Bad Wünnenberger Grüne rufen zur Demonstration vor Ratssitzung auf
Protest gegen Hähnchenmaststall

Bad Wünnenberg -

Wenn der Bad Wünnenberger Rat am Donnerstag, 12. November, zum ersten Mal in neuer Zusammensetzung tagt, könnte es gleich zum Start Konfliktpotenzial geben. Es geht um einen umstrittenen Hähnchenmaststall.

Mittwoch, 11.11.2020, 03:00 Uhr
Im Stadtgebiet Bad Wünnenberg soll ein Maststall für 29.900 Tiere entstehen. Die Grünen rufen zu einer Demonstration dagegen auf. Foto: Google Maps

Der Rat steigt nach den Formalien, wie etwa der Bildung und Besetzung der Ausschüsse, auch schon in die inhaltliche Arbeit ein. „Neubau eines Masthähnchenstalles mit 29.900 Tieren und Nebenanlagen“, so lautet der erste Tagesordnungspunkt im nichtöffentlichen Teil der Sitzung.

Und dieses Vorhaben lehnen die Grünen, die neu im Rat vertreten sind, so entschieden ab, dass sie vor der Sitzung zu einer Demonstration aufgerufen haben. Sie soll um 17.15 Uhr vor der Schützenhalle in Bleiwäsche beginnen, wo von 18 Uhr an der neue Rat tagt. Die Grünen laden dazu ausdrücklich interessierte Bürger ein.

In welchem Ortsteil der Maststall entstehen soll, geht aus der öffentlich zugänglichen Tagesordnung nicht hervor. Diese Information werde mit Bedacht noch nicht öffentlich gegeben, erläuterte Stadt-Sprecherin Romana Papenkordt. Denn es handele sich zunächst nur um eine erste Voranfrage. In diesem Stadium sei es üblich, zunächst einmal den Rat zu informieren. Wenn das Projekt weiterverfolgt werde, durchlaufe es das öffentliche Verfahren und werde erst in den zuständigen Fachausschüssen und abschließend im Rat behandelt.

Doch für die Grünen unter Führung von Dr. Mathia Dubberke ist der Standort auch nicht entscheidend. Sie begründen ihren Widerstand unter anderem mit Tierschutzgründen. Die drangvolle Enge (ein konventionell gehaltenes Masthuhn lebe mit bis zu 23 Artgenossen auf einem Quadratmeter Stallfläche) führe zu Dauerstress. Ein artgerechtes Verhalten sei unter diesen Umständen nicht möglich, kritisieren sie. Rassen für die Hochleistungsmast seien auf überproportionale Brustzunahme gezüchtet und wüchsen schneller als ihr Knochengerüst bewältigen könne. Am Ende der Mastperiode könnten sie kaum stehen.

Die Tiere seien krankheitsanfällig und überlebten nur mit Antibiotikaeinsatz. Dadurch könnten sich Resistenzen bilden, die auch für den Menschen zur Gefahr werden könnten. Denn der routinemäßige Antibiotikaeinsatz im Hühnerstall begünstige Keime, die resistent gegen Antibiotika sind. Mit dem Fleisch, der Abluft aus Ställen und den Beschäftigten in der Geflügelwirtschaft könnten die resistenten Keime in die Umwelt und zur Bevölkerung gelangen. Mögliche Belastung des Abwassers und des Grundwassers durch Nitrat, Desinfektionsmittel, antibiotikaresistente Keime und Antibiotika führen die Grünen ebenfalls gegen das geplante Projekt ins Feld.

„Wir brauchen Transparenz, Mitentscheidungsrecht und mehr Blick in die Zukunft“, heißt es im Demonstrationsaufruf der Bad Wünnenberger Grünen.

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