Altenbekens Wahrzeichen wird 80 Jahre alt – Rudolf Koch überreicht ehemaliges Betriebsbuch an Bürgermeister Möllers
Korrosion hat Museumslok stark zugesetzt

Altenbeken -

„Die Museumslok gehört als Wahrzeichen zu Altenbeken wie der Viadukt.“ Damit spricht Bürgermeister Matthias Möllers wohl vielen Altenbekenern aus der Seele. Und da die historische Dampflok an diesem Samstag 80 Jahre alt wird, wird sie derzeit „hübsch“ gemacht.

Freitag, 05.03.2021, 02:59 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 07:36 Uhr
Bürgermeister Matthias Möllers (links) und Ortsheimatpfleger Rudolf Koch haben sich vor Ort einen Eindruck der Sanierungsarbeiten an der Museumslok verschafft. Restauratorin Dorothee Brück erläuterte die einzelnen Schritte. Foto: Sonja Möller

Für die Sanierung zuständig ist Diplom-Restauratorin Dorothee Brück. Und dem Urteil der Fachfrau folgend ist dies bitter nötig: „Auf den ersten Blick sieht es schlimm aus“, sagt sie unumwunden, als Matthias Möllers und Ortsheimatpfleger Rudolf Koch sich vor Ort einen Eindruck verschaffen. Doch sie sagt auch: „Aber die Substanz ist gut.“

Museumslok in Altenbeken wird saniert

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  • Daniel Russo bei der Sanierung der Museumslok.

    Daniel Russo bei der Sanierung der Museumslok.

    Foto: Sonja Möller
  • von links: Bürgermeister Matthias Möllers, Diplom-Restauratorin Dorothee Brück und Ortsheimatpfleger Rudolf Koch

    Foto: Sonja Möller
  • Roststellen.

    Foto: Sonja Möller
  • Hier wurde geheizt.

    Foto: Sonja Möller
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  • Roststellen

    Foto: Sonja Möller
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    Foto: Sonja Möller
  • Bürgermeister Matthias Möllers zeigt das historische Betriebsbuch der Lokomotive.

    Foto: Sonja Möller
  • Daniel Russo bei der Sanierung der Museumslok.

    Foto: Sonja Möller
  • Ortsheimatpfleger Rudolf Koch zeigt die Ansichtskarten, die er zum 80. Geburtstag der Lok herausgegeben hat.

    Foto: Sonja Möller
  • Diplom-Restauratorin Dorothee Brück zeigt die Fläche, die fürs Lackieren vorbereitet ist.

    Foto: Sonja Möller

Die Gemeinde Altenbeken hatte Dorothee Brück 2020 damit beauftragt, die Lok zu sanieren. Dafür sind laut Bürgermeister Möllers 385.000 Euro eingeplant. Die Gemeinde muss davon 80.000 Euro selbst tragen. Hauptsächlich geht es darum, den Rost zu entfernen und die historische Substanz zu erhalten. „Wir führen Korrosionsschutz-, Lack- und Metallbauarbeiten durch“, erläutert Brück.

Für sie und ihr Team gibt es einiges zu tun. Nach der Wasserhochdruck-Reinigung werden die losen Auflagen entfernt und der Lack, der keine Haftung mehr hat, abgetragen. Danach wird geschliffen und alles vorbereitet für die Lackierung.

„Wir haben mit dem Tender angefangen. Daraus haben wir allein 500 Kilogramm Rostschlamm und Müll geholt“, berichtet Dorothee Brück, die eine Werkstatt in Elsen hat. Der Tender ist ein Vorratsbehälter, in dem ursprünglich zehn Tonnen Kohle und 34 Kubikmeter Wasser mitgeführt wurden.

Die zu entfernende Schicht war acht Zentimeter dick, erläutert Dorothee Brück: „Und das zieht sich an der Lok weiter fort. Überall, wo Wasser stehen kann, in allen Vertiefungen, in die Wasser hineinläuft, ist besonders viel korrodiert.“ Das Korrodieren sei übrigens ein ganz natürlicher Prozess. „Eisen kann das zehnfache seines Volumens zunehmen. Es wächst und sprengt irgendwann auseinander“, erläutert die Restauratorin.

Mit ihrem Team – in Spitzenzeiten arbeiten sechs Mitarbeiter zeitgleich an der Museumslok – fährt sie die Oberflächen ab und schaut, wo Schadstellen sind: „Wir versuchen, alles zu erhalten, was geht. Alles, was auf der Lok ist, ist dabei erhaltenswert. Wir gehen Stück für Stück vor.“ Die Metallbauarbeiten starten im Tender. „Dafür kommt Professor Bernhard Mai, ein geschätzter Kollege aus Erfurt“, sagt die 40-Jährige.

Matthias Möllers fragte, was die Restauratorin von einer Überdachung der Lok im Anschluss an die Sanierung halte. „Ich halte das für unabdingbar. Das Thema ist umstritten, weil ein Dach ja zum Beispiel keinen Schlagregen abhält. Aber zumindest fällt von oben kein Regen hinein“, sagt Brück: „Ein bisschen Schutz ist immer noch besser als gar keiner.“

Die 40-Jährige hat übrigens nicht nur Müll und Rost, sondern auch kleine Fundstücke in den Ecken und Vertiefungen der Dampflok gefunden: „Es gab kleine Liebessteine, die an verschiedenen Stellen versteckt waren und wir haben Geocaching-Röhrchen gefunden. Das heißt, die Lok ist eine Geocaching-Station.“ Geocaching ist eine Art moderne Schatzsuche, bei der Menschen an besonderen Orten eine Dose mit einem Logbuch verstecken und die GPS-Daten im Internet veröffentlichen. Der Finder kann sich eintragen.

Ortsheimatpfleger Rudolf Koch hat Bürgermeister Matthias Möllers jetzt passend zum runden Geburtstag der Lok das ehemalige Betriebsbuch übergeben. „Ein solches Buch gehörte zu jeder Lokomotive. Es gab Beschreibungen über Bauart, besondere Einrichtungen, Untersuchungen und Ausbesserungen“, erläutert Koch, der die Lok 1976 für 14.800 D-Mark kaufte und so vor dem Verschrotten rettete. Den Überweisungsträger hat der 85-Jährige noch immer. Am 6. März 1941 ging die Lok in Dienst.

Dorothee Brück zeigt die Fläche, die bereits für die Lackierung vorbereitet ist.

Dorothee Brück zeigt die Fläche, die bereits für die Lackierung vorbereitet ist. Foto: Sonja Möller

„Nach dem Ende der Dampflok-Ära 1976 wurden diese Kolosse von Lokschlossern im Bahnbetriebswerk in Ottbergen zerlegt und verschrottet. Seit mehreren Generationen hatten Lokführer des Betriebswerks Altenbeken auf der Baureihe 44 ihren Dienst verrichtet und wollten eine solche sichtbar im Ort aufstellen“, schreibt der Ortsheimatpfleger zur Geschichte der Lok.

Es wurde sich nach den Kosten für den Kauf erkundigt. Das Zentralamt der Deutschen Bundesbahn habe zurückgeschrieben, dass der Kaufpreis 14.800 DM zuzüglich 11 Prozent Mehrwertsteuer betrage, was allein der Schrottwert sei.

Die Lokführer holten die jetzige Museumslok ab, die im Bahnbetriebswerk restauriert wurde. Bis 2005 wurde sie liebevoll von der Initiative Museumslok gepflegt. „Aus Altersgründen mussten wir das dann aufgeben“, berichtet Rudolf Koch, der anlässlich des 80. Geburtstages extra Postkarten mit der Lok hat anfertigen lassen.

„Die Sanierung sollte eigentlich passend zum Viaduktfest abgeschlossen sein. Das ist ja jetzt aufgrund von Corona abgesagt“, sagt Möllers. Doch so ganz ohne Feier soll die historische Lok dann doch nicht bleiben: „Wir wollen eventuell ein kleines Fest zum Lokgeburtstag feiern.“

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