Neue Idee für Bad Lippspringes Innenstadt stößt auf viel Kritik – vor allem aus Paderborn
„Outlet-Konzept ist nicht tragfähig“

Bad Lippspringe/Paderborn (WB) -

„Das passt weder nach Bad Lippspringe noch in die Zeit!“ So lautet die einhellige Meinung auf die Nachricht, dass die Kurstadt Outlet-City werden möchte. Man betrachte das Konzept mit Sorge, betonte der Vorsitzende der Paderborner Werbegemeinschaft, Uwe Seibel, am Donnerstag.

Freitag, 05.02.2021, 02:24 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 10:22 Uhr
In Bad Münstereifel gibt es seit sieben Jahren ein sogenanntes City-Outlet. Nun gibt es ähnliche Pläne für Bad Lippspringe. Foto: dpa

„Erfahrungsgemäß wird dadurch die Einzelhandelsstruktur der betroffenen Stadt selbst geschwächt. Es hat aber auch Auswirkungen auf die Orte im Umkreis von bis zu 100 Kilometern. Stark betroffen wäre in jedem Fall das Oberzentrum Paderborn. Daher müssen wir die Planungen höchst kritisch sehen“, erklärte Seibel. Auch Kai Buhrke, Geschäftsführer des Handelsverbandes im Hochstift, hält die Outlet-Idee für nicht tragfähig.

Mit dem Bad Lippspringer Bürgermeister Ulrich Lange (CDU) habe er sich direkt nach Bekanntwerden der Pläne am Donnerstag im WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT ausgetauscht. Für diesen Freitag ist ein Gespräch geplant. Wie am Donnerstag berichtet, hat die Stadt Bad Lippspringe bei dem Wiesbadener Gutachterbüro Ecostra eine Standortanalyse in Auftrag gegeben. Demnach sei ein City-Outlet auf einer Fläche von 9000 Quadratmetern mit bis zu 45 Läden grundsätzlich realistierbar, wäre aber kein Selbstläufer. Ecostra geht von einem jährlichen Umsatz in Höhe von 32 Millionen Euro aus. In Bad Münstereifel wurde ein solches Projekt vor sieben Jahren realisiert, in Rietberg war die Outlet-Idee an einem Bürgerentscheid gescheitert.

Uwe Seibel hält Bad Lippspringe als Standort für ungeeignet. Es mangele an Parkplätzen und auch die Verkehrsinfrastruktur wäre wohl überfordert. Zudem widerspreche das Konzept dem Selbstverständnis Bad Lippspringes. Die Stadt beschreibe sich als heilklimatischen Kurort und als naturnahen Gesundheitsstandort. Seibel: „Die im Gutachten genannten 9000 Quadratmeter für ein attraktives Outlet-Angebot in Bad Lippspringe sind bei Weitem nicht realisierbar. Zudem gebe ich zu bedenken, dass die Corona-Pandemie aktuell und nachhaltig zu Verwerfungen führt, vor allem textilen Einzelhandel. Diese Entwicklung ist im Gutachten noch nicht abgebildet, aber von immenser Bedeutung für die Planung von Einzelhandelsflächen, zumal in Outlet-Centern Bekleidung und Schuhe traditionell einen Großteil der Flächen einnehmen. Aus meiner Sicht sprechen zu viele Argumente gegen eine weitere Beschäftigung mit dem Thema.“

Kai Buhrke rät der Stadt Bad Lippspringe dazu, die Finger von dem Konzept zu lassen. „Hier soll das Gegenteil von dem installiert werden, was Bad Lippspringe verkörpert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bad Lippspringer Bürger die Idee mittragen“, sagte er.

Wegen des Lockdowns trifft man derzeit nur wenige Passanten in der Bad Lippspringer Fußgängerzone an.

Wegen des Lockdowns trifft man derzeit nur wenige Passanten in der Bad Lippspringer Fußgängerzone an. Foto: Per Lütje

Auch der Paderborner Damenmodehändler Hermann Sittig sieht die Überlegungen in der Kurstadt kritisch. „Das ist nicht die Lösung für Bad Lippspringe. Viele Outlet-Center haben – ebenso wie der stationäre Einzelhandel – massive Probleme, weil der Internethandel auch diesem Preissegment schwer zu schaffen macht.“ Angesichts des Leerstands könne er gut verstehen, dass der Bürgermeister der Gartenschau-Stadt die Fühler in alle Richtungen ausstrecke. Bad Lippspringe habe sich durch die Landesgartenschau toll entwickelt, auch wenn der aktuelle Leerstand traurig sei. „Es ist ein wunderschöner Ort und ein tolles Erholungsgebiet für uns Paderborner. Wir sollten daher nach anderen Möglichkeiten suchen, den Ort zu befruchten.“

Friedrich Klingenthal, Chef der Südring Klingenthal GmbH, bezeichnete die Outlet-Idee als eine „Katastrophe für den stationären Einzelhandel“ vor allem in der Paderborner Innenstadt. Er sei strikt dagegen. Die Händler an und rund um die Westernstraße hätten durch den Lockdown und die Internet-Konkurrenz schon genug Probleme. Das Südring-Center sehe er durch ein Outlet allerdings weniger gefährdet.

Große Zweifel hat Klingenthal an dem von den Gutachtern angegebenen Einzugsgebiet von 2,7 Millionen Menschen. „Wo sollen die herkommen?“ Realistisch seien höchstens 350.000 Menschen – wenn man Teile des Sauerlandes sowie der Anrainerkreise und Bielefelds mit dazu rechne. Für alle anderen seien die Anreisewege zu weit.

Das sagt Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder:

2018 ist das Rietberger Outlet-Konzept nach einem Bürgerentscheid begraben worden. Der dortige Bürgermeister Andreas Sunder (FWG) stärkte den Bad Lippspringern auf WV-Anfrage den Rücken: „Grundsätzlich finde ich es richtig und wichtig, wenn sich Verantwortliche von Städten Gedanken darüber machen, wie sie ihre – zum Teil sehr funktionsschwachen – Einkaufsbereiche stärken können. Denn der Handel gehört für mich in die Zentren der Städte und nicht auf die berühmte grüne Wiese. Wenn in diesem Zusammenhang Konzepte erarbeitet werden, die verschiedene Betriebsformen wie klassischer Einzelhandel gepaart mit Outlet-Handel und vorhandener Gastronomie quasi als Hybridmotor kombinieren, ist das in meinen Augen ein Ansatz, der es verdient hat, weiter beleuchtet zu werden. Sich für eine solche Betrachtung Fachexpertise ins Rathaus zu holen, die genau die Chancen und Risiken des Marktes kennen und den Markt verstehen, halte ich für sinnvoll.“

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