Inge-Maria Beckmann siedelte kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in die Eggegemeinde über
Erinnerung an eine Kindheit in Altenbeken

Altenbeken -

Vor einigen Jahren erzählte Inge-Maria Beckmann in einem Interview von ihrer Kindheit in Altenbeken. Erinnerungen an sechs glückliche Jahre, die Karl Fischer, Betreiber der Brakeler Modellbundesbahn, damals in ihren ganz persönlichen Worten festhielt. Nach dem Tod von Inge-Maria Beckmann im November 2019 hat dieses Interview für ihren langjährigen Lebensgefährten Franz Josef Babik, der heute 83 Jahre alt ist, noch einmal an Bedeutung gewonnen.

Dienstag, 05.01.2021, 03:36 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 03:40 Uhr
Inge-Maria Beckmann war mit ihrem Lebensgefährten Franz-Josef Babik auch gerne auf den Wanderwegen rund um Altenbeken unterwegs. Foto: privat

Inge-Maria Beckmann war zwei Jahre jung, als sie von Gelsenkirchen nach Altenbeken kam. Der Vater kämpfte an der Front und im Kriegsjahr 1944 wurde es für die Familie mit den zwei kleinen Kindern im Ruhrgebiet zu gefährlich. „lnges Mutter war eine geborene Koch und so zog sie mit den Kindern in das Haus ihres Bruders an der Adenauerstraße“, berichtet Franz Josef Babik. Hier erlebte die kleine Inge eine glückliche Kindheit, wie sie es viele Jahre später im Gespräch mit Karl Fischer in ihren eigenen Worten beschrieb: „Das Elternhaus, in dem wir unten bei der Mühle gewohnt haben, direkt beim Viadukt, das steht heute noch. Wenn geschlachtet wurde, dann bekamen wir die Schweinsblase, und damit haben wir dann Fußball gespielt. Wir hatten ja keinen Ball. Und wenn wir von der Schule kamen, mussten wir jeden Tag die Ziegen hüten. Keine Schulaufgaben, erst Ziegen hüten, hieß es dann.“

„Kannst du dich an eure Waschküche erinnern“, fragte Karl Fischer damals. „Oh ja, jeden Freitag war Waschtag. Hocker rein, kleine Zinkbadewanne, mein Bruder zuerst und dann kam ich. Wenn meine Mutter gewaschen hatte, dann hat sie die Wäsche immer in der Beke ausgespült. Das Wasser floss ja direkt an der Hauswand entlang. Wir hatten da den Hühnerstall, und eine Treppe führte zur Beke runter. Da bin ich auch mal reingefallen als Kind. Ich bin dann auf die Mühle zugeschwommen, habe mich an ins Wasser hängenden Weidenzweigen festgehalten und geschrien wie am Spieß. Dann kam meine Mutter, und die hat mich da rausgeholt“, erinnerte sich Inge-Maria Beckmann.

Wo die Familie damals einkaufen ging, wollte Fischer wissen. Die Antwort: „Bei Rudolfi. Dort, wo heute die alte Gaststätte ist. Ich wurde immer zum Einkaufen geschickt, bin da aber gerne hingegangen, weil ich immer so ein Klümpchen kriegte. Rudolfi war die einzige Einkaufsmöglichkeit hier unten in Altenbeken. Dort wurde noch aus Tüten abgewogen. Und wenn du nicht bezahlen konntest, gab es ein großes Buch, darin wurde dann angeschrieben“.

Die Straßen seien damals noch nicht geteert gewesen, sondern voller Asche, erinnerte sich Inge-Maria Beckmann im Gespräch mit Karl Fischer. „Ein wenig von dieser Asche ist immer noch in meinem Knie. Denn einmal fiel ich ganz furchtbar mit meinem kleinen blauen Fahrrädchen hin und schlug mir die Knie auf. In der tiefen Wunde war die Asche, die eigentlich ausgewaschen werden sollte, aber es tat so weh, und ich schrie so sehr, dass Mutter den Verband einfach so um das Knie wickelte und mich wieder rausschickte. Eine bläuliche Narbe ist immer noch da“, erzählte sie damals.

Erst 1950 wurde der Vater aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen, und die Familie siedelte nach sechs Jahren in Altenbeken wieder ins Ruhrgebiet über. Nach dem Tod ihres Ehemannes kehrte Inge-Maria Beckmann dann wieder zurück in die Eggegemeinde, wo sie einige glückliche Jahre ihrer Kindheit verbracht hatte. Hier lernte sie ihren Lebensgefährten Franz Josef Babik kennen und blieb schließlich für immer – so wie die kleine, blaue Narbe am Knie.

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