Landgericht verhandelt nach Übergriff auf Schlänger Markt erneut gegen 23-Jährigen aus Bad Lippspringe Milderes Urteil für Messerattacke

Bad Lippspringe/Schlangen (WB). Ein versuchter Totschlag sollte es gewesen sein, als ein heute 23 Jahre alter Iraker beim Schlänger Markt vor zwei Jahren einen Festbesucher mit einem Messer angegriffen und verletzt hatte. Jetzt musste das Landgericht Detmold erneut verhandeln: Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil vom Juni vergangenen Jahres – sechs Jahre Haft – aufgehoben.

Von Ulrich Pfaff
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Der Asylbewerber aus dem Irak, der in Bad Lippspringe lebte, hatte nach Überzeugung des Schwurgerichts in Detmold während des Schlänger Marktes im November 2017 einen 24-jährigen Kirmesbesucher mit einem Messer in den Hals gestochen – und zwar in Tötungsabsicht. Dass der junge Schlänger bei der Attacke keine schwere Verletzung erlitt, war wohl eher Zufall: Der Schnitt verfehlte um wenige Zentimeter die Halsschlagader. Zeugenaussagen in dem Prozess belegten aus Sicht des Gerichts, dass der angeklagte 23-Jährige, der jegliche Verwicklung in den Vorfall bestritt, der Täter war.

Gericht sieht keine Tötungsabsicht

Der Freundeskreis um das Opfer war damals vor dem Autoscooter an einer Box-Bude mit einer Gruppe jüngerer südländisch aussehender Männer in Streit geraten. In dessen Verlauf war der 24-Jährige von hinten mit einem etwa fünf Zentimeter langen Messer attackiert worden – er erkannte in dem Angeklagten den Täter wieder. Dieser wurde zusätzlich von einer Bekannten schwer belastet: Ihr gegenüber hatte er sich später in einer Flüchtlingsunterkunft gebrüstet, »einen abgestochen« zu haben. Nach mehreren Verhandlungstagen erkannte das Schwurgericht auf einen versuchten Totschlag und verurteilte den Iraker zu sechs Jahren Haft. Im Revisionsverfahren hob der Bundesgerichtshof das Detmolder Urteil auf: Es sei zum einen genauer zu prüfen, ob der Iraker als Täter zweifelsfrei zu identifizieren sei, zum anderen ob der Täter tatsächlich in Tötungsabsicht gehandelt habe.

Das Schwurgericht in Detmold hatte jetzt nach zweitägiger Verhandlung mit einer umfassenden erneuten Beweisaufnahme keine weiteren Zweifel an der Täterschaft des 23-Jährigen. Dafür aber an dem Umstand, dass er mit seinem Messerstoß beabsichtigt haben könnte, den 24-Jährigen tatsächlich zu töten: Denn der Täter habe nur einmal das Messer geführt und nach dem ersten Stoß keinen weiteren unternommen. Damit sei das strafrechtlich bedeutsame Merkmal des »Rücktritts vom Versuch« verwirklicht: Der Iraker habe lediglich eine gefährliche Körperverletzung begangen – dass er nicht noch einmal zugestochen habe, wirke hinsichtlich eines versuchten Tötungsdelikts strafbefreiend. Vier Jahre und neun Monate Haft lautet das neue Urteil. Die Verteidigung hat bereits erneut Revision angekündigt.

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