26-Jährige aus Bad Lippspringe weiterhin vermisst – Paderborner Polizei übernimmt Ermittlungen – Details zur Reise bis zum Verschwinden
Kein Lebenszeichen von Scarlett S.

Todtmoos/Bad Lippspringe/Paderborn (WB/mba). Von der 26-jährigen Wanderin Scarlett S. aus Bad Lippspringe, die das letzte Mal am 10. September lebend im Südschwarzwald gesehen wurde, fehlt weiterhin jede Spur. Den Vermisstenfall hat nun wieder die Paderborner Polizei übernommen. Die Suchaktionen vor Ort seien vorerst abgeschlossen, bis es neue Hinweise gebe.

Freitag, 25.09.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 19:04 Uhr
Dieses Foto entstand am 6. September. Foto: Polizei Freiburg

Die Paderborner Polizei hat erneut Familienangehörige und Bekannte der 26-Jährigen befragt. Es hätten sich aber keine neuen Erkenntnisse ergeben, sagte Polizeisprecher Michael Biermann am Donnerstag dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT. Sobald die Maßnahmen vor Ort abgeschlossen seien, sei es üblich, dass die Polizei am Wohnort wieder die Ermittlungen übernehme. Bei der Paderborner Polizei war die 26-Jährige von ihrer Mutter am 12. September auch als vermisst gemeldet worden, nachdem sie am 11. September nicht wie geplant eine Freundin in Mainz besuchte. Mit jedem weiteren Tag schwindet die Hoffnung, die 26-Jährige noch lebend zu finden.

Der Rucksack mit dem Scarlett S. unterwegs war.

Der Rucksack mit dem Scarlett S. unterwegs war. Foto: Polizei Freiburg

Wie mehrfach berichtet, wollte die Bad Lippspringerin alleine den beliebten Schluchtensteig von Stühlingen nach Wehr wandern. Der 119 Kilometer lange und in sechs Etappen aufgeteilte Steig gilt als anspruchsvoll. Teilweise führt er durch alpines Gelände. Die Bad Lippspringerin gilt jedoch als gut trainiert und als erfahrene Wanderin. Am Freitag, 4. September, war sie in Stühlingen gestartet. Dort fand die Polizei auch das Auto der Vermissten. Von ihrer Tour schickte sie der Familie zwischendurch immer wieder Fotos.

Polizei: Details zur Reise bis zum Verschwinden

Auf Basis der Zeugenaussagen und der vorliegenden Handy-Daten könne die Reise der Bad Lippspringerin bis zum Zeitpunkt des Verschwindens nahezu nahtlos nachvollzogen werden, teilte die Polizei Paderborn am Freitagnachmittag mit. Und weiter: „Besonders wichtig für die Ermittlungen waren die letzten Etappen des Schluchtensteigs. So steht fest, dass die Frau vom Schluchsee nach St. Blasien wanderte. Allerdings übernachtete sie nicht in St. Blasien, sondern fuhr mit dem Bus zum nächsten Etappenziel nach Todtmoos. Sie schlief von Dienstag auf Mittwoch, 9. September, in dem Hotel und fuhr morgens wieder nach St. Blasien, um die Etappe nach Todtmoos auch zu Fuß zu bewältigen. Nach der zweiten Nacht in dem Todtmooser Hotel brach die 26-Jährige am Donnerstag, 10. September, morgens zur letzten Etappe nach Wehr auf. An diesem Vormittag kaufte sie noch in einem Edeka-Markt ein. Auf Bildern der Überwachungskamera ist sie mit kompletter Wanderausstattung zu sehen. Sie verließ das Geschäft und schlug den Weg in Richtung Einstieg zum Schluchtensteig ein. Noch in der Ortschaft Todtmoos verlor sich dann die Spur. Es gibt bislang keine Hinweise, dass sie ihr Ziel, die Ortschaft Wehr, erreicht hat.“

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Am 10. September wurde sie von einer Überwachungskamera in einem Supermarkt in Todtmoos gefilmt. Das ist das letzte Lebenszeichen von ihr. In Todtmoos, wo sie zwei Nächte in einem Hotel übernachtete, verliert sich ihre Spur. Das Handy war aus und nicht mehr zu orten.

Die Polizei geht davon aus, dass sich die Bad Lippspringerin am Donnerstag, 10. September, alleine auf die letzte Etappe des Schluchtensteigs von Todtmoos nach Wehr auf den Weg gemacht hat und verunglückt ist. Hinweise auf ein Verbrechen oder auf einen Suizid gibt es laut Polizei bislang nicht.

„Alle bislang identifizierten Personen, die während der Wanderung Kontakt zur Vermissten hatten sind befragt worden“, teilte die Paderborner Polizei am Freitag mit. Möglicherweise gebe es aber noch weitere Kontakt-Personen, die sich bislang nicht bei der Polizei gemeldet hätten. Sie seien aufgefordert, sich bei der Polizei in Waldshut-Tiengen oder Paderborn zu melden.

Am 10. September wurde Scarlett S. von einer Überwachungskamera in einem Supermarkt aufgenommen.

Am 10. September wurde Scarlett S. von einer Überwachungskamera in einem Supermarkt aufgenommen. Foto: Polizei Freiburg

Suchaktion der Bergwacht

Nach der Suchaktion am vergangenen Wochenende gibt es keine weiteren konkreten Hinweise auf die Vermisste. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung in der vergangenen Woche hatte die Bergwacht am Samstag im Auftrag der Polizei erneut das Gelände zwischen Todtmoos und Wehr durchkämmt. Auch das Drohnenteam der Bergwacht war im Einsatz. Mit Hilfe der Drohne wurden felsige Abschnitte abgesucht, die vom Boden aus nicht eingesehen werden können. Zudem wurden zwei versteckte Pfade abgesucht, sagte eine Sprecherin der Bergwacht. Einzelne Abschnitte seien dabei zusätzlich von Kletterern abgesucht worden – vergeblich. Wie am Wochenende zuvor waren auch dieses Mal Rettungshunde des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz. „Immer noch gehen insbesondere bei der Polizei in Waldshut-Tiengen Hinweise ein“, teilte die Paderborner Polizei am Freitag weiter mit. Einzelne Suchen an konkreten Stellen seien daher im Laufe der Woche durchgeführt worden – ohne weitere Erkenntnisse.

Die Familie der Bad Lippspringerin hofft unterdessen weiter und setzt auf neue Zeugenhin­weise. Die Schwester der Vermissten meldete sich am Mittwoch mit einem neuen Post in der Facebook-Gruppe „Wandern im Schwarzwald und in der Pfalz“ zu Wort. Sie schreibt: „Scarlett wird noch immer vermisst, wir haben nun endlich ihre Google Daten von ihrem Handy ausgewertet und haben ihren letzten offiziellen Standort. Ab dann ist ihr Handy aus und nicht mehr ortbar. Wir wissen nicht ob Sie überhaupt die Strecke gewandert ist oder nicht! Wir brauchen Zeugen die Sie ab dem 10.09 gesehen haben. Sie hat sich einen Tag zuvor mit anderen Wanderern getroffen und bestätigt, dass Sie nach Wehr (alleine ) laufen möchte.“

Scarlett S. in Wanderausrüstung.

Scarlett S. in Wanderausrüstung. Foto: Polizei Freiburg

Das Foto stammt vom 9. September.

Das Foto stammt vom 9. September. Foto: Polizei Freiburg

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