33-jähriger Bad Wünnenberger zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt
Dealer von der eigenen Ehefrau verpfiffen

Bad Wünnenberg (WB/upf). Ein Familienvater verkauft Drogen in der eigenen Wohnung. Dafür bekommt er vom Landgericht eine Haftstrafe von mehr als drei Jahren. Zum Verhängnis wird dem 33-Jährigen der Unmut seiner eigenen Ehefrau.

Donnerstag, 07.02.2019, 06:00 Uhr
Am Land- und Amtsgericht Paderborn wurde am Mittwoch ein 33-jähriger Bad Wünnenberger wegen Drogenhandels zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt. Foto: Jörn Hannemann

Dumm gelaufen: Nach einem Ehekrach alarmierte die 34-jährige Wünnenbergerin im September 2017 die Polizei – ihr Mann handele mit Drogen. Offenbar hatte der Genuss von Alkohol dazu geführt, dass der Frau der Geduldsfaden gerissen war. 1,8 Promille zeigte das Pusteröhrchen, mit dem ein Beamter den Atemalkohol der 34-Jährigen kontrollierte – aber an dem was sie sagte, war etwas dran.

Denn bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Polizisten ein halbes Pfund Marihuana in einem Schuhkarton, daneben zwei Küchenmesser, einen Elektroschocker, zwei Feinwaagen und die dealer-üblichen Klemmverschlusstütchen. In einem Geldbeutel wurden 810 Euro in kleinen Scheinen sichergestellt – ein Indiz dafür, dass es Bargeld aus Drogenverkäufen war.

Aussage des Beschuldigten weist Lücken auf

Der 33-Jährige tischte angesichts der drohenden mindestens fünfjährigen Haftstrafe wegen bewaffneten Drogenhandels der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts eine Geschichte auf, die von vorne bis hinten Lücken zeigte. Das Marihuana sei zum Eigenkonsum gedacht gewesen, und um sich dabei zu disziplinieren, habe er mit einem Messer stets nur eine kleine Portion vorbereitet, abgewogen und in ein Tütchen verpackt.

Das Bargeld sei das Kindergeld für die vier Kinder gewesen, das seine Frau per Barscheck abgehoben habe. Und der Elektroschocker sei irgendwie bei einem Umzug in den Karton geraten. Er habe nicht mit Drogen gehandelt, beteuerte der Angeklagte, nur habe er eben hin und wieder Freunden etwas abgegeben, die bei ihm zum Kiffen eingekehrt seien.

Auffällig viele kurze Besuche an der Haustür

Seine Frau machte von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Dafür bestätigte ein Polizist, dass die 34-Jährige ihm gegenüber gesagt habe, ihr Mann verkaufe Drogen. Ein Nachbar berichtete von auffällig häufigen und sehr kurzen Besuchen an der Haustür der Familie. Als diese bald nach der Polizeiaktion ausgezogen war, hätten immer wieder Unbekannte bei ihm geklingelt und nach dem Angeklagten gefragt.

Mit der Zeugenaussage eines 25-Jährigen schloss sich der Kreis der Beweislage. Der war im Herbst verurteilt worden, weil er von dem 33-Jährigen Drogen gekauft hatte – was er im Zeugenstand gestern wiederholte.

Angesichts der eher niedrigen Menge an weichen Drogen und des vermutlich defekten Elektroschockers erkannte die Kammer auf einen minderschweren Fall und verurteilte den Hilfsarbeiter zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Wäre das, was er zur Sache ausgesagt hatte, ein echtes Geständnis gewesen, so Richter Eric Schülke, »hätte das Urteil auch niedriger ausfallen können«.

Kommentare

Leser  wrote: 07.02.2019 11:57
Völlig verrückt
Wobei die Gesetze schon ziemlich verrückt sind, jemand wegen bewaffneten Drogenhandel zu 3+Jahre zu verurteilen weil er 250 Gramm (!) Cannabis und zwei Küchenmesser in seiner Wohnung hat. Meiner Meinung nach erinnern solche Urteile an dunkelste Zeiten in unserer Geschichte und ich schäme mich für unsere Justiz.

Und warum eigentlich ist hier verboten was anderswo längst erlaubt ist. Woher nimmt sich der Staat, das Regime, das Recht so totalitär über uns zu herrschen, als wären wir seine Sklaven?
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