Prozess am Landgericht Paderborn gegen mutmaßliche Wohnmobil-Betrügerbande offenbart skurrile Details
Käufer bemerken gefälschte Papiere nicht

Paderborn/Lichtenau -

Die Freude war kurz: Ein junges Paar, das in Köln ein Wohnmobil gekauft hatte, ist damit auf dem Heimweg von der Polizei gestoppt und das Fahrzeug sichergestellt worden. Am Freitag berichteten beide als Zeugen in dem Prozess gegen eine mutmaßliche Betrügerbande.

Samstag, 23.01.2021, 10:56 Uhr aktualisiert: 24.01.2021, 11:46 Uhr
Der Prozess gegen die Betrügerbande findet am Landgericht Paderborn statt. Foto: Ingo Schmitz

 

Seit Anfang Dezember müssen sie sich vor dem Landgericht Paderborn verantworten: Ein Ehepaar aus Essen (27 und 31), ein 36-Jähriger aus Gelsenkirchen sowie ein weiterer 36-Jähriger aus Montenegro sollen im Frühjahr 2020 Wohnmobile von Privatbesitzern gemietet haben. Statt sie zurückzugeben sollen sie diese mit gefälschten Papieren und unter Vortäuschen der Identität der wahren Besitzer weiterverkauft haben.

Vor dem Landgericht sagten am Freitag zwei Käufer aus, die ein Wohnmobil gekauft hatten, das die Angeklagten zuvor in Lichtenau gemietet haben sollen. Der 29 Jahre alte Geschäftsmann aus Tschechien hatte, wie er schilderte, das Wohnmobil des Herstellers FCA Italy im Internet gefunden und mit dem Anbieter einen Besichtigungstermin am 3. Juni in Köln verabredet. Im Stadtteil Nippes habe er dann aber den angeblichen Sohn des Besitzers angetroffen, der befugt sei, das Fahrzeug zu verkaufen.

Eine gepflegte Erscheinung, sagte der 29-Jährige, bei der ihm besonders der Armani-Gürtel und eine Rolex-Uhr noch in Erinnerung geblieben seien. Das Wohnmobil wechselte für 35.000 Euro den Besitzer, nachdem der Tscheche die Papiere und die Fahrgestellnummer überprüft hatte. „Es war alles in Ordnung“, betonte der Zeuge. Was weder ihm noch seiner Freundin, die den Kaufvertrag unterschrieben hatte, aufgefallen war: Der Fahrzeugschein – ebenso wie der Brief auf einem echten Vordruck gefälscht – wies neben dem Dienst­siegel der Zulassungsstelle des Kreises Paderborn ein Abmeldesiegel der Stadt Duisburg auf.

Der rechtmäßige Eigen­tümer des Wohnmobils, der dieses am 28. Mai vermietet hatte, hatte zwischenzeitlich sein Fahrzeug im Internet wiedererkannt – in einer Verkaufsanzeige. Weil er die Polizei informierte, wurde es zur Fahndung ausgeschrieben und mit dem tschechischen Paar am Steuer auf der A3 in der Nähe von Passau aus dem Verkehr gezogen. Auf der Suche nach den Betrügern aber konnten beide der Strafkammer nicht weiter helfen: Sie erkannten auf Bildern den „Verkäufer“ nicht wieder, auch die auffällige Rolex stimmte nicht mit jener überein, die Richter Stephan Müller dem Zeugen zeigte und die bei dem 27-Jährigen aus Essen gefunden worden war.

Der Prozess vor dem Paderborner Landgericht läuft seit Dezember. In der kommenden Woche wird die Verhandlung fortgesetzt.

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