sehr ernst und geht diesen nach«, bestätigt Peter Westphal, Sprecher der Behörde. »Die Bezirksregierung steht im engen Kontakt mit der Sekundarschule. Hinweise auf Mobbing an der Schule liegen nicht vor.«. Beschwerden über Lehrer werde grundsätzlich nachgegangen. »Auch in diesem Fall werden wir die Vorwürfe prüfen«, sagt Westphal. Eine Statistik über Mobbingfälle an Schulen liege der Bezirksregierung nicht vor. Der Umgang mit Mobbing von Schülern obliege zunächst der Schulleitung.

Kommentare

Ellebruch

Auch mein Sohn geht in diese Schule, ich kann nur bestätigen, daß die Schule, Lehrer ect. nicht eingreifen... Mein Sohn wurde mit einem Stuhl geschlagen und erlitt einen Ellenbruch...Wir haben damals keine Anzeige erstatten, was wir heute bereuen... Von der Lehrerin kam nur der Spruch, ach ja der Schüler ist uns bekannt. Unternommen wurde nichts.... Seitens der Svhulkeitung oder Lehrern... Von Übeltäter kam nur ein formloser Entschuldigungsbrief......

Heuchlerische Schule

Ach so, Handys tagsüber verboten ?
Das ist doch schon gelogen !
Unsere Kinder gehen dort auch zur Schule und alle Kinder haben dort Handy's.
Ich verstehe sowieso nicht ,was heutzutage an den Schulen los ist.
Wie kann so etwas passieren ?
Sehen die Lehrer weg ?
Es muss immer erst etwas passieren .


Liebe Grüße
Frau Becker

Man muss einfach härter durch greifen

2 Kommentare

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