Bad Lippspringer Aktion „Schreiben verbindet Menschen“ hilft in Corona-Krise
Briefe geben Senioren neuen Mut

Bad Lippspringe (WB). Auf den Besuch ihres Postboten freuen sich die Bewohner des Seniorenheims Jordanquelle in diesen Tagen besonders. Etwa 100 Briefe und Postkarten sind seit Beginn der Corona-Krise bei ihnen eingegangen.

Montag, 11.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 05:01 Uhr
Heimbewohnerin Elisabeth Prus (links) und die Leiterin des sozialen Dienstes im Bad Lippspringer Seniorenheim Jordanquelle, Gaby Plöger, freuen sich in Zeiten von Corona über die vielen zu Herzen gehenden Briefe und Postkarten. Foto: Klaus Karenfeld

„Unsere Senioren erfahren darin viel Zuspruch und Unterstützung in dieser schwierigen Zeit”, sagt Gaby Plöger.

Mitte März hatte die Leiterin des sozialen Dienstes zusammen mit ihrem Team die Aktion „Schreiben verbindet Menschen” ins Leben gerufen. „Wir wussten: Die Corona-Krise würde zu tiefgreifenden Einschränkungen führen”, macht Plöger im Gespräch deutlich. „Um die Virus-Ausbreitung zu verhindern, wurde bundesweit selbst engen Angehörigen und Freunden der Besuch im Seniorenheim untersagt.”

Niemand wusste, wie lange dieser Situation andauern würde. Plöger und ihr Team befürchteten, dass der eine oder andere Heimbewohner vielleicht vereinsamen könnte. Und so entstand spontan die Idee zu „Schreiben verbindet Menschen”. Ein Info-Flyer war schnell entworfen. Er beginnt mit dem Aufruf: „Das Seniorenheim Jordanquelle in Bad Lippspringe freut sich über jeden Brief und Postkarte”. Der Flyer wurde über den Kreis Paderborn hinaus in Apotheken, Arztpraxen und Einkaufsmärkten ausgelegt.

Der Aufruf blieb nicht ungehört. Schon zwei Tage nach Start der Aktion trudelten die ersten Briefe und Postkarten im Bad Lippspringer Seniorenheim ein. „Und wie versprochen, haben wir die eingehenden Zuschriften den Bewohnern einzeln vorgelesen”, erinnert sich Gaby Plöger. „Zumeist geschieht das in unserer morgendlichen Zeitungsrunde, wenn wir uns gemeinsam mit den neuesten Nachrichten aus aller Welt beschäftigen.”

Die meisten Zusendungen kommen – wen wundert es – aus Bad Lippspringe und dem benachbarten Schlangen. Andere haben München oder Hamburg als Absender. Sogar ein Brief aus Israel erreichte inzwischen die Heimbewohner.

Eine besonders fleißige Schreiberin ist Jennifer Flentge, die es auf immerhin 18 Zuschriften brachte. „Sie hat auch viele Freunde und Bekannte mobilisiert, uns zu schreiben”, erinnert sich Gaby Plöger. “Ihnen allen sagen wir Danke.”

Die Briefe und Postkarten enthalten oft mehr als nur einen kurzen Gruß. Die Schreiber geben viel Persönliches preis, berichten von ihrem Leben in Zeiten von Corona. „Es gibt da sehr anrührende Beispiele”, wie Gaby Plöger zu erzählen weiß.

So berichtet ein kleines Mädchen von ihrem Berufswunsch: „Ich möchte Ärztin werden, um kranken Menschen helfen zu können.” Ein Junge schreibt, wie sehr er Opa und Oma vermisst, die sich beide in häuslicher Quarantäne befinden und aktuell nicht besucht werden können.

Unter den Zuschriften findet sich auch der Brief einer Abiturientin. Seit Mitte März hat sie keinen regulären Unterricht mehr. Mit den Lehrern ist die Schülerin nur über das Internet im Kontakt.

Fast jeder Brief endet mit dem Wunsch, dass alle die schwere Zeit von Corona gut und gesund überstehen mögen.

Über soviel Anteilnahme sind die Heimbewohner sehr gerührt. Die Einsender sollen auch eine Antwort bekommen und ein Dankesschreiben erhalten – vorausgesetzt auf ihrem Brief findet sich auch eine konkrete Adresse. Die Vorderseite der Heimpostkarte ziert ein eigens angefertigtes Bild, mit dem die Bewohner und die Mitarbeiter des sozialen Dienstes noch einmal ausdrücklich Danke sagen.

„Die Corona-Krise hat Leid über viele Menschen gebracht”, sagt Gaby Plöger. Die Leiterin des Seniorenheims in Bad Lippspringe fügt dieser Feststellung dann aber auch hinzu: „In dieser schwierigen Zeit haben uns viele Menschen ein deutliches Zeichen der Gemeinschaft und des Zusammenhalts gegeben. Und das zählt über den Tag hinaus.“

 

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