Heiko und Marius Peters öffnen heute das letzte Mal die Gaststätte Oberließ
»Wohnzimmer« der Vereine schließt

Bad Lippspringe (WB). Heute Abend probt der Männerchor Harmonie wie jede Woche im Saal der Gaststätte Oberließ. Der Kegelverein »Alle Neun« trifft sich zu ein paar Spielen genau wie der Knobelverein. Eigentlich ist es ein ganz normaler Donnerstagabend bei Oberließ. Nur eins ist anders: Heute öffnen Heiko und Marius Peters die Traditionsgaststätte ein letztes Mal.

Mittwoch, 03.04.2019, 18:27 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 18:30 Uhr
Ein Raum voller Erinnerungen: Marius (links) und Heiko Peters öffnen heute Abend ein letztes Mal ihre Gaststätte Oberließ an der Detmolder Straße in Bad Lippspringe. Danach wird das Traditionslokal geschlossen. Foto: Sonja Möller

Seit mehr als 100 Jahren gehört die Lokalität Oberließ an der Detmolder Straße zu Bad Lippspringe. Die Gaststätte ist Heimat zahlreicher Vereine und Gruppen, die sich hier regelmäßig treffen. Ob das die Sänger sind, die Schützen oder der Eggegebirgsverein. »Alle haben sich hier zuhause gefühlt«, weiß Inhaber Heiko Peters. Und das merkt man allen Räumen an: Bilder, Urkunden, Andenken – überall finden sich liebevolle Details.

Heiko Peters: »Es gibt uns seit 1905«

»Es gibt uns seit 1905«, erzählt Heiko Peters. Konditormeister Wilhelm Oberließ und seine Frau Therese eröffneten damals eine Konditorei. Ihr Sohn Wilhelm ergriff später den Beruf des Vaters und führte die Konditorei mit seiner Frau Theresia weiter. Später folgte der Umbau mit dem Saal und größeren Räumen. Von 1965 an führte Theresia Oberließ nach dem Tod ihres Mannes die Gaststätte alleine weiter.

Sohn Wilhelm, ebenfalls Konditormeister, übernahm von 1982 an für zwei Jahre den Betrieb, bevor Tochter Christel mit ihrem Mann Heiko Peters einstieg. »Für meine Frau war das eine Herzensangelegenheit. Sie stand schon mit 14 Jahren hinter der Theke. Für Christel war die Gaststätte kein Beruf, sondern ihr Lebenselexier«, erzählt Heiko Peters.

Bis zu ihrem überraschenden Tod am 1. September 2018 habe sie hinter der Theke gestanden. Was viele nicht wissen: Der Abschied vom Arbeitsleben war da bereits beschlossen, die Gaststätte sollte verkauft werden. »Das war der Wunsch meiner Mutter. Anfang 2018 hat sie uns Kinder informiert, dass sie in Rente gehen möchte«, erzählt Marius Peters. Die Familie stand hinter der Entscheidung und leitete schrittweise den Verkauf in die Wege.

Nach Christel Peters überraschendem Tod war die Frage, wie es weitergeht: »Es wäre nicht in Mamas Sinn gewesen, alle von jetzt auf gleich im Regen stehen zu lassen. Deswegen wollten wir das vernünftig zuende bringen«, betont der 31-jährige Sohn.

Innerhalb der Familie teilten sie sich die Aufgaben auf und entschieden: Die Geschichte der Gaststätte soll mit einer Harmonie-Chorprobe enden. Heiko Peters: »Wir wollen uns anständig verabschieden. Nach dem Tod meiner Frau fehlt die Seele der Gaststätte.« Im Dezember informierten sie die Vereine über die Schließung zum 4. April.

Marius Peters: »Der Käufer will keine Gaststätte weiterführen«

Was mit dem Gebäude passiert, ist öffentlich noch nicht bekannt. Marius Peters sagt nur: »Der Käufer will keine Gaststätte weiterführen.« Damit ist das Aus endgültig.

Vater und Sohn wünschen sich heute noch einmal einen letzten Abend ganz im Sinn von Christel: gemütlich zusammen sitzen, ein Bierchen trinken und die ein oder andere Anekdote austauschen. Wie Josef Anpöhler, damals Hauptmann der Klumpsack Kompanie, zum Beispiel 1970 mit seinem Pferd bis vor die Theke ritt. Oder wie Marius Peters als kleiner Junge immer zu den Hochzeitspaaren lief und so auf unzähligen Hochzeitsfotos abgelichtet ist.

»Das wird heute sehr schwer werden«, ahnt Marius Peters. Noch ein letztes Mal füllt die besondere Atmosphäre voller Erinnerungen die Räume. Dann wird ausgeräumt. Die Andenken nehmen die Vereine mit. Für die Kupfertheke von 1954 gibt es einen Interessenten und auch an der Jugendstil-Eingangstür hat jemand Interesse. Es sind die letzten Erinnerungsstücke.

Kommentare

Wilhelm Oberließ  wrote: 04.04.2019 14:58
Gäbe es keinen Abschied würde die Welt still stehen.
Um es mit "Campino" zu sagen:

"Kein Happyend
nur ein letzter Kuss
Alles passiert.
wie es passieren muss."

Gäbe es keinen Abschied würde die Welt still stehen.
In diesem Sinne
wünsche ich meiner Familie in BaLi, all den Freunden und Gästen
des Hauses Oberließ, eine schöne und besinnliche Zukunft .

Wilhelm Oberließ
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