Bad Lippspringe: Susanne Fresen hält per Videosprechstunde Kontakt zu Patienten Ergotherapeutin in Zeiten von Corona

Bad Lippspringe (WB). Eigentlich hätte Susanne Fresen in diesen Wochen das 20-jährige Bestehen ihrer Ergotherapie-Praxis feiern können. Doch so etwas wie Feierstimmung will auch bei ihr in Zeiten von Corona nicht aufkommen. Die Praxis in Bad Lippspringe ist seit kurzem vorübergehend geschlossen. Den Kontakt zu den Patienten lässt Fresen aber nicht abreißen, sie hat eine Videosprechstunde eingeführt.

Von Klaus Karenfeld
Susanne Fresen hätte in diesen Tagen das 20-jährige Bestehen ihrer Ergotherapie-Praxis feiern können. Doch Feierstimmung in Zeiten von Corona will auch bei ihr nicht aufkommen. Aus der Not heraus hat sie eine Videosprechstunde eingerichtet.
Susanne Fresen hätte in diesen Tagen das 20-jährige Bestehen ihrer Ergotherapie-Praxis feiern können. Doch Feierstimmung in Zeiten von Corona will auch bei ihr nicht aufkommen. Aus der Not heraus hat sie eine Videosprechstunde eingerichtet. Foto: Klaus Karenfeld

Seit Mitte März ist Fresen ganz konkret mit den Folgen der Pandemie konfrontiert: Die Altenheime in Bad Lippspringe lassen keinen Besuch von außerhalb mehr zu. Und die inklusive Kindertagesstätte Paderborn hat auf unbestimmte Zeit gleich ganz geschlossen. „In diesen Einrichtungen sind wir als Ergotherapeuten zum Teil schon seit vielen Jahren tätig“, macht Fresen im Gespräch deutlich.

Doppelte Herausforderung für Angehörige der Heilberufe

Einnahmeausfälle in nicht unbeträchtlichem Umfang seien die Folge. „Die betreffenden Mitarbeiter habe ich vorübergehend freistellen müssen“, bedauert Fresen. Ihre anderen Angestellten hat die Ergotherapeutin wie geplant in Osterurlaub geschickt. Wie es danach weitergeht, hängt auch davon ab, ob und wieweit die Bundesregierung ihre restriktiven Corona-Auflagen aufhebt oder nicht. „Wahrscheinlich werde ich für mein Team Kurzarbeit beantragen müssen, wenn sich die Situation nicht verändert“, sagt Fresen nachdenklich. Sie ist trotzdem hoffnungsvoll und glaubt an die Zukunft.

Die Corona-Pandemie wird für Angehörige der Heilberufe zur doppelten Herausforderung: Einerseits ist ihr Beruf meist durch Körperkontakt geprägt, und sie müssen sich selbst und andere vor dem Virus schützen. Andererseits bleiben Patienten weg, was zu finanziellen Ausfällen führt.

Schutzkleidung Mangelware

Und noch etwas macht Fresen und ihren Berufskollegen zu schaffen: Zwar zählen Ergotherapeuten wie auch Logopäden und Physiotherapeuten zu den systemrelevanten Berufen. „An der nötigen Schutzkleidung aber fehlt es“, beklagt die 55-Jährige. „Und es wäre mehr als leichtfertig, wenn meine Mitarbeiterinnen zum Beispiel ohne Mund- und Nasenschutz Kontakt zu den Patienten hätten.“

Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so kam Susanne Fresen auf die Idee, ihre Patienten auch in Corona-Zeiten über eine Videosprechstunde zu erreichen. Es handelt sich dabei um eine von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifizierte Video-Plattform, die Fresen zufolge strengen Datenschutzauflagen unterliegt.

„Diese Sprechstunde ist keine ergotherapeutische Behandlung im eigentlichen Sinne“, stellt Fresen ausdrücklich klar. Vielmehr gehe es darum, den Patienten auf seinem Therapieweg weiter qualifiziert zu begleiten.

Videosprechstunde hat auch Vorteile

Die Videosprechstunde habe aber noch einen weiteren Vorteil: „Das ist wie ein Hausbesuch, bei dem ich auch sehen kann, ob der Patient seine Therapie-Anleitungen umsetzt und auch in häuslicher Quarantäne weiterführt.“

Eine spezielle Gruppe, der sich Fresen in diesen Tagen besonders annimmt, sind Kinder, die beispielsweise Konzentrations- oder Motorikstörungen haben und kurz vor der Einschulung stehen. „Der Therapieerfolg hängt dabei nicht unwesentlich von der Mitwirkung der Eltern ab. Unter anderem gebe ich konkrete Anleitungen, wie die Konzentrationsfähigkeit und die Feinmotorik der kleinen Patienten verbessert werden kann.“

Die Bad Lippspringer Ergotherapeutin behandelt auch Menschen mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen, die es in Zeiten von Corona besonders schwer haben. Denn sie nehmen Ängste stärker wahr als Gesunde.

„Bei einer Depression oder Angststörung wird die Aufmerksamkeit immer auf etwas Negatives gelenkt“, so Fresen. „Diesen Menschen fällt es schwer, ihren Tag zu strukturieren. Gerade der aktuelle Ausnahmezustand ist sehr belastend für sie.“

Per Video-Chat versucht Susanne Fresen nun, diesen Patienten Selbstvertrauen zu geben, jeden neuen Tag positiv anzugehen und konsequent zu strukturieren. „Es ist viel gewonnen, wenn diese Patienten selbst in dieser schwierigen Zeit nicht von ihren Ängsten übermannt werden“, so Fresen abschließend.

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