Architekturbüro sieht in der Bad Lippspringer Auguste-Viktoria-Klinik großes Potenzial
„Es ist vielleicht die letzte Chance”

Bad Lippspringe (WB). Der jahrelange Leerstand hat Spuren hinterlassen: Regenwasser sickert an einigen Stellen ungehindert durch das Dach der ehemaligen Auguste-Viktoria-Klinik. Schwere Sachbeschädigungen an Türen und Fenstern haben ihr Übriges getan. Und doch scheint es jetzt Hoffnung zu geben. Eine Investorengruppe hat gemeinsam mit den in Schloß Neuhaus ansässigen Planern von „Plan Bee Architekten“ eine Zukunftsvision für das 120 Jahre alte Gebäude entwickelt.

Dienstag, 11.08.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 08:06 Uhr
Das Büro „Plan Bee Architekten“ hat die Auguste-Viktoria-Klinik unter die Lupe genommen. Foto: Sonja Möller

Wenn die Bad Lippspringer auf die seit 2013 leer stehende Auguste-Viktoria-Klinik zu sprechen kommen, ist oft von der „alten Ruine“ die Rede. Selbst unter wohlmeinenden Ratsmitgliedern herrscht nur wenig Hoffnung, dass der endgültige Verfall der einstigen Lungenheilstätte noch aufzuhalten ist. „Wir Architekten haben von Natur aus einen anderen, tiefer gehenden Blick auf die Dinge“, setzt der Architekt Peter Bee entgegen. Für ihn steht fest: „In dem alten Klinikgebäude steckt immer noch großes Potenzial. Man muss es nur wecken und richtig nutzen.“

Der 48-Jährige hat 2010 gemeinsam mit seinem Studienfreund André Reckeweg (47) die Architekten-Partnerschaft „Plan Bee“ gegründet. Der sensible Umgang mit historischer Bausubstanz kennzeichnet die Arbeit der beiden Architekten. So wurde zuletzt unter ihrer Federführung das Liborianum in Paderborn – einst Kapuzinerkloster, heute Bildungs- und Tagungshaus – umfassend saniert, modernisiert und zusätzlich erweitert (2018-2020).

Nun könnte vielleicht die „Auguste“ in Bad Lippspringe ihre nächste große Herausforderung werden. „Eine Investorengruppe hat uns vor Monaten bereits gefragt, ob und wie sich das ehemalige Klinikgebäude revitalisieren und mit neuem Leben füllen lässt“, macht Peter Bee gegenüber dieser Zeitung deutlich.

Sehen in der Auguste-Viktoria-Klinik auch nach sieben Jahren Leerstand noch großes Potenzial: die Architekten Peter Bee und André Reckeweg von „Plan Bee Architekten“ aus Schloß Neuhaus. Die beiden verfügen über Erfahrungen im Umgang mit historischer Bausubstanz.

Sehen in der Auguste-Viktoria-Klinik auch nach sieben Jahren Leerstand noch großes Potenzial: die Architekten Peter Bee und André Reckeweg von „Plan Bee Architekten“ aus Schloß Neuhaus. Die beiden verfügen über Erfahrungen im Umgang mit historischer Bausubstanz. Foto: Klaus Karenfeld

Eine Ortsbegehung vermittelte einen ersten aussagekräftigen Eindruck: Die zwischen 1900 und 1901 erbaute einstige Lungenheilstätte ist dem Baustil nach noch geprägt vom ausgehenden Historismus. Kennzeichnend für diese Zeit sind wuchtige Erker, imposante Kuppeln und ausladende Balkone. „Der schöne Schein und der Glanz vergangener Tage mögen zwar verblasst sein. Und es gibt unübersehbar einen deutlichen Investitionsstau“, räumt Reckeweg im Gespräch ein. „Entscheidender aber ist, dass die Bausubstanz der Auguste-Viktoria-Klinik insgesamt noch brauchbar ist.“ Das Wort „noch“ betont er an dieser Stelle besonders und fügt hinzu: „Wer kann schon sagen, wie sich der Zustand des Gebäudes in fünf Jahren darstellt.“

AVK soll neu erfunden werden

Ein erstes Planungspapier liegt inzwischen vor. Es trägt den vielversprechenden Arbeitstitel „Ein neues Quartier in historischer Umgebung“. Bee und Reckeweg verbinden damit eine Vision: „Die Auguste-Viktoria-Klinik muss sich neu erfinden, und zwar als Ort, in dem sich Jung und Alt gleichermaßen wohlfühlen können. Und wo auch Kunst, Kultur und Bildung ein Zuhause haben. Wenn das zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern gelingt, wird davon auch Bad Lippspringe als Ganzes profitieren.“ Peter Bee spricht in diesem Zusammenhang von einem möglichen Leuchtturmprojekt in direkter Nachbarschaft zu Senne, Gartenschau und Golfplatz.

Das immerhin 270 Meter lange Gebäude mit Leben zu füllen, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „Mammutaufgabe“ – aber auch eine Chance, wie Reckeweg klarstellt. „Das macht viele unterschiedliche Nutzungsformen unter einem Dach möglich.“ Der Architekt vergleicht das gerne mit „einer Kette, an der sich eine Perle an die andere reiht“.

Ideal für Kita

Das ehemalige Klinikgebäude wäre etwa der ideale Ort für eine neue Kindertagesstätte. „Die räumlichen Voraussetzungen dafür sind auf jeden Fall gegeben“, wie Peter Bee erläutert. So könnte eine der beiden ehemaligen Kapellen im Erdgeschoss künftig als Mehrzweckraum dienen.

In direkter Nachbarschaft dazu ließe sich auch der Gedanke eines Mehrgenerationenhauses realisieren. Ausreichend Raum für eine Senioren-Wohngemeinschaft, eine Tagespflege für Senioren und ein Café wäre jedenfalls hier vorhanden, so die Architekten. Die beiden Etagen darüber seien laut erster konkreter Planung hauptsächlich als Wohnbereiche konzipiert mit Appartements und Seniorenwohnungen.

Und auch das ist Investoren und Planern wichtig: Die AVK soll in Zukunft gleichzeitig ein Ort des Lehrens und Lernens sein, aber auch die Türen für Kunst und Kultur (Atelier/Ausstellungen) weit öffnen. Das Kellergeschoss könnte externen Dienstleistern zur Verfügung gestellt werden.

Attraktiver Außenbereich

Ein lebens- und liebenswertes Quartier zeichnet sich nach Meinung der Planer zusätzlich durch einen attraktiven Außenbereich aus. In der naturnahen Umgebung der AVK könnten unter anderem ein Landschaftsgarten mit Imkerei, ein Kräutergarten und nicht zu vergessen ein weitläufiger Kinderspielplatz neu entstehen.

Den Planungen von Bee und Reckeweg liegt nach eigenen Aussagen auch ein „sensibler Umgang mit der alten Bausubstanz“ zugrunde. Das Gebäude soll demzufolge zwar weitgehend entkernt, in seiner Grundstruktur aber erhalten werden, und die Vorgaben des Denkmalschutzes sollen unbedingt eingehalten werden.

„Wir hoffen, dass der Funke unserer Vision überspringt und weitergetragen wird“, geben sich die beiden Architekten optimistisch. Von einer „Nebelkerze im Wahlkampf“ zu sprechen, wie es ein Kritiker öffentlich getan habe, sei falsch und entbehre jeder Grundlage. „Hier und heute ergibt sich die vielleicht letzte Chance, die Auguste-Viktoria-Klinik zu retten und für die Zukunft mit neuem Leben zu füllen.“

Weitere Informationen zu den AVK-Plänen der Schloß Neuhäuser Architekten finden sich ab sofort auch auf der Homepage des CDU-Bürgermeisterkandidaten Ulrich Lange. Eine eigene Rubrik ist eingerichtet.

Wie berichtet, unterstützt Lange das Projekt der Investorengruppe von Anfang an und macht sich für den Erhalt der Auguste-Viktoria-Klinik stark.

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