Andreas Bee tritt nach elf Jahren als Bad Lippspringer Bürgermeister ab
„Ich freue mich, künftig privat unterwegs zu sein“

Bad Lippspringe (WB). Seit fast eineinhalb Jahren weiß An­dreas Bee, dass er vom 1. November an nach elf Jahren im Amt nicht mehr Bürgermeister der Stadt sein wird. Doch wie geht es ihm jetzt, unmittelbar vor seinem Ausstieg, mit dieser Entscheidung? Und wie blickt er auf seine zwei Legislaturperioden zurück? Darüber hat der 57-Jährige mit dem WESTFALEN-BLATT gesprochen.

Samstag, 31.10.2020, 03:40 Uhr
Auf der Gartenschau schließt sich der Kreis: Die Bewerbung um die Großveranstaltung fiel in die Anfangsphase der Amtszeit von Bürgermeister An­dreas Bee. Das Gelände sieht der 57-Jährige auch in puncto Nachhaltigkeit auf einem guten Weg. Foto: Jörn Hannemann

Bereits im Juli 2019 hatte der parteilose Bürgermeister Andreas Bee bekannt gegeben, nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren zu wollen. Aufhören, wenn es am Schönsten ist? Ein wenig scheint es so zu sein, wenn man die Sätze des gebürtigen Bad Lippspringers zu seinen Beweggründen interpretiert: „Viel ist in der Stadt erreicht worden, auch in der Zeit, während der ich maßgeblich daran beteiligt war. Ich denke schon, dass es ganz gut gelaufen ist in den vergangenen Jahren.“ Unter anderem sei es gelungen, „eine ganz andere Stimmung“ in der Kurstadt zu erzeugen. Maßgeblich macht Bee dies an der Landesgartenschau im Jahr 2017 fest. „Durch diese Veranstaltung ist ein unglaubliches Wir-Gefühl in der Stadt entstanden.“ Und diese Großveranstaltung mit ihren knapp 600.000 Besuchern wirke nahhaltig: „Es ist toll, wenn ich sehe, dass die Parkplätze am Wochenende alle belegt sind. Das zeigt natürlich, dass wir zu wenig Stellplätze haben, aber das ist mir lieber, als stünden die Parkplätze leer.“

MZG gut aufgestellt

Als „geborenes Mitglied“ scheidet Andreas Bee als Aufsichtsratsmitglied des Medizinischen Zentrums für Gesundheit – in den vergangenen Jahren war er Vorsitzender – aus. Er sieht den Verbund aus vier Rehakliniken und einem Akutkrankenhaus jedoch auf einem guten Weg: „Wir sind die einzige Kleinstadt in ganz Deutschland, die über ein solch großes Klinikunternehmen verfügt. Und ich bin froh, dass es uns mit Geschäftsführer Achim Schäfer gelungen ist, einen absoluten Spitzenmanager an Bord zu haben. Wir sind wieder wer auf dem deutschen Gesundheitsmarkt.“ Als Indiz fügt Bee die Entwicklung des Umsatzes und der Beschäftigtenzahl an: 2011: 43 Millionen Euro – 2019: 73 Millionen Euro. Zudem stieg die Anzahl der Mitarbeiter von 800 im Jahr 2009 auf inzwischen 1400 im Jahr 2020.

„Stadt mental gerettet“

Als „Meilenstein“ für Bad Lippspringe bezeichnet Andreas Bee die Landesgartenschau im Jahr 2017. Hierdurch sei es gelungen, die Stadt zum Positiven umzubauen und „mental zu retten“. „Bad Lippspringe ist fit für die Zukunft gemacht worden. Mittlerweile zählt die Gartenschau fünf Mal so viele Besucher wie der ehemalige Kaiser-Karls-Park. Die Gastronomie in der Innenstadt floriert“, sagt Bee, der gleichwohl nicht verkennt, dass es Leerstände gibt: „Als Verwaltung habe wir leider auch nur begrenzte Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung. Natürlich gibt es Leerstand, aber in der Gesamtheit stehen wir ganz gut da. Und jeder Einzelne muss sich bewusst sein, dass er die Zukunft des Einzelhandels in der Hand hat, indem er vor Ort einkauft.“

Keine persönliche Übergabe an Nachfolger

Mit seinem Nachfolger Ulrich Lange (CDU) hat Andreas Bee nach eigenen Angaben bereits über das eine oder andere Projekt inhaltlich gesprochen. Eine persönliche Übergabe werde es aber nicht geben. Ich werde den Schlüssel am Freitag, 30. Oktober, abgeben, und Ulrich Lange wird am Montag, 2. November, das Büro beziehen.“ Ähnlich emotionslos ist der 57-Jährige auch, was seine Zukunft angeht: „Ich habe beruflich oder für ein gesellschaftliches Engagement erst einmal gar nichts geplant und lasse mir diese Dinge offen. Ich muss mich auch erst einmal neu orientieren. Natürlich ist man mit einem Ruck aus dem Amt raus, aber ich werde diesem Amt nicht nachhängen. Ich freue mich darauf, künftig wieder ganz privat in der Stadt unterwegs sein zu können. Denn als Bürgermeister wird man gerade in einer Kleinstadt für alles in Verantwortung genommen, was passiert. Das habe ich elf Jahre lang gemacht.“

Dickes Fell ist hilfreich

Was Andreas Bee vermissen werde, seien die Kontakte zu den Beschäftigten im Rathaus, in dem „ein tolles Betriebsklima“ herrsche. Er sei ziemlich zufrieden mit seiner Amtszeit, in der er viele Dinge auf den Weg gebracht habe. „Wir haben als Verwaltung versucht, die Politik und die Bürger bei den Entscheidungen mitzunehmen und Transparenz walten zu lassen.“ Er sei sich dabei im Klaren, „dass es natürlich nicht gelingt, allen alles recht zu machen. Insofern ist es hilfreich in diesem Job, sich ein dickes Fell zuzulegen.“

Der Kurstadt wird Andreas Bee auch künftig erhalten bleiben. „Ich bin gebürtiger Bad Lippspringer und werde hier auch wohnen bleiben.“ Auch sei es für ihn selbstverständlich, Dauerkartenbesitzer für die Gartenschau zu bleiben. „Die hatte ich seit Anfang an, auch wenn es mir das Amt erlaubt hätte, kostenfrei das Gelände besuchen zu können. Das ist für mich aber auch eine Frage des Lokalpatriotismus“, erklärt An­dreas Bee.

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