Bürgermeister will Bad Lippspringer Rathaus bald wieder öffnen
Corona-Konferenz gibt Richtung vor

Bad Lippspringe -

Nach siebenmonatiger Corona-Zwangspause soll das Bad Lippspringer Rathaus in den kommenden Wochen wieder öffnen. Das hat Bürgermeister Ulrich Lange gegenüber dieser Zeitung betont.

Samstag, 07.11.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 07.11.2020, 17:02 Uhr
Das Bad Lippspringer Rathaus soll möglichst bald wieder öffnen. Es ist bereits seit März für den Publikumsverkehr geschlossen. Foto: Besim Mazhiqi

Gleichzeitig machte er deutlich: „Natürlich wird es bis dahin ein passgenaues Schutzkonzept für Mitarbeiter und Besucher geben.“

Auf Initiative Langes ist in dieser Woche auch eine „Corona-Konferenz“ an den Start gegangen, die sich bis auf Weiteres einmal in der Woche treffen soll. Neben Vertretern aus Schule, Verwaltung und Feuerwehr gehören zwei ausgewiesene Medizin- und Hygiene-Experten diesem Gremium an: Dr. Armin Kuhlencord, ärztlicher Leiter des Laborzentrums Paderborn, und Ralf Schulte, der im Hygiene-Management verantwortlich tätig ist.

Die erste „Corona-Konferenz“ begann mit einer Bestandsaufnahme. Seit Dienstag, 0 Uhr, ist eine Allgemeinverfügung in Kraft, wonach Besucher der Bad Lippspringer Fußgängerzone verpflichtet sind, in der Zeit von 8 bis 20 Uhr eine Mund-Nasenbedeckung zu tragen. „Die meisten halten sich daran“, stellte Leonard Tölle, Leiter des Ordnungsamtes, zufrieden fest. Bewusste Verstöße gebe es kaum.

Seit vergangenem März ist das Badestädter Rathaus für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Mitarbeiter sind seitdem im wechselnden Zwei-Schicht-System tätig. Der eine Teil arbeitet wie gewohnt im Rathaus, der andere von Zuhause aus. „Sollte es tatsächlich einmal zu einem Corona-Fall im Rathaus kommen, müssten nicht sofort sämtliche Mitarbeiter getestet und in Quarantäne geschickt werden, erläuterte Bernd Gehle; er ist Verantwortlicher im Fachbereich Personalwesen.

An dieser Praxis will auch der neue Bürgermeister festhalten, ist aber dagegen, das Verwaltungsgebäude weitere Monate komplett zu schließen: „Unser Rathaus ist ein Dienstleistungszentrum, das allen Bürgerinnen und Bürgern offen stehen sollte. Wenn wir uns gemeinsam in Zeiten von Corona an die geltenden Schutzbestimmungen halten, müsste das gut machbar sein.“ Das gelte im Übrigen auch für eine regelmäßige Bürgermeistersprechstunde, die Lange wieder einführen will.

Der Hygiene-Experte Ralf Schulte, Inhaber eines Beratungsbüros in Bad Lippspringe, wird deshalb in nächster Zeit ein Schutz- und Hygienekonzept erarbeiten, das konkret auf die örtlichen Verhältnisse im Rathaus abgestimmt ist. Er hat dabei nach eigenen Angaben zuallererst die Wegeführung genau im Blick - aber nicht nur die. „Damit sich möglichst wenige Besucher im Rathaus gleichzeitig begegnen, sollte ihre Zahl beschränkt werden“, steht für Schulte außer Frage.

Um die Besucherfrequenz effektiv zu steuern, ist eine vorherige telefonische Terminabsprache notwendig, wie der Bürgermeister betonte. Am Eingang, in Blickweite zum Infobüro, möchte Lange einen kleinen Wartebereich einrichten. „Wir befinden uns kurz vor der winterlichen Jahreszeit. Und da ist niemandem zuzumuten, bei Regen oder Schnee vor der Eingangstür auf dem Rathausvorplatz zu warten“, so Lange.

Als zentrale erste Ansprechpartner sind die Mitarbeiter des Infobüros besonders gefordert. „Sollte das Rathaus bald wieder öffnen, wäre es gut, wenn wir im Eingangsbereich durch eine zusätzliche Kraft unterstützt würden“, sagt Heidi Walter. Deren Aufgabe wäre es dann, auf die Einhaltung der Corona-Schutzbestimmungen genau zu achten.

Natürlich darf auch das Rathaus nur mit Schutzmaske betreten werden, Desinfektionsmittel stehen im Eingangsbereich bereit. „Ebenso wichtig ist es, die Räume regelmäßig zu lüften. Im besten Fall geschieht das alle 20 Minuten einmal für die Dauer von fünf Minuten“, erläuterte Dr. Armin Kuhlencord. Das betreffe im Übrigen nicht nur das Rathaus, sondern genauso die örtlichen Schulen.

Mit dem Lüften gelange natürlich auch kältere Luft in die Räume. Deshalb, so Kuhlencord, sei es für Lehrer und Schüler gleichermaßen wichtig, warme Kleidung zu tragen.

In der Gesamtschule Bad Lippspringe ist das Lüften kein Problem, wie Rektorin Roswitha Hillebrand betonte: „An unserer Schule sind erst vor kurzer Zeit neue Fenster eingebaut worden, die sich auch großflächig öffnen lassen.“

Kuhlencord machte abschließend noch auf eine besondere Problematik aufmerksam: „Die Zahl der Corona-Testungen hat in den vergangenen Wochen enorm zugenommen. Die Folge: Es werden dringend mehr qualifizierte Personen benötigt, die einen Corona-Abstrich fachgerecht vornehmen können.“ Ob dafür nur ausgebildete Ärzte in Frage kämen, wollte ein Konferenzteilnehmer wissen. „Nein“, sagte Kuhlencord. Auch Altenpfleger, Krankenschwestern oder Arzthelferinnen seien dafür qualifiziert. Es bedürfe vorab aber einer kompetenten Schulung und Einweisung.

Kuhlencord selbst bot sich an, bei entsprechender Nachfrage und Interesse eine solche Schulung - die Dauer wird auf etwa eine Stunde kalkuliert - in Bad Lippspringe durchzuführen. Lange nahm dieses Angebot dankbar an und sagte zu, eine entsprechende Schulung zeitnah zu organisieren.

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