Am 3. April 1945 ziehen amerikanische Truppen in Bad Lippspringe ein
Unblutige Übergabe der Badestadt

Bad Lippspringe (WB). Ostern 1945 – auch für die Menschen in Bad Lippspringe geht der Zweite Weltkrieg zu Ende. Amerikanische Truppen ziehen am 3. April in die Stadt ein, besetzen sofort das Rathaus, den Bahnhof, verschiedene Schulgebäude und das Arminiusbad. Es fällt kein Schuss.

Donnerstag, 02.04.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 05:03 Uhr
Im Juni 1945 zog die britische Besatzungsmacht in Bad Lippspringe ein. Das Foto zeigt den gesperrten Zugang am Hotel Wegener in der Straße Im Bogen. Der russischen Militärmission, die ihren Sitz in Bünde hatte, war durch aufgestellte Schilder in russischer Sprache der Zutritt strengstens verboten. Foto: Heimatverein Bad Lippspringe, Repro: Karenfeld

Rückblende: Die Karwoche 1945 bringt Tage quälender Ungewissheit. Viele Bad Lippspringer hoffen auf eine unblutige Übergabe der Stadt. In der Stunde des Handelns bleibt Bürgermeister Wilhelm Lange allerdings abwartend zögerlich. Das Stadtoberhaupt steht angeblich unter Beobachtung der Gestapo. In dieser Situation ergreifen am Abend des 2. April vier beherzte Badestädter Bürger die Initiative. Sie erklären sich spontan bereit, als Parlamentäre in das bereits besetzte Paderborn zu fahren, um unnötiges Blutvergießen zu verhindern. Es sind dies der Kaufmann Franz Rudolphi, der Landwirt Otto Zündorf, der Arzt Dr. Heinrich Siepmann und der Fabrikant Peter L. Grüber. Die Fahrt ins Ungewisse beginnt gegen 19 Uhr. Dr. Siepmann hat für dieses nicht ungefährliche Unternehmen sein Auto zur Verfügung gestellt. Am Wagen ist eine weiße Fahne weit sichtbar gesetzt.

Der Empfang ist eisern

Grübers Bitte, den vier Unterhändlern eine offizielle Vollmacht mit Siegel und Unterschrift mit auf den Weg zu geben, hat Bürgermeister Lange zuvor abgelehnt. Er autorisiert sie lediglich, in seinem Namen zu verhandeln. Schon eine Stunde später haben die vier Männer einen amerikanischen Militärposten östlich von Paderborn erreicht. Der Empfang ist eisern. Es vergeht eine geraume Zeit, bis ein junger Offizier erscheint, der sich als Bürgermeister von Paderborn vorstellt. Die Fahrt geht weiter, nun allerdings in einem amerikanischen Militär-Jeep. Das Ziel ist die Zentrale der Military Police (MP), wo sich die Parlamentäre zunächst eingehenden Verhören unterziehen müssen.

Bange Stunden des Wartens

Die Situation ist spannungsgeladen, wie sich Grüber später erinnert: „Alsdann sagte ein MP-Mann: ‚Meine Herren, sie sind Agenten der Gestapo!‘‘‘ Diesen Vorwurf weisen die Vier mit Nachdruck zurück. Franz Rudolphi erklärt, er und seine Begleiter seien im Auftrag ihres Bürgermeisters hier, der um eine rasche Besetzung der Badestadt bitte. Es hielten sich keine deutschen Kampfverbände mehr in Bad Lippspringe auf.

Generalleutnant Joseph Lawton Collins, Kommandeur des VII. US-Korps, zu dem auch die 3. Panzerdivision gehört, ist sich unschlüssig und befiehlt, die Männer weiter festzuhalten. Es vergehen bange Stunden des Wartens, die die vier Parlamentäre im katholischen Pastorat von Nordborchen verbringen. Am Nachmittag des 3. April, gegen 16.40 Uhr, trifft hier endlich die Nachricht ein, dass eine US-Panzerdivision in Bad Lippspringe eingerückt sei, ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Am 11. April wird Bürgermeister Wilhelm Lange seines Amtes enthoben. Kurzzeitig übernimmt der pensionierte Amtmann Peter Hachmann diese Aufgabe.

Binnen Stunden zahlreiche Gebäude beschlagnahmt

Wie überall beschlagnahmen die amerikanischen Truppen auch in Bad Lippspringe binnen Stunden zahlreiche Gebäude als Unterkünfte für die Besatzungssoldaten. Dazu wählt man speziell moderne Häuser aus.

Als im Juni 1945 die Engländer an ihre Stelle treten, beanspruchen sie weitere Gebäude, insgesamt 88. Dazu kommen die Parks, die eingezäunt werden und von der Bevölkerung nicht mehr betreten werden dürfen. Der Badebetrieb kommt in der Folgezeit fast vollständig zum Erliegen.

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